Playstation VR2 im Test: Noch mehr mittendrin statt nur davor
Wer weiß, vielleicht entwickeln sich regelmäßige Nutzer des ersten Playstation VR zu Genies bei der Leitungslegung in Umspannwerken – oder wenigstens zu begnadeten Strippenziehern im politischen Bereich. Scherz beiseite: Wenn wir uns heute den Kabelsalat des ersten Headsets von Sony sehen, kapieren wir selbst nicht mehr, wie wir das Ding auch nur einmal korrekt anschließen konnten.
Noch unverständlicher wird das alles, wenn wir das neue Playstation VR2 mit der Playstation 5 verbinden wollen: Wir stöpseln den USB-C-Stecker am Ende des rund 4,5 Meter langen Kabels an die passende Buchse an der Vorderseite der Konsole ein.
Dann müssen wir das Headset noch über eine kleine Taste an der Unterseite des Displays sowie die beiden Controller einschalten – fertig.
Auch vom Kabel abgesehen fühlt sich VR2 trotz des ähnlichen Designs wie ein großer Updatesprung an: Die Grafikqualität ist sehr gut, die mitgelieferten Eingabegeräte machen Spaß und funktionieren hervorragend.
Das Inside-out-Tracking über vier integrierte Kameras klappt sehr viel besser als das umständliche System mit externer Kamera wie beim ersten Playstation VR (die ist schlicht nicht mehr nötig).
Das bedeutet in Spielen: Wir sehen sehr viel mehr Details in den virtuellen Landschaften – zum einen wegen der höheren Auflösung der OLED-Panels, zum anderen wegen der an sich aufwendigeren Grafik der Playstation 5.
Das Tracking funktioniert ebenfalls besser, allerdings ist der Unterschied zu einem gut eingerichteten Vorgänger-Setup in vergleichbaren Situationen nicht dramatisch.
| Playstation VR2 | Playstation VR | Meta Quest 2 | |
|---|---|---|---|
| Display-Typ | OLED | OLED | LCD |
| Auflösung pro Auge | 2.000 x 2.040 Pixel | 960 x 1080 Pixel | 1.832 x 1.920 Pixel |
| Bildwiederholfrequenz | 90 Hz, 120 Hz | 90 Hz, 120 Hz | 60, 72, 90 Hz |
| Sichtfeld | ca. 110 Grad | ca. 100 Grad | 97 Grad hor. / 93 Grad vert. |
| Gewicht (ohne Kabel) | 560 Gramm | 600 Gramm | 503 Gramm |
| Kompatibel | Playstation 5 | Playstation 4/5 | PC (Steam VR / Meta) |
| Preis UVP (Stand Februar 2023) | rund 600 Euro | rund 300 Euro (ohne Controller) | ab rund 450 Euro |
Die Einrichtung von Playstation VR2 dauert ungefähr zehn Minuten, und ist selbst fast schon ein VR-Erlebnis. Wir müssen erst das Headset aufsetzen und die Menüs anfangs mit dem Dualsense der PS5 bedienen, erst nach ein paar Eingaben kommen die neuen Controller zum Einsatz.
Wir müssen uns begleitet von einer schicken Animation in unserer Umgebung umsehen, damit das System uns später nicht gegen Wand oder Tisch laufen lässt. Um uns herum wird ein virtueller Käfig erstellt – wenn wir dem zu nahe kommen, wird er eingeblendet – bei anderen VR-Headsets gibt es das schon.

Schade: Wir würden die Installation zu gerne im Video zeigen, was leider nicht wirklich möglich ist – Virtual Reality lässt sich nicht sinnvoll in 2D wiedergeben. Immerhin können Gäste wie beim ersten Playstation VR auf dem Fernseher verfolgen, was wir gerade anstellen. Wer Energie sparen will, kann den Monitor aber auch ausschalten.
