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Polar Ignite 3 im Test: Sportuhr für ausgeschlafene Athleten

Beim Ausprobieren zeigt die Sportuhr Ignite 3 von Polar eine tolle Schlafanalyse, gutes Dualband-GPS und sehr viel Tragekomfort – aber Ruckler.
/ Peter Steinlechner
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Die Polar Ignite 3 im Einsatz (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)
Die Polar Ignite 3 im Einsatz Bild: Peter Steinlechner/Golem.de

"Die meisten wissen gar nicht, was sie für ein Tempo haben könnten, wenn sie sich nur einmal den Schlaf aus den Augen rieben" : Das Zitat stammt vom Dichter Christian Morgenstern und könnte ganz ähnlich auch in Werbespots für Sportuhren vorkommen. Denn immer mehr Modelle bieten Trainingsempfehlungen auf Basis von Schlafanalysen.

Besonders weit geht hier das finnische Traditionsunternehmen Polar(öffnet im neuen Fenster) mit der neuen Ignite 3. Nach Firmenangaben soll das Wearable auf Basis der Schlafanalyse sehr zuverlässig sagen können, ob wir einen temporeichen Lauf machen oder lieber Entspannen sollen.

Eigentlich sollen wir sogar erfahren, ob wir den temporeichen Lauf lieber morgens oder abends machen. Grundlage ist der "circadiane Rhythmus" – das ist nicht so esoterisch, wie es klingt, sondern meint schlicht den rund 24 Stunden langen inneren Rhythmus von uns Menschen. Diese Funktion soll aber erst in den kommenden Wochen per Update folgen.

Wir haben sie kaum vermisst, denn die Schlafanalyse und darauf aufbauende Trainingsempfehlungen von Polar finden wir schon jetzt beeindruckend gut. Die Ignite 3 hat unsere Einschlaf- und Aufwachzeitpunkte immer auf die Minute genau erfasst – so präzise hat das bei uns noch kein Wearable geschafft, Polar schlägt die Konkurrenz nach unserem Eindruck um Längen.

Wenn es mal nicht klappen sollte, können wir die Zeiten innerhalb von sieben Tagen manuell korrigieren. Auch die weitergehenden Daten finden wir stimmig: Neben den üblichen Angaben zu REM- und Tiefschlafphasen bekommen wir Hinweise unter anderem zur Schlafstabilität und -kontinuität.

Das ist durchaus interessant und in der App sowie im Web gut aufbereitet, aber erschlägt uns ein bisschen. Deshalb finden wir es gut, dass es "Tipps für den Tag" mit konkreten Empfehlungen gibt: etwa, dass es ein guter Tag für Training wäre oder dass wir es besser ruhig angehen sollten.

Der tatsächliche praktische Nutzen ist schwierig einzuschätzen. Schließlich trainieren wir doch recht oft dann, wenn es zeitlich oder vom Wetter her passt. Aber wenn wir uns nicht so gut fühlen und schwanken, ob wir laufen oder Rad fahren gehen, können Tipps der App durchaus den Ausschlag geben.

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Neben der Schlafanalyse bietet die Polar Ignite 3 den von Sportuhren gewohnten Funktionsumfang. Auffällig ist das sehr lichtstarke AMOLED-Bildschirmchen mit einem Durchmesser von 1,28 Zoll und einer Auflösung von 416 x 416 Pixeln. Beim Vorgänger kam noch ein etwas kleineres TFT-Display zum Einsatz.

Das neue Panel füllt das Zifferblatt fast vollständig aus, so dass fast kein unschöner Rand bis zur Lünette ist – prima! Die leicht bombierte Abdeckung besteht aus Gorilla-Glas (ohne uns bekannte Versionsnummer), das recht hochwertig wirkt.

Die Steuerung erfolgt per Touch sowie über eine einzelne, links angebrachte Taste. Leider reagiert die Uhr auf beide Eingabearten mit starker Verzögerung. Manchmal passt mehrere Augenblicke schlicht nichts, so dass wir noch mal drücken oder tippen – und dann eine Fehleingabe haben.

Polar Ignite 3: Verfügbarkeit und Fazit

Echte Probleme hatten wir zwar nicht, weil etwa das Beenden einer Aktivität sinnvoll gesichert ist – wir müssen die Taste drei Sekunden lang gedrückt halten. Aber die Ruckler und Wartezeiten nerven. Die Aktivierung des Zifferblatts per Geste klappt wiederum ziemlich gut.

Abgesehen von dem offensichtlich überforderten Prozessor macht die Hardware der Ignite 3 einen richtig guten Eindruck.

Sowohl die optische Herzfrequenzmessung mit zehn LEDs als auch das Dualband-GPS liefern stimmige Werte, die sich nicht von den Daten teils deutlich teurer Konkurrenz-Sportuhren mit ebenfalls aktueller Technik unterscheiden.

Polar selbst gibt die Akkulaufzeit mit fünf Tagen im Smartwatch-Modus mit Schrittzählung, Benachrichtigungen, Wetterinfos vom gekoppelten Smartphone und anderen typischen Funktionen an. Das Senden von Herzfrequenzdaten auf andere Geräte ist über Bluetooth möglich und klappt gut.

Bei Aktivitäten mit GPS sind es laut Hersteller rund 30 Stunden. Beide Angaben kommen uns plausibel vor. Mit aktiviertem Always-on-Display sind wir im Alltag auf eine Laufzeit von etwas weniger als zwei Tagen gekommen.

Die Polar Ignite 3 ist in mehreren Farbversionen für rund 330 Euro erhältlich. Die Armbänder haben eine Breite von 20 Millimeter und können dank Schnellwechsel-Federstegen problemlos gegen Alternativen auch von Drittherstellern ausgetauscht werden.

Polar Ignite 3 – Trailer
Polar Ignite 3 – Trailer (01:06)

Das Gehäuse der Polar Ignite 3 hat einen Durchmesser von 43 mm und eine Höhe von 9,5 mm – minimal dicker als der Vorgänger. Das Gewicht liegt bei rund 35 Gramm, was zu einem sehr hohen Tragekomfort führt. Laut Hersteller ist die Sportuhr wasserbeständig nach WR30.

Fazit

Auf den ersten Blick macht die Ignite 3 von Polar nicht viel her. Tatsächlich aber steckt im schlichten Gehäuse gute Technik: ein leuchtstarkes AMOLED-Panel, ein ausdauernder Akku, Dualband-GPS sowie ein überzeugender Pulssensor auf der Rückseite.

Das sorgt für stimmige Daten, aus denen Polar dann in der App und im Web etwas macht: nämlich Trainings- und Schlafanalysen, die besser als bei den meisten Konkurrenten mit unserem Körpergefühl übereinstimmen.

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Insbesondere die Schlafanalyse von Polar ist eine Klasse für sich. Zumindest bei dem, was wir beurteilen können: Beim Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt liegen Ignite 3 und das Ökosystem so gut wie immer auf die Minute richtig. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen finden wir sinnvoll.

Eine große Schwäche hat die Ignite 3, nämlich die starken Ruckler und langen Wartezeiten in den Menüs. Vor allem anfangs drücken wir immer wieder Touch oder die Seitentaste mehrfach, was dann schlicht zu Fehleingaben führt.

Im Zweifel würden wir allerdings lieber mit diesem Manko leben als mit ungenauen Daten oder einem schlecht lesbaren Display. Dennoch tun wir uns mit einer klaren Empfehlung schwer. Im Zweifel sollten nur ausreichend geduldige oder lernfähige Sportler zugreifen.


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