Polar Vantage V3 im Test: Sportlich, schön, ausgeschlafen - und trotzdem nicht perfekt
Es gibt Menschen, die geraten beim Kürzel V800 ins Schwärmen. Das Kürzel war die Bezeichnung einer legendären Sportuhr, die vom finnischen Traditionsunternehmen Polar im Jahr 2014 veröffentlicht wurde und bei vielen Athleten immer noch Dienst am Handgelenk tut.
Nun hat Polar(öffnet im neuen Fenster) ein neues Spitzenmodell veröffentlicht, die Vantage V3. Natürlich wäre es dem Hersteller nicht unrecht, würde das Wearable ähnlichen Kultstatus erreichen.
Zumindest in Sachen Optik, Anmutung und Tragekomfort könnte das klappen: Die Vantage V3 besteht aus einem schicken Aluminiumgehäuse, nur die Rückseite ist aus Kunststoff. Dazu kommen auffallend gute Bänder, so dass die Vantage V3 sich komfortabel trägt und auch unter Manschetten passt.
Unter bombiertem Gorilla Glass 3 verbirgt sich ein AMOLED-Display – eine der beiden wichtigsten Neuerungen gegenüber dem Vorgängermodell. Es ist leuchtstark und löst fein auf, auch im Sonnenlicht sind die Informationen gut ablesbar.
Polar macht ein paar Dinge bei der Beleuchtung und beim Aktivieren des Zifferblatts anders als die meisten Konkurrenten, nicht alles davon finden wir gut. Um ein Beispiel zu nennen: Wir können im Alltagsmodus die Aktivierung per Geste nicht abstellen – auch dann nicht, wenn wir Always-on verwenden und den hellen Modus nicht benötigen.
Immerhin funktioniert die Aktivierung per Geste sehr gut. Beim Sport wird die Ansicht standardmäßig abgedunkelt, wir können aber per Menü die Anzeigen immer eingeblendet lassen, was natürlich die Akkulaufzeit verkürzt.
Touch wird beim Training deaktiviert, wir können das auch per Tastendruck tun. Allerdings funktioniert Wischen gut, und auch sonst finden wir die Bedienung mit den fünf seitlichen Tasten gelungen.
| Polar Vantage V3 | Garmin Epix 2 Pro (47 mm) | Suunto Race | ||
|---|---|---|---|---|
| Größe | 47 x 50,8 x 14,5 mm | 47 x 47 x 14,5 mm | 49 x 49 x 13,3 mm | |
| Gewicht mit Silikonband | 57 Gramm | ab 70 Gramm | Stahl 83 Gramm, Titan 69 Gramm | |
| Display-Typ | AMOLED | AMOLED | AMOLED | |
| Display Größe/Auflösung | 1,39 Zoll mit 454 x 454 Pixeln | 1,3 Zoll mit 416 x 416 Pixeln | 1,43 Zoll mit 466 x 466 Pixeln | |
| Akku im Smartwatch-Modus | 8 Tage (Always-on 5 Tage) | 16 Tage (Always-on 6 Tage) | 12 Tage (Always-on 7 Tage) | |
| Akku bei GPS-Aktivität (Basis) | 53 Stunden | 42 Stunden | 40 Stunden | |
| Preis (UVP Hersteller) | rund 600 Euro | ab 950 Euro | ab 450 Euro |
Die zweite große Neuerung sind Offlinekarten auf Basis von Mapbox/Openstreetmap. Die Besonderheiten: Auf der Uhr sind nur Karten abgespeichert, die für echte Navigation zu detailarm sind, weil lediglich die wichtigsten Hauptstraßen enthalten sind. Damit wird es ziemlich schwierig, sich zu orientieren.
Die Lösung: Im Web kann man per Browser bei Polar detaillierte Karten laden – kostenlos. Die Datei für Deutschland ist 2,4 GByte groß, sie muss auf dem PC per Explorer oder auf dem Mac per Finder manuell auf die Uhr kopiert werden. Eine simple Option per Smartphone-App gibt es nicht. Die Vantage V3 unterstützt kein WLAN.
GPX-Routen müssen ebenfalls per Browser im Web wahlweise per Komoot oder über eine Funktion in der Web-Applikation von Polar importiert werden. Das lässt sich auch per Browser auf dem Smartphone erledigen, allerdings ist das fummelig.
Bei Polar selbst kann man keine Routen anlegen, sondern macht das bei Komoot oder woanders. Übrigens, wenn wir manuell eine GPX-Datei auf die Uhr kopieren, taucht diese nicht im Navigationsmenü auf. Schade!
Noch eine Sache, die wir schade finden: Wenn wir ein Training ohne vorgefertigte Route absolvieren, wird keine farbige Linie hinter uns hergezogen, um die bisher zurückgelegte Strecke zu zeigen. Klar, irgendwie ist das nicht nötig, aber wir schätzen diese Funktion auf anderen Sportuhren.
Bei vorgefertigten Routen – also GPX – sehen wir eine blaue Linie vor uns und eine rote hinter uns. Wenn wir vom Weg abkommen, ist nach ein paar Metern die rote Linie plötzlich weg. Das kann wirklich für Orientierungsprobleme sorgen und wird hoffentlich per Update korrigiert.
Immerhin, die Erfassung von Routen und Positionsdaten funktioniert prima: Im leistungsstärksten GPS-Modus mit Multifrequenz und Multiband findet das Wearable nahezu sofort die Satelliten, das Tracking hat bei unseren Läufen und Fahrradfahrten erstklassig gearbeitet.