Playstation VR2 unterscheidet drei Modi, nicht alle stehen in jedem Game zur Verfügung: Wir können uns in einer Fläche von ungefähr 2 x 2 Meter bewegen. Alternativ können wir stehen oder sitzen – dabei wird eine Fläche von rund 1 x 1 Meter berücksichtigt. Wenn wir mit den Eingabegeräten die jeweiligen Grenzen geraten, wird das Käfiggitter eingeblendet.
Sicht zur Seite und die Controller
In der Praxis hat das mit allen Spielen gut funktioniert, allerdings sind wir immer wieder recht schnell (trotz ausreichend Platz) an das Gitter geraten und mussten neu justieren.
Das ist nicht unbedingt die Schuld von VR2, sondern ein Stück weit unvermeidlich – aber uns stört es schon, auch bei eher ruhigen Titeln alle paar Minuten daran erinnert zu werden, dass wir gleich über Hundekissen oder Couchtisch stolpern.
Playstation VR2 ist durch eine Gummimanschette nahezu vollständig blickdicht – anders als beim ersten Headset von Sony sehen wir Gegenstände also nicht an der Seite.
Falls wir dann noch mit Kopfhörer in virtuellen Welten unterwegs sind, kriegen wir von der Umgebung um uns herum praktisch nichts mehr mit – das muss man mögen (wir tun es nicht).
Bei Bedarf kann man das Headset halbwegs flott abnehmen oder die Durchsicht-Taste an der Unterseite des Displays drücken, sodass wir die echte Welt in Schwarzweiß sehen.
Wir finden, dass diese Taste etwas umständlich zu finden ist – für einen Blick ins Wohnzimmer in einem ruhigen Moment ist die Funktion aber ganz praktisch.
Wir hatten mit dem Tragekomfort von Playstation VR2 keine Probleme, ganz im Gegenteil: Selbst bei lange Sessions von mehr als zwei Stunden hat uns das spürbare, aber sehr gut verteilte Gewicht von rund 560 Gramm nie ernsthaft gestört, die Belüftung stimmt auch (im Display ist ein kleiner Lüfter verbaut, einen unangenehm spürbaren Luftzug gibt es aber nicht).

Besonders gut hat uns zudem gefallen, dass das Headset so gut wie kein anderes, das wir kennen, auch mit Brille verwendet werden kann. Wir haben bei allen anderen Geräten nach ein paar Versuchen die Brille zur Seite gelegt, bei PS VR2 haben wir sie immer getragen – das hat weder an den Linsen noch an den Gläsern zu Flecken oder anderen Problemen geführt.
Von einer eigentlich spannenden neuen Funktion zur Verbesserung der Grafikleistung haben wir in der Praxis nichts gemerkt – und das ist positiv gemeint. Es geht um Foveated Rendering, was die Augenbewegungen erfasst, um im Bereich des schärfsten Sehens die Grafik besonders detailreich darzustellen.
Am Rand wird die Darstellung heruntergefahren, um Rechenleistung zu sparen. In den Spielen bemerkt man davon nichts: Da, wohin wir geblickt haben, war alles so scharf, wie es sein sollte, ein Umspringen der Grafik oder etwas Ähnliches haben wir nie wahrgenommen.
Wir haben nur mit den mitgelieferten Controllern gespielt und können ein durchweg positives Fazit ziehen: Die Eingabegeräte liegen gut in der Hand, fast alle Tasten sind gut erreichbar – nur Kreuz und Quadrat würden wir uns minimal höher angebracht wünschen.
Der Akku hält um die vier Stunden am Stück durch, was sehr viel länger sein dürfte als die üblichen VR-Sessions. Minimal nervig ist allerdings, dass man dann nicht nur einen, sondern eben zwei Geräte wieder aufladen muss (per USB-C am Rand).
Playstation VR2: Verfügbarkeit und Fazit
Playstation VR2 erscheint am 22. Februar 2023 für rund 600 Euro. Das Paket enthält (abgesehen von der PS5 natürlich) alles nötige – neben den Eingabegeräten auch ein einfaches In-Ear-Headset mit unterschiedlich großen Stöpseln.
Als bislang einziges offiziell von Sