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PNY CS2211 XLR8 im Test: Überarbeiteter Controller trifft 15-nm-MLC-Flash

Wie ausgereift SSDs von Drittherstellern mittlerweile sind, zeigen PNYs neue Modelle. Die Basis der Drives sind ein günstiger Phison-Controller und Flash-Speicher von Toshiba.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Marc Sauter
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PNYs CS2211 XLR8 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
PNYs CS2211 XLR8 Bild: Martin Wolf/Golem.de

Wer im SSD-Markt mitmischen möchte, benötigt die entsprechenden Bauteile. Doch da abseits von Flash Forward, IM Flash Technologies, Samsung und SK Hynix kein Hersteller NAND-Flash in großen Mengen produziert, müssen andere Anbieter zumindest den Speicher dort einkaufen. Hinzu kommen weitere Komponenten wie der Controller und der DRAM, und auch die Fertigung der Solid-State-Drives wird oft an spezialisierte Unternehmen ausgelagert.

Ein Dritthersteller von SSDs ist PNY, der vor allem als exklusiver Lieferant der Referenzmodelle von Nvidias Quadro-Profikarten bekannt ist. Für die neue CS2211-Reihe(öffnet im neuen Fenster) hat PNY bei diversen Hersteller von SSD-Bauteilen eingekauft; das Resultat repräsentiert den aktuellen Stand der Mittelklasse-Technik. Wir haben uns die kleine 240-GByte-Variante genauer angeschaut.

Darin steckt eine 1,8-Zoll-Platine mit acht Flash-Packages. Die stammen von Toshiba (Flash Forward) und werden im 15-nm-Verfahren gefertigt. Der NAND-Speicher nutzt zwei Bit pro Zelle, es handelt es sich also um MLC-Flash. Toshiba bietet zwar noch moderneren TLC-Speicher mit drei Bit pro Zelle an, die Lebensdauer und Schreibgeschwindigkeit sind allerdings geringer. Den TLC-Flash verwendet PNY daher bei den günstigen CS1311-Varianten.

Interessant sind bei der CS2211-SSD die TSOP(öffnet im neuen Fenster) - statt BGA(öffnet im neuen Fenster) -Packages, was für ein kostenreduziertes Design spricht. Auf der Platine befindet sich nur ein DRAM-Baustein (256 MByte DDR3L-1600 von Nanya), Platz für einen zweiten gibt es nicht. Beim Controller wird eine neue Version von Phisons S10 eingesetzt, der bei vielen günstigen SSDs verbaut ist. Die Variante PS3110-S10C-12 statt PS3110-S10-X verfügt über vier anstelle von acht Speicherkanälen.

Technische Daten der PNY CS2211 XLR8
CS2211, 240 GByte CS2211, 480 GByte CS2211, 240 GByte
Controller Phison S12C, 4 Kanäle Phison S12X, 8 Kanäle Phison S12X, 8 Kanäle
DRAM-Cache 256 MByte DDR3L-1600 512 MByte DDR3L-1600 1 GByte DDR3L-1600
NAND-Packages 8 x (2 x 128 GBit) 16 x (2 x 128 GBit) 16 x (4 x 128 GBit)
Seq. Lesen Bis zu 560 MB/s Bis zu 565 MB/s Bis zu 565 MB/s
Seq. Schreiben Bis zu 470 MB/s Bis zu 540 MB/s Bis zu 540 MB/s
Iops lesend (QD32) Bis zu 87.000 Bis zu 95.000 Bis zu 95.000
Iops lesend (QD32) Bis zu 95.000 Bis zu 95.000 Bis zu 95.000

Zumindest hierzulande fällt das Zubehör der CS2211-SSD recht mager aus: Mehr als einen Spacer von 7 auf 9,5 mm Bauhöhe legt PNY nicht bei. Die Acronis-Software True Image fehlt, zudem vermissen wir generell eine SSD-Toolbox, um beispielsweise einen Secure Erase durchzuführen. Allerdings funktioniert die Phison-SSD-Software mit den CS2211-Modellen, und für eventuelle Firmware-Updates gibt es immerhin das Drive Utility(öffnet im neuen Fenster) von PNY.