Die Herzfrequenzmessung ergibt ein weniger gutes Bild. Im Normalfall lieferte die Vantage V3 beim Laufen und beim (schwierigeren) Radfahren die gleichen Werte wie unsere Vergleichsreferenz.
Polar Vantage V3: Verfügbarkeit und Fazit
Doch gelegentlich gab es ohne erkennbaren Grund starke Aussetzer in Form von deutlich überhöhten Werten. Gemeint ist etwa rund fünf Minuten ein Puls über 170 – während unser anderes Wearable eine 130er- oder 140er-Herzfrequenz anzeigte. Der auf Sportelektronik spezialisierte Blogger DC Rainmaker(öffnet im neuen Fenster) bestätigt dieses Phänomen. Er und andere Blogger melden ebenfalls Abstürze der Uhr, was uns in fast zwei Wochen mit vielen Trainings nicht passierte.
Neben den üblichen Aktivitätsprofilen sowie einer Reihe von Trainingsberatern gibt es auf der Vantage V3 einen Schrittzähler, eine Schätzung des Kalorienverbrauchs und weitere typische Funktionen von Sportuhren. Das Senden der Herzfrequenz auf Hometrainer oder Rudermaschinen ist möglich.
Die Schlafanalyse funktioniert bei uns herausragend, die Auswertungen und Tipps finden wir besser als bei allen anderen uns bekannten Sportuhren. Hier liefert Polar schon seit Jahren ab. Was man dann mit den Daten anfangen kann, ist eine andere Sache: Wir schaffen es trotz all der Hinweise leider nicht, früher ins Bett zu gehen.
Es gibt eine Reihe von Gesundheits- und Fitnesstests direkt auf der Uhr, die wir mit der integrierten Pulsmessung – also ohne Brustgurt – durchführen können. Darunter ist auch ein EKG, das allerdings nicht zertifiziert ist und keine Prüfung für Vorhofflimmern (Atrial Fibrillation, AFib) enthält.
Die Vantage V3 unterstützt Benachrichtigungen bei gekoppeltem Smartphone. Höhenmesser, Barometer und Kompass sind eingebaut. Schade: Das bei vielen Wearables als Standard etablierte Abdecken des Displays mit der Hand für die Rückkehr zum Hauptzifferblatt bewirkt hier nichts.
Ein paar Sachen gibt es nicht auf der Vantage V3. Es steht weder WLAN noch Mobilfunk zur Verfügung, stattdessen werden Daten per Bluetooth mit dem Smartphone aktualisiert. Beim Test klappte das immer wieder nur mit Schwierigkeiten, weil keine stabile Verbindung aufgebaut wurde.
Früher gab es dieses Problem bei vielen Sportuhren, doch seit drei oder vier Jahren haben wir es nicht mehr erlebt. Bei der V3 ist es lösbar, indem wir in den Einstellungen des Smartphones die Bluetooth-Verbindung bestätigen und dann die Polar-Flow-App neu starten. Das dauert zwar nur zehn Sekunden, nervt aber.
Es gibt keine Bezahlfunktion. Und Musik kann nur gesteuert, nicht direkt auf der Uhr gespeichert werden, selbst wenn der 32 GByte große Speicher nicht vollständig mit Karten belegt ist – was vermutlich selten vorkommt.
Die Polar Vantage V3 ist in drei Farbversionen verfügbar, alle kosten rund 600 Euro. Das Wearable verwendet Standard-Federstege mit einer Breite von 22 mm, so dass der Austausch der Armbänder problemlos möglich ist. Laut Polar ist die Uhr wasserbeständig bis 50 Meter.
Fazit
Eines überzeugt bei der Polar Vantage V3: die Hardware. Vom Gehäuse über die Tasten mit den tollen Druckpunkten und dem AMOLED-Display bis zu den sehr guten Armbändern stimmt wirklich alles. Die Verarbeitung ist klasse, die Anmutung wirkt hochwertiger als bei vielen anderen Wearables. Und die Sportuhr sieht auch noch gut aus.
Ebenfalls Pluspunkte sammeln GPS-Modul und der Prozessor. Die Vantage V3 reagiert auffällig schnell und ruckelt so gut wie gar nicht. Gut, aber nicht ganz so gut im Konkurrenzumfeld, sieht es bei der Akkulaufzeit aus. Hier schaffen viele vergleichbare Sportuhren bessere Werte.
Das eigentliche Problem der Polar Vantage V3 sind einige im Grunde unnötige Probleme bei der Software, wie die Aussetzer bei der Herzfrequenzmessung – an sich kann der Sensor es ja, nur nicht immer -, oder die Bugs beim Pairing und der Synchronisation über Bluetooth.
Eine große Baustelle ist momentan die Offlinenavigation. Hier bieten Garmin und Suunto bessere Systeme. Was Polar abliefert, wirkt wie gerade erst angefangen. Wer ohne Smartphone mit der Vantage V3 durch unbekanntes Terrain laufen oder wandern möchte, sollte sich über die Besonderheiten bei Karten und Routen im Klaren sein.
Große Pluspunkte sammelt die Schlafanalyse, die uns besser als bei allen anderen Wearables gefällt. Als Gesamtpaket wäre die Vantage V3 trotz Webportal, der guten App und einigen weiteren Stärken zumindest derzeit nicht unsere erste Wahl. Für langjährige Polar-Nutzer mit einem Faible für AMOLED lohnt sich das Update auf das neue Spitzenmodell jedoch.
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