Podcast Besser Wissen : Als BTX kam und wieder ging


Schaut man vom Ende her auf BTX, könnte man glauben, der erste deutsche Onlinedienst sei spätestens in den 1990er Jahren ein Erfolg gewesen: Es gab Onlinebanking, man konnte live Flüge verfolgen sowie Bahnauskünfte einholen, sogar Bücher und CDs ließen sich bestellen.
Diese Dienstleistungen wurden allerdings nur von sehr wenigen Menschen genutzt. C't schrieb(öffnet im neuen Fenster) zum Start des Systems 1983: "Der BTX-Teilnehmerzahl wird eine stürmische Entwicklung vorausgesagt, bis Ende 1986 rechnet man bereits mit einer Million BTX-Anschlüssen."
Dazu kam es niemals. Zehn Jahre später waren es immer noch nur knapp 330.000.
Dabei war schon der Anfang holprig. BTX ging 1983 mit Technik aus dem vorangegangenen Feldversuch online, weil der Auftragnehmer der deutschen Bundespost, IBM, das System schlicht nicht zeitgerecht fertiggestellt hatte. Überhaupt: die Post.
Sie hatte das Monopol über alle Geräte, die an eine Telefondose angeschlossen werden durften. Dazu gehörten natürlich auch die Modems, die eine Verbindung mit dem BTX-Netzwerk ermöglichten. Sie waren teuer, ebenso wie die sonstigen Zugangskosten, die ein Abo und die Telefonkosten umfassten. Hinzu kamen die Preise der aufgerufenen Seiten, die bis zu 10 Mark betrugen.
Wer genug Geld hatte, konnte für 2.000 Mark einen BTX-fähigen Fernseher erstehen. Auch wenn die Werbekampagne(öffnet im neuen Fenster) mit dem Slogan "BTX kommt" anderes glauben machen wollte: Es war gar nicht so einfach, dem neuen Netz beizutreten.
Die Hacker hingegen hatten leichtes Spiel(öffnet im neuen Fenster) mit der anfälligen Technik: So gab es die Möglichkeit, einen Buffer-Overflow(öffnet im neuen Fenster) durch einfaches Überschreiten der zulässigen Zeichenzahl beim Editieren einer eigenen BTX-Seite zu erzeugen; die Seiten konnten beliebig oft kopiert werden, um das System auszulasten, Sperrungen von Seiten liefen unzuverlässig und versendete Nachrichten ließen sich nachträglich in der Mailbox der Empfänger ändern.
Warum genau diese Schwachstellen am Ende auch ihr Gutes hatten und wie BTX sich in einem anderen Land erfolgreicher schlug, erzählen Sebastian Grüner, Tobias Költzsch und Martin Wolf in unserem Podcast.
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