Komprimierbare Daten bevorzugt

Um die Leistung der CS2211-SSD einzuordnen, vergleichen wir das Sata-6-GBit/s-Flash-Drive mit ein paar anderen Modellen: Crucials MX200 und Samsungs kürzlich aktualisierte 850 Evo v2 gehören der oberen Mittelklasse an, OCZs Trion 100 ist eine besonders günstige SSD. Sie verwendet einen S10-Controller von Phison, jedoch 19-nm-TLC- statt 15-nm-MLC-Speicher von Toshiba.

Vorab sei erwähnt, dass der Phison-Controller schneller arbeitet, wenn komprimierbare Daten verarbeitet werden. Das lässt sich mit dem Crystal Disk Mark schön aufzeigen: Die Leserate von 4- und 512-KByte-Blöcken wird deutlich beschleunigt. Im Alltag müssen SSDs zumeist mit gemischten Daten umgehen, was unser Kopiertest veranschaulicht. Das 5- und das 10-GByte-Verzeichnis umfassen kleine, große, komprimierbare und nicht komprimierbare Inhalte. Sie werden von einer 950 Pro gelesen und auf die Ziel-SSD geschrieben.

Die CS2211-SSD mit 240 GByte positioniert sich wie erwartet im Mittelfeld, einzig die Trion 100 fällt hinter die drei anderen Modelle zurück. Ähnlich sieht es aus, wenn 5 oder 10 GByte sequenziell geschrieben werden. Kleine MLC- oder TLC-basierte Flash-Drives mit einem SLC-Pseudo-Puffer wie Crucials MX200 haben hier Vorteile. Erst bei großen Datenmengen sinkt die Geschwindigkeit aktueller TLC-Speicher-Modelle unter die von MLC-basierten SSDs.

Bei den restlichen Benchmarks schlägt sich PNYs CS2211 trotz des auf vier Kanäle gestutzten Phison-Controllers gut und liegt im Durchschnitt gleichauf mit Crucials MX200. Einzige Auffälligkeit ist ein leichter Rückstand bei nicht komprimierbaren Daten (erkennbar bei AS-SSD). Um Samsungs 850 Evo v2 zu schlagen, fehlt es dem PNY-Modell zwar ein bisschen an Leistung. In der Praxis ist allerdings kein Unterschied zwischen beiden SSDs auszumachen.

Verfügbarkeit und Fazit

In Nordamerika sind die CS2211-Modelle bereits erhältlich, hierzulande finden wir bisher einzig Listungen in den üblichen Online-Preisvergleichen. Angesichts der Preisgestaltung von Crucials MX200 und Samsungs 850 Evo erachten wir Straßenpreise von 75 Euro (240 GByte), 120 Euro (480 GByte) und 250 Euro (960 GByte) für die drei neuen PNY-Modelle als realistisch.

Der Hersteller gibt wie Crucial bei den MX200-Drives drei Jahre Garantie auf die CS2211-SSDs, wohingegen Samsung mit einem Zeitraum von fünf Jahren bei den neuen 850 Evo v2 wie gehabt vorne liegt.

Fazit

PNY hat mit den CS2211-SSDs eine interessante Mittelklasse-Reihe von Flash-Drives vorgestellt. Der Phison-Controller S10C macht das 240-GByte-Modell günstig bei genug Leistung, zumal der 15-nm-MLC-Flash-Speicher von Toshiba eine gute, weil schnelle Wahl ist. Der Vergleich mit Crucials MX200 und Samsungs 850 Evo v2 zeigt, dass die CS2211 im oberen Mittelfeld angesiedelt ist.

Allerdings trübt die fehlende SSD-Toolbox das Bild, wenngleich die Software von Phison diesen Zweck auch erfüllt. PNYs Angebot leidet obendrein wie das der meisten Dritthersteller unter dem eingangs geschilderten Problem: Alle Komponenten müssen zugekauft und die Fertigung bezahlt werden, was die Marge verringert - zumal Samsung die 850 Evo v2 günstig anbietet.

Sofern die Differenz mehr als ein paar Euro beträgt, ist PNYs CS2211 aufgrund der verwendeten Bauteile aber definitiv einen Blick wert. Das dürfte gerade bei den beiden größeren Modellen in einigen Wochen der Fall sein.

Nachtrag vom 21. April 2016, 14:38 Uhr

PNY teilte uns mit, dass der EMEA-Marktstart der CS2211-SSDs für Mitte Mai 2016 angesetzt ist. Die UVP der drei Modelle sollen bei 85, 150 und 300 Euro liegen - die Preise seien aber noch nicht final.


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