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Wie Niantic auf Corona hätte reagieren sollen

Als klar wurde, dass Covid-19 die Bewegungsfreiheit und soziale Interaktion der Menschen weltweit langfristig, gar über Jahre, massiv einschränken würde, hätte Niantic sein Pokémon Go konsequent so umbauen können, dass Spieler dafür belohnt werden, zu Hause oder wenigstens an einem festen Ort zu bleiben.

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Ideen dafür gab und gibt es einige, vieles ließe sich einfach umsetzen, könnte nach der Pandemie fortgeführt werden und ist in den Online-Communitys rund um die App bereits zuhauf von Usern vorgeschlagen worden. Ein Beispiel ist die schon erwähnte Erweiterung des Zugriffsumkreises auf Pokéstops zum Sammeln von kostenlosen Items und zur Interaktion mit Kampfarenen. Man hätte diesen Umkreis immer größer machen können, je länger sich Spieler in einem begrenzten Umfeld aufhalten.

Ein weiterer Punkt betrifft die verschiedenfarbigen Pokémon-Eier. Aus ihnen schlüpfen nach dem Zufallsprinzip manchmal besondere Monstervarianten, außerdem liefern sie große Mengen Erfahrungspunkte. Sie sollten sich in einer Pandemie wie dieser idealerweise ausbrüten lassen, wenn das Smartphone gar nicht oder nur wenig bewegt wird - und nicht, wie bisher, nach Abwandern einer von der App vorgegebenen Kilometerzahl in der echten Welt.

Und noch ein Vorschlag: Die virtuelle Währung Pokémünzen könnte in kleinen Mengen für unterhaltsame Tages-Challenges mit der Augmented-Reality-Fotofunktion oder fürs Versenden von Geschenken an Freunde ausgeschüttet werden - statt durch das schon erwähnte Besetzen und Verteidigen von Arenen, was den meisten Nutzern von zu Hause aus gar nicht möglich ist.

Manche dieser Vorschläge würden das Spiel, ganz abgesehen vom Virus, sogar für Menschen mit Behinderung und anderweitiger Bewegungseinschränkungen barrierefreier machen, ohne die Vorteile des Hinausgehens und Aktivseins völlig zu untergraben. Doch das ist nicht passiert.

Ein zugänglicheres Pokémon Go, das sich optional auch zu Hause sinnvoll weiterspielen lässt und seinen Nutzern ein paar mehr, bisher schwer zugängliche Extras gönnt, wäre sicher weiterhin eine Goldgrube für seine Entwickler. Dafür sorgen alleine schon die seit längerem immer regelmäßiger veranstalteten Ingame-Events, die bis zu 17 Euro pro Teilnahme kosten. Dafür gibt es dann exklusive Aufgaben und ein kurzzeitig vermehrtes Auftreten ausgewählter Pokémon, oft mit besonderen Attackensets und anderen Belohnungen. Wer sie übrigens nicht im fest datierten Zeitraum einheimst, hat das Geld dafür umsonst bezahlt. Mir selbst ist das leider auch schon passiert.

Wurden manche Ingame-Events ganz am Anfang der ersten internationalen Coronalockdowns, in einer Phase der völligen Unsicherheit, abgesagt oder um ein paar Wochen verschoben, ist Niantic schon früh wieder dazu übergegangen, die für das Unternehmen hochlukrativen Aktionstage und saisonalen Veranstaltungen virtueller Natur weiter stattfinden zu lassen - wohlwissend, dass Spieler dann über das Zugangsticket hinaus viele Pokébälle und sonstige Items in überdurchschnittlich kurzer Zeit verbrauchen müssen, um ihre Chance auf die vorab bezahlten Belohnungen zu wahren.

Coronamaßnahmen als Lockangebote

Die tatsächlichen Anpassungen des Spielsystems von Pokémon Go an den Alltag mit Corona, zu denen sich Niantic seit dem vergangenen Jahr etappenweise durchgerungen hat, sind allesamt zeitlich begrenzt, wurden teilweise vor Monaten schon wieder entfernt und waren im Großen und Ganzen nur bedingt hilfreich. Besonders für Nutzer, die nicht immer weiter echtes Geld in der App ausgeben wollen.

New Pokémon Snap [Nintendo Switch]

Beispielhaft dafür stehen die oben erwähnten Pokémon-Eier. Als Zugeständnis an die Lockdown-Lage ließen Brutkästen die Monster zwar für eine Weile schneller schlüpfen als üblich. Unmittelbar nach dem Ende dieser Hilfsmaßnahme hat Niantic jedoch im unpassendsten Moment mit Zwölf-Kilometer-Eiern eine ganz neue Kategorie eingeführt, die die Spieler zum Brüten noch länger herumlaufen lässt als jedes Ei im Spiel zuvor.

Vermeiden kann das, wer eine Premium-Brutmaschine im Wert von 200 Pokémünzen besitzt (rund 2 Euro, geht nach drei Anwendungen kaputt). Damit wird die Anforderung zum Herumlaufen pro rotem Ei auf acht Kilometer heruntergeschraubt.

