Podcast Besser Wissen : Das Labor für antiquierte Videosysteme

Das erste Videoband rauschte im November 1951 mit fast zehn Metern pro Sekunde durch ein Gerät der Firma Ampex(öffnet im neuen Fenster) in den USA. Es handelte sich eigentlich um ein Tonband, die Ingenieure wollten damit beweisen, dass Bildaufzeichnung und Wiedergabe technisch möglich waren.
Es sollte trotzdem noch einige Jahrzehnte dauern, bis die neue Technologie auch für Privathaushalte erschwinglich wurde. Das lag unter anderem daran, dass zunächst ein komplett neuer Ansatz für die Aufzeichnung gefunden werden musste. So wie Ampex das Bild auf das Band brachte, benötigte es riesige Spulen mit kilometerweise Bandmaterial. Damit ließ sich vielleicht im Fernsehstudio arbeiten, aber für das Wohnzimmer oder gar unterwegs war das lineare Bespielen wie beim Tonband ungeeignet.
Dabei gab es bereits 1953 ein Patent des AEG-Ingenieurs Eduard Schüler(öffnet im neuen Fenster) , das ein neues Verfahren zur besseren Ausnutzung des Magnetbandes beschrieb: Statt längs in einer Spur wurde das Signal laut seiner Idee in schrägen Spuren(öffnet im neuen Fenster) nebeneinander aufgezeichnet. Dafür musste sich nicht nur das Material von den Spulen am Magnetkopf vorbei bewegen, auch der Kopf selbst drehte sich um einige Grad versetzt. So funktionierten seitdem alle Videorekorder.
Das älteste erhaltene Videoband in Farbe von 1958 zeigt eine TV-Sendung mit Fred Astaire(öffnet im neuen Fenster) . Ab 1960 waren Videobänder auf Spulen mit der neuen Technologie in Fernsehstationen weltweit in Gebrauch. Japanische Firmen wie Sony verbesserten sie kontinuierlich und erstmals waren die Geräte ab den 1970er Jahren auch für den Heimbereich erschwinglich.
Diese Rekorder und Kameras erregten auch die Aufmerksamkeit von Künstlerinnen und Künstlern. Sie begannen mit dem neuen Medium zu experimentieren. Über die folgenden Jahrzehnte wurde Video zunehmend alltäglich und die Produktion von bewegten Bildern war nicht mehr allein Film- und Fernsehfachleuten vorbehalten.
Um das Material aus mehreren Jahrzehnten Videokunst auch für kommende Generationen zu konservieren, arbeitet Dorcas Müller am Zentrum für Kunst und Medien(öffnet im neuen Fenster) in Karlsruhe in einem Labor für antiquierte Videosysteme. Sie digitalisiert die Bestände und Nachlässe von Kunstschaffenden. Wir haben uns im Podcast mit ihr über alternde Bänder, falsch justierte Geräte und das Vergessen obsoleter Technologie unterhalten.
Mit unserem Podcast Besser Wissen informieren wir unterhaltsam über Technologie- und Wissenschaftsthemen. Wir reden mit der Golem.de-Redaktion und führen Interviews mit externen Expertinnen und Experten. Pro Folge greifen wir ein spezifisches Thema auf und beleuchten es aus verschiedenen Perspektiven. Wir veröffentlichen wöchentlich neue Folgen von Besser Wissen auf Golem.de, diese sind aber auch auf den Plattformen Spotify(öffnet im neuen Fenster) , Google Podcasts(öffnet im neuen Fenster) , Deezer(öffnet im neuen Fenster) , Apple Podcasts(öffnet im neuen Fenster) und Podigee(öffnet im neuen Fenster) zu finden; der Feed ist hier(öffnet im neuen Fenster) . Wer uns abonniert, erhält Zugriff auf die aktuelle Episode, sobald wir sie veröffentlichen.
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