Pokémon Go: Niantic handelt fahrlässig in der Corona-Pandemie
Gruppentreffen, Festivals, die eigenen vier Wände verlassen und mit Freunden niedliche Monster jagen – das ist das Gegenteil dessen, was wir während der Covid-19-Pandemie tun sollten. Für die nach wie vor bemerkenswert große Nutzerschaft von Pokémon Go macht das aber den besonderen Reiz des Spiels aus – und ist ein integraler Teil des Augmented-Reality-Konzepts. Denn das Spielfeld auf dem Bildschirm basiert auf Google Maps. Bewegen sich die Spieler in der Realität, wandert ihr digitales Alter Ego anhand von GPS-Daten des Smartphones automatisch auf einer Karte unserer realen Welt mit.
Dem anhaltenden Erfolg des Programms hat Corona keinen Abbruch getan. 2020 machte Pokémon Go durch In-App-Käufe nach Schätzungen der Nielsen-Firma Superdata(öffnet im neuen Fenster) mit 1,92 Milliarden US-Dollar sogar mehr Umsatz als in all den Jahren zuvor(öffnet im neuen Fenster) . Gewundert hat mich das nicht, die Methodik hinter diesem Erfolg stößt mir jedoch selbst als Fan und langjährigem Beobachter der App seit Beginn der Coronakrise übel auf.
Ein gutes Free-to-Play-Konzept – früher
Bislang zählte Pokémon Go zu den wenigen Free-to-Play-Apps mit optionalen Mikrotransaktionen, die ich für halbwegs fair entworfen hielt. Das kostenlose Kernspiel ist umfangreich und wurde seit dem Launch um zahlreiche Pokémon und Features wie Trainerkämpfe, Team-Rocket-NPCs sowie eine Tauschfunktion erweitert.
Als Gelegenheitsspieler bin ich gerne dabeigeblieben, habe mich in meiner Rolle als virtueller Pokémon-Trainer, so heißen die Avatare der Nutzer, im gemächlichen Tempo auf ein respektables Level 39 hochgearbeitet und mich ohne nennenswerten Geldeinsatz nie vom Monsterfangen mit Freunden ausgeschlossen gefühlt.
Normalerweise wird der Spielfortschritt in Freemium-Titeln durch nervige Zwangspausen oder monotones Wiederholen anspruchsloser Aktionen ausgebremst, was Spieler nur durch Einsatz erkaufter Premium-Währungen auf ein erträgliches Maß beschleunigen können. In Pokémon Go wird der Fortschritt dagegen primär dadurch angekurbelt, dass Spieler sich mit ihren Smartphones bewegen, viele reale Orte besuchen und andere Trainer in der Wirklichkeit zum gemeinsamen Spielen treffen. Wer sich daran hält und täglich aktiv ist, hat wenig Bedarf, echtes Geld auszugeben. Oder vielmehr hatte – bis Corona kam.
Heimtrainern gehen die Bälle aus
Hauptquelle für kostenlose Basis-Items in Pokémon Go sind die sogenannten Pokéstops. Das sind fixe Punkte auf der Weltkarte, die an signifikante Gebäude, Statuen, Graffitis und ähnlich markante Objekte in der echten Welt gebunden sind. Befinden Nutzer sich in deren Umkreis, können sie in regelmäßigen Abständen neue Gegenstände für ihr Spiel abrufen.
Am allerwichtigsten sind Pokébälle, die in Zufallsbegegnungen per schwungvollem Fingerwischen über den Touchscreen Richtung wilder Pokémon geworfen werden, um sie zu zähmen und einzufangen. Hauptziel des Spiels ist es, möglichst viele unterschiedliche Varianten dieser putzig animierten Fantasietiere beim Umherwandern zu sammeln und mit extra mächtigen Exemplaren Monsterkämpfe gegen andere Trainer zu gewinnen.

Ein Pokémon zu erbeuten, egal wie schwach oder wie oft schon gesehen, lohnt sich eigentlich immer. So sammeln Spieler bei jedem Fang Erfahrungspunkte, Sternenstaub und Bonbons, um damit ihre Vorzeigekämpfer stärker werden zu lassen oder die Evolution zu viel mächtigeren Pokémon auszulösen, die in der Wildnis nicht so häufig vorkommen.
Da nicht jeder Wurf trifft, Monster in freier Wildbahn auch hin und wieder erfolgreich ausweichen oder flüchten, ist ein steter Pokébälle-Nachschub für Trainer aller Level essenziell. Dementsprechend hätte Niantic als effektivste Hilfestellung während der Pandemie zuallererst den Zugriffsumkreis auf Pokéstops – und damit auf kostenlose Bälle – in der näheren Umgebung am besten drastisch ausweiten sollen.