  • Ein Mewtu mit Glücks-Pokémon-Bonus, das wir tierisch umbenannt haben. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Monster tauschen aus der Ferne bleibt weiterhin verwehrt. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Der Pokédex zeigt, welche Arten wir bereits gefangen haben. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Diese Arena ist zum Interagieren zu weit entfernt. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Das rote Ei unten links würde ohne Superbrutmaschine 12km Wandern bis zum Schlüpfen erfordern. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Per Augmented-Reality-Ansicht erscheinen Pokémon auf dem Smartphone-Bildschirm in unserer echten Welt. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Wer optimal trifft, kann mit jedem Wurf eines Pokéballs viele Erfahrungspunkte und Bonbons verdienen. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Pokémünzen gibt es zu typischen Freemium-Preisen auch für echtes Geld. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Zugekaufte Items machen das Spielen angenehmer. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Virtuelle Events erscheinen immer öfter und kosten meistens Geld. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Von all den sichtbaren Pokéstops erreichen wir hier nur einen einzigen. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Sogar mit digitalen Alltagsmasken verdient Niantic im Spiel Geld. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Schwein gehabt? Noch wissen wir nicht, ob dieses Pokémon gleich flüchtet. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • In diesem Pokéball ist soeben ein niedliches Monster gefangen worden. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Wir fangen ein Karpador, das erst nach Weiterentwicklung zum riesigen Garados im Kampf hilfreich ist. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
  • Tägliche Almosen von Niantic fallen mehr als mager aus. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)
Zugekaufte Items machen das Spielen angenehmer. (Bild: Niantic / Screenshot: Golem.de)

Die Distanzanforderungen aller anderen Eier können auf diese Weise ebenso um ein Drittel gesenkt werden. Wer diesen Vorteil durch ein paar wenige kostenlos bereitgestellte Superbrutmaschinen mal ausprobiert hat, wird gerade jetzt im Lockdown besonders in Versuchung sein, einen Vorrat der kilometersparenden Glasbehälter im Shop zu erwerben.

Heimisches Zirkeltraining, Seilchenspringen oder vergleichbare sportliche Betätigung als alternative Ausbrütschritte zählen zu lassen, hatte Niantic im März vergangenen Jahres in Aussicht gestellt - seitdem jedoch nie mehr erwähnt. Auch ein vage beschriebener Modus, um bereits besuchte Orte auf der Weltkarte von zu Hause aus virtuell zu besuchen, ist in der Öffentlichkeitskommunikation fast ein Jahr später gar kein Thema mehr.

Manches wirkt wie eine Alibi-Geste der Entwickler

Die Spawnraten, also die Intervalldauer, in der Pokémon um den Spieler herum zufallsgeneriert erscheinen, hat Niantic als Reaktion auf Corona hingegen schon auffällig früh und dauerhaft erhöht. Was erst einmal toll klingt, da Spieler nun zu Hause ohne langes Warten oder Wandern viel mehr Pokémon als üblich vorfinden, erfordert selbstverständlich auch außerhalb von Events standardmäßig mehr Bälle zum Fangen.

Wer als Pokémon-Trainer nicht viel draußen herumlaufen möchte und im Alltag auch schlicht nicht mehr so häufig unterwegs ist, um nebenher in Bus und Bahn an jeder Haltestelle den Beutel zu füllen, steht aktuell öfter vor der Frage, ob er sich all die Pokémon in den eigenen vier Wänden und drumherum entgehen lässt - oder doch ein paar Euro für den steten Nachschub kostbarer Fangbälle ausgibt.

Items in zumeist irrelevant kleinen Mengen geschenkt zu bekommen, wirkt vor diesem Hintergrund wie eine Alibi-Geste der Entwickler, um Sympathien zu sammeln und Nutzer nach marktüblichem Prozedere zum täglichen Aufruf der App zu animieren. Es wirkt jedenfalls nicht wie ernst gemeinte Hilfe.

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 Pokémon Go: Niantic handelt fahrlässig in der Corona-PandemiePremium-Zugangspässe für kontaktlose Raids 
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gorsch 16. Feb 2021 / Themenstart

Von all den Beispielen, die du jetzt bringen könntest, nimmst du ausgerechnet Wuhan...

Psy2063 16. Feb 2021 / Themenstart

Nicht nur durch immer mehr pay2win sondern hauptsächlich die absolut unterirdische...

FoH 15. Feb 2021 / Themenstart

Ja gibt es noch und es wird viel gespielt. Update sowie neue Versionen kamen auch raus...

Gunslinger Gary 15. Feb 2021 / Themenstart

Du kämpfst wie eine Kuh!

jsd98 15. Feb 2021 / Themenstart

Also es gibt ein paar Sachen, zu denen ich Anmerkungen habe. 1) Der Zugriffskreis wurde...

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