PNR 1000: Neues Funkgerät der Bundeswehr bringt wohl nur 1 MBit/s

Das neue Funkgerät der Bundeswehr, das PNR 1000 der Firma Elbit Systems Deutschland, erlaubt nur eine geringe Datenübertragungsrate. Das geht aus dem Datenblatt des Herstellers hervor. "Das E-LynX PNR 1000 arbeitet im UHF-Band mit kontinuierlicher Frequenzabdeckung zwischen 225-512 MHz auf einer sehr effizienten Bandbreite von 200 KHz und unterstützt die gleichzeitige Übertragung von Sprache, Daten und BFT" ( Blue force tracking(öffnet im neuen Fenster) ) , was für "friendly forces" steht.
Die 200 KHz Trägerbandbreite deuten darauf hin, dass es sich um Schmalbandtechnologie handelt, die wohl eine Datenübertragungsrate von ungefähr 1 MBit/s erreicht. Laut einer Studie vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und Goldmedia Strategy Consulting(öffnet im neuen Fenster) vom Juli 2022 ist der Bundeswehr nach Wegfall des militärischen Spektrums im C-Band zur breitbandigen Kommunikation "lediglich der UHF-Frequenzbereich von 230-399,9 MHz verblieben. Unterhalb von 230 MHz ist aufgrund der bestehenden Frequenznutzungen kein UHF-Spektrum in hinreichender Bandbreite verfügbar, um breitbandige Anwendungen zu realisieren."
Das Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr hatte Ende vergangener Woche erklärt , für rund 160 Millionen Euro neue Funkgeräte bestellt zu haben. 1.852 Geräte sollen bereits im ersten Quartal 2023 ausgeliefert werden. Die neuen PNR-1000-Funkgeräte kommen von der Firma Elbit Systems Deutschland, einer Tochtergesellschaft des israelischen Militärtechnikkonzerns Elbit Systems. "Diese werden die Funkgeräte der SEM52-Familie ersetzen und werden ausschließlich in Ulm produziert" , sagte Elbit-Systems-Sprecherin Christiane Brünjes Golem.de.
Ohne externe Synchronisationsquelle wie GPS
Das Protokoll für den Funkmedienzugriff und die Methodik der gleichzeitigen Übertragung mit Selbstsynchronisationstechnik ermögliche es jedem Funkgerät im Netzwerk, sich mit jedem anderen Funkgerät zu synchronisieren, das im selben Netzwerk betrieben wird. Dies funktioniere, ohne dass eine externe Synchronisationsquelle wie ein GPS-Signal oder eine Master-Station benötigt werde.
Ein Experte aus der Telekombranche hat das PNR 1000 im Gespräch mit Golem.de als "Schmalbandgerät" bezeichnet. In der Fraunhofer Studie zur Bundeswehr wird argumentiert, die "deutlich steigende Zahl an aktiven Funkteilnehmenden und Fahrzeugen sowie der neuartigen vernetzten Sensorik am Boden und in der Luft, insbesondere im Rahmen der Aufklärung, sind hierbei die maßgeblichen Treiber für den künftig wachsenden Bandbreiten- und Spektrumsbedarf militärischer Anwendungen" .
Die U.S. Army hatte im Jahr 2021 L3Harris mit der Herstellung und Lieferung von 1.000 neuen taktischen Funkgeräten des Typs Falcon IV AN/PRC-171 Compact Team Radio beauftragt. Die Datenübertragungsrate beträgt bis zu 16 MBit/s(öffnet im neuen Fenster) .
Im September 2021 wurde berichtet , dass die Bundeswehr für rund 600 Millionen Euro Tausende SEM-Funkgeräte aus dem Jahr 1982 nachbauen lasse. Deren Datenübertragungsrate beträgt 16 KBit/s. Das SEM 80/90 arbeitet im Frequenzbereich 30,000 bis 79,975 MHz.
Wir bewerten hier nicht das gesamte Gerät oder stellen ein Hands-On oder eine Test vor, sondern treffen Aussagen über die Datenübertragungsrate. Auch beim Tetra-Digitalfunknetz klagen die Blaulichtorganisationen und Bundesinnenministerium immer wieder über die niedrige Datenrate.
Das PNR-1000 arbeitet im Bereich 225 bis 512 MHz und bietet an Schnittstellen Asynchronous RS-232, USB und Ethernet. Als Verschlüsselung kommt AES 25 zum Einsatz, für die automatische Selbstsynchronisation ist laut Hersteller keine Master-Station oder GPS erforderlich.