Schnell lockt der Griff zu echtem Geld
Die Reichweiten wurden zwar tatsächlich vergrößert, allerdings derart geringfügig, dass den meisten Spielern damit kaum geholfen ist(öffnet im neuen Fenster) . Ich selbst kann zum Beispiel von mehr als 20 dieser Stationen in unmittelbarer Sichtweite, auch nach Anpassung des Umkreises, gerade einmal eine einzige von meiner Wohnung aus aktivieren. Neue Pokébälle generiert mir diese Station allein nur schleppend.
Ist der Vorrat an Fangbällen und anderen Items hoffnungslos erschöpft, lockt der optionale Griff zu echtem Geld. Nach üblichem Freemium-Preismodell(öffnet im neuen Fenster) kaufen Trainer Pokémünzen, mit denen im Ingame-Shop nach Herzenslust und ohne Limits Verbrauchsgegenstände eingekauft werden können.
Spielerisch lassen sich die Münzen mühsam und mit strengen Tageslimits durch die Eroberung und Verteidigung von Kampfarenen verdienen. Ein zäher Prozess, der in Gruppen als Team am meisten Erfolgsaussicht hat. Nutzern, die zu Hause bleiben und nicht unmittelbar neben einer solchen Kampfarena wohnen, bleiben diese wenigen kostenlosen Münzen in der Pandemiezeit weitgehend verwehrt, sofern sie sich an die Lockdown-Regeln und Empfehlungen zur Kontaktbeschränkung halten.
Niantic hatte eine einzige gute Idee – kurz
Mitte 2020 hatte Niantic diesbezüglich eine wirklich gute Idee, die sich wie ein ehrlich gemeintes Geschenk anfühlte. Mit teilweise anspruchsvollen, aber stets lösbaren Ingame-Challenges durften Spieler in Pokémon Go täglich 20 Goldmünzen (Gegenwert: etwa 20 Cent) zum Einkaufen im Onlineshop einsammeln, egal ob sie Monster in Arenen stehen hatten oder nicht. Es reichte, beim normalen Fangen ein paar perfekte Würfe zu schmeißen oder mehrere Pokémon weiterzuentwickeln, um die Extramünzen binnen von Minuten zu verdienen.
Diese 20 Münzen pro Tag waren den Entwicklern bei genauerer Überlegung dann aber offenbar doch zu viel. Gerade als das Coronavirus im Herbst immer weiter um sich griff und sogar noch mehr Länder als zuvor in strenge Lockdowns gingen, zog Niantic seine Spendierhosen wieder aus und strich das laut eigenen Angaben nur als Experiment gedachte(öffnet im neuen Fenster) Bonusmünzen-System ohne Anzeichen von Rückkehr aus der App.
Monster miteinander zu tauschen, ohne physisch an ein und demselben Ort zu sein, wäre bereits vor Corona als Komfortfunktion wünschenswert gewesen. Bisher wurde auch diese Funktion mit stark erweiterter, aber nach wie vor limitierter Reichweite nur temporär ausprobiert(öffnet im neuen Fenster) .
Wie Niantic auf Corona hätte reagieren sollen
Als klar wurde, dass Covid-19 die Bewegungsfreiheit und soziale Interaktion der Menschen weltweit langfristig, gar über Jahre, massiv einschränken würde, hätte Niantic sein Pokémon Go konsequent so umbauen können, dass Spieler dafür belohnt werden, zu Hause oder wenigstens an einem festen Ort zu bleiben.
Ideen dafür gab und gibt es einige, vieles ließe sich einfach umsetzen, könnte nach der Pandemie fortgeführt werden und ist in den Online-Communitys rund um die App bereits zuhauf von Usern vorgeschlagen worden. Ein Beispiel ist die schon erwähnte Erweiterung des Zugriffsumkreises auf Pokéstops zum Sammeln von kostenlosen Items und zur Interaktion mit Kampfarenen. Man hätte diesen Umkreis immer größer machen können, je länger sich Spieler in einem begrenzten Umfeld aufhalten.
Ein weiterer Punkt betrifft die verschiedenfarbigen Pokémon-Eier(öffnet im neuen Fenster) . Aus ihnen schlüpfen nach dem Zufallsprinzip manchmal besondere Monstervarianten, außerdem liefern sie große Mengen Erfahrungspunkte. Sie sollten sich in einer Pandemie wie dieser idealerweise ausbrüten lassen, wenn das Smartphone gar nicht oder nur wenig bewegt wird – und nicht, wie bisher, nach Abwandern einer von der App vorgegebenen Kilometerzahl in der echten Welt.
Und noch ein Vorschlag: Die virtuelle Währung Pokémünzen könnte in kleinen Mengen für unterhaltsame Tages-Challenges mit der Augmented-Reality-Fotofunktion oder fürs Versenden von Geschenken an Freunde ausgeschüttet werden – statt durch das schon erwähnte Besetzen und Verteidigen von Arenen, was den meisten Nutzern von zu Hause aus gar nicht möglich ist.
Manche dieser Vorschläge würden das Spiel, ganz abgesehen vom Virus, sogar für Menschen mit Behinderung und anderweitiger Bewegungseinschränkungen barrierefreier machen, ohne die Vorteile des Hinausgehens und Aktivseins völlig zu untergraben. Doch das ist nicht passiert.

Ein zugänglicheres Pokémon Go, das sich optional auch zu Hause sinnvoll weiterspielen lässt und seinen Nutzern ein paar mehr, bisher schwer zugängliche Extras gönnt, wäre sicher weiterhin eine Goldgrube für seine Entwickler. Dafür sorgen alleine schon die seit längerem immer regelmäßiger veranstalteten(öffnet im neuen Fenster) Ingame-Events, die bis zu 17 Euro pro Teilnahme(öffnet im neuen Fenster) kosten. Dafür gibt es dann exklusive Aufgaben und ein kurzzeitig vermehrtes Auftreten ausgewählter Pokémon, oft mit besonderen Attackensets und anderen Belohnungen. Wer sie übrigens nicht im fest datierten Zeitraum einheimst, hat das Geld dafür umsonst bezahlt. Mir selbst ist das leider auch schon passiert.
Wurden manche Ingame-Events(öffnet im neuen Fenster) ganz am Anfang der ersten internationalen Coronalockdowns, in einer Phase der völligen Unsicherheit, abgesagt oder um ein paar Wochen verschoben, ist Niantic schon früh wieder dazu übergegangen, die für das Unternehmen hochlukrativen Aktionstage und saisonalen Veranstaltungen virtueller Natur weiter stattfinden zu lassen – wohlwissend, dass Spieler dann über das Zugangsticket hinaus viele Pokébälle und sonstige Items in überdurchschnittlich kurzer Zeit verbrauchen müssen, um ihre Chance auf die vorab bezahlten Belohnungen zu wahren.
Coronamaßnahmen als Lockangebote
Die tatsächlichen Anpassungen des Spielsystems von Pokémon Go an den Alltag mit Corona, zu denen sich Niantic seit dem vergangenen Jahr etappenweise durchgerungen hat, sind allesamt zeitlich begrenzt, wurden teilweise vor Monaten schon wieder entfernt (öffnet im neuen Fenster) und waren im Großen und Ganzen nur bedingt hilfreich. Besonders für Nutzer, die nicht immer weiter echtes Geld in der App ausgeben wollen.
Beispielhaft dafür stehen die oben erwähnten Pokémon-Eier(öffnet im neuen Fenster) . Als Zugeständnis an die Lockdown-Lage ließen Brutkästen die Monster zwar für eine Weile schneller schlüpfen als üblich. Unmittelbar nach dem Ende dieser Hilfsmaßnahme hat Niantic jedoch im unpassendsten Moment mit Zwölf-Kilometer-Eiern(öffnet im neuen Fenster) eine ganz neue Kategorie eingeführt, die die Spieler zum Brüten noch länger herumlaufen lässt als jedes Ei im Spiel zuvor.
Vermeiden kann das, wer eine Premium-Brutmaschine im Wert von 200 Pokémünzen besitzt (rund 2 Euro, geht nach drei Anwendungen kaputt). Damit wird die Anforderung zum Herumlaufen pro rotem Ei auf acht Kilometer heruntergeschraubt.
Die Distanzanforderungen aller anderen Eier können auf diese Weise ebenso um ein Drittel gesenkt werden. Wer diesen Vorteil durch ein paar wenige kostenlos bereitgestellte Superbrutmaschinen mal ausprobiert hat, wird gerade jetzt im Lockdown besonders in Versuchung sein, einen Vorrat der kilometersparenden Glasbehälter im Shop zu erwerben.
Heimisches Zirkeltraining, Seilchenspringen oder vergleichbare sportliche Betätigung als alternative Ausbrütschritte zählen zu lassen, hatte Niantic im März vergangenen Jahres(öffnet im neuen Fenster) in Aussicht gestellt – seitdem jedoch nie mehr erwähnt. Auch ein vage beschriebener Modus, um bereits besuchte Orte auf der Weltkarte von zu Hause aus virtuell zu besuchen, ist in der Öffentlichkeitskommunikation fast ein Jahr später gar kein Thema mehr.
Manches wirkt wie eine Alibi-Geste der Entwickler
Die Spawnraten, also die Intervalldauer, in der Pokémon um den Spieler herum zufallsgeneriert erscheinen, hat Niantic als Reaktion auf Corona hingegen schon auffällig früh und dauerhaft erhöht. Was erst einmal toll klingt, da Spieler nun zu Hause ohne langes Warten oder Wandern viel mehr Pokémon als üblich vorfinden, erfordert selbstverständlich auch außerhalb von Events standardmäßig mehr Bälle zum Fangen(öffnet im neuen Fenster) .
Wer als Pokémon-Trainer nicht viel draußen herumlaufen möchte und im Alltag auch schlicht nicht mehr so häufig unterwegs ist, um nebenher in Bus und Bahn an jeder Haltestelle den Beutel zu füllen, steht aktuell öfter vor der Frage, ob er sich all die Pokémon in den eigenen vier Wänden und drumherum entgehen lässt – oder doch ein paar Euro für den steten Nachschub kostbarer Fangbälle ausgibt.
Items in zumeist irrelevant kleinen Mengen geschenkt zu bekommen, wirkt vor diesem Hintergrund wie eine Alibi-Geste der Entwickler, um Sympathien zu sammeln und Nutzer nach marktüblichem Prozedere zum täglichen Aufruf der App zu animieren. Es wirkt jedenfalls nicht wie ernst gemeinte Hilfe.
Premium-Zugangspässe für kontaktlose Raids
Noch deutlicher wird das beim Thema Raid-Gruppenkämpfe. Diese Kämpfe gegen außergewöhnlich starke und begehrte Pokémon(öffnet im neuen Fenster) wie Mewtu, die sich bei erfolgreichem Niederringen einfangen lassen, erforderten zur Teilnahme schon immer spezielle Zugangspässe. Einen pro Tag kann jeder kostenlos an einer Arena erhalten, diese geschenkten Pässe lassen sich jedoch nicht ansparen.
Wer mehr als einen Pass in der Tasche haben möchte, muss Premium-Raid-Pässe ab 1 Euro beziehungsweise 100 Münzen pro Stück im Shop kaufen. Durch Rabattaktionen und Ingame-Quests, die gelegentlich mit Premium-Pässen belohnen, haben viele Spieler stapelweise diese alten Raid-Zugangskarten gelagert, viele davon mit echtem Geld gekauft.
Damit Raids während der Pandemie fortgesetzt werden können, ohne Gruppentreffen in der Wirklichkeit zu erfordern, hat Niantic per Update die schon lange gewünschte Möglichkeit eingeführt, von überall aus an solchen Raids teilzunehmen. Allerdings nur auf Einladung und nur, sofern Spieler einen dafür neu eingeführten Fern-Raid-Pass(öffnet im neuen Fenster) besitzen. Anstatt einfach die bisherigen Standard-Raid-Pässe auch hierfür zu verwenden, konnten die Entwickler es also nicht lassen, in bester Freemium-Manier eine weitere Form virtueller Extrawährung einzuführen.

So nobel es im ersten Moment erscheinen mag, dass während der Pandemie ab und zu kostenlose Fern-Raid-Pässe(öffnet im neuen Fenster) ausgegeben werden: Die Gratis-Items lassen sich nicht einsammeln, wenn der Spieler schon drei oder mehr in der Tasche hat. Niantic unterbindet selbst angesichts der aktuellen Umstände weiter bewusst die Möglichkeit, geschenkte Pässe anzusparen. Denn wer bei handelsüblichen Raid-Gruppen sein Team nicht schon nach ein paar Kämpfen im Stich lassen möchte, kommt so nicht um den Einsatz echter Euros herum, während die alten, schon gekauften Raid-Pässe von früher bis zum Ende der Pandemie ihre Relevanz verloren haben – außer natürlich für Gruppen, die sich trotz Lockdowns und Ansteckungsgefahr weiter real zum Raiden treffen.
Aufruf zum Powerplay in der Corona-Weihnachtszeit
Als Ende 2020 das lang ersehnte Beyond-Update(öffnet im neuen Fenster) mit Anhebung der Höchstgrenze des Trainer-Levels von 40 auf 50 sowie ein anspruchsvolleres Aufgabensystem zum Levelaufstieg angekündigt wurden, hieß es mitten auf einem neuen Höhepunkt der weltweiten Corona-Infektionszahlen: Jetzt noch mal extra viele Erfahrungspunkte sammeln, denn wer bis 31. Dezember Trainer-Level 40 erreicht, bekommt digitale Goodies, die es danach nie mehr geben wird.
Dies kam einem aktiven Aufruf gleich, jeden theoretisch erreichbaren Raid-Bosskampf als wandernde Spielergruppe gemeinsam draußen abzuklappern – der effektivste und einzig realistische Weg, das Trainer-Level derart hoch zu steigern. Oder alternativ von zu Hause aus Geld auszugeben, um mit den die Erfahrungspunkte verdoppelnden Glückseiern und anderen Support-Items an die Grenzen zu gehen.

Durch verschiedene Anreize wurden Spieler zusätzlich motiviert, kurzzeitig mehr Belohnungen pro Aktion im Spiel zu erhalten, was mit dem Boost von erkauften Items noch multipliziert wurde. Wer Pokémon zu der Zeit klassisch draußen und mit vielen Freunden spielte(öffnet im neuen Fenster) , konnte wie im Rausch von Level zu Level aufsteigen und Boni absahnen. Wer dagegen alleine zu Hause noch kurz vor Schluss Level 40 erreichen wollte, wird es selbst mit monetärem Einsatz sehr schwer gehabt haben, den riesigen Erfahrungspunktesprung von 39 aufs damalige Maximum zu packen.
Zugegeben: Wer Ende 2020 noch nicht Level 40 erreicht hatte, dem wird es da wohl auch nicht mehr so wichtig gewesen sein. Worum es mir geht, ist aber die Botschaft, die Niantic mit so einer Aktion in der Pandemie den Spielern(öffnet im neuen Fenster) vermittelt hat. Und was genau das über die Prioritäten der Entwickler im Umgang mit der Situation aussagt.
Zwar ist gegen kurze Spaziergänge an der frischen Luft überhaupt nichts einzuwenden, sie sind sogar nach wie vor gut für die Gesundheit. Wer sich die virtuellen Taschen von Pokémon Go aber wirklich voll machen und dabei effektiv vorgehen möchte, muss dafür in der Regel mit mehreren Leuten gezielt Einkaufszentren, Innenstadtpassagen, Filialen von Lizenzpartnern(öffnet im neuen Fenster) , Parks und ähnliche Hotspots abklappern – sofern die überhaupt zugänglich sind.
Niantic hat eine große Chance verpasst
Niantic hat fahrlässig viel dafür getan(öffnet im neuen Fenster) , seine Spieler gerade jetzt zum Gebrauch von Mikrotransaktionen oder eben zum intensiven Spielen seiner immer noch aufs Rausgehen zugeschnittenen App zu drängen, die auch nach gut einem Jahr Covid-19 bloß halbherzig an die gegenwärtige Situation angepasst wurde. Anstatt es Spielern aktiv schmackhaft zu machen, verantwortungsbewusst und frustfrei von daheim aus Pokémon zu fangen.
In Covid-19-Zeiten ist all dies freilich ein Luxusproblem. Doch wir sprechen hier von einem Konzern, dem es vor der Krise bereits sehr gut ging, der von der jetzigen Lage sogar noch mehr profitiert und dies wissentlich ausschöpft, anstatt seinen Kunden in der schweren Zeit ehrlich entgegenzukommen.
Zum anderen ist es ein Irrglaube, die Pandemie verlange uns bloß phasenweise ein konsequentes Umdenken ab, der Alltag könne größtenteils mit ein paar passablen Kompromissen hier und da schon irgendwie noch relativ normal durchgestanden werden. Im Grunde war und ist Pokémon Go immer nur so weit auf die eingeschränkte Situation seiner Spieler zugegangen, wie es noch das Hintertürchen offenhalten konnte, jederzeit von heute auf morgen wieder so zu funktionieren, als hätte es Corona nie gegeben.
Genau diese Denkweise(öffnet im neuen Fenster) trägt seit Beginn der Pandemie vielerorts dazu bei, dass wir das Virus nur schwer in den Griff bekommen und dass an die herbeigesehnte Normalität von früher auch jetzt noch lange nicht zu denken ist.
Bis dahin lässt Niantic die Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt, in Pokémon Go virtuelle Gesichtsmasken im Pikachu-Design für 150 Pokémünzen oder umgerechnet circa 1,50 Euro zu verkaufen. Nur den weißen Mundschutz ohne Motiv bekommt jeder kostenlos. Immerhin.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]
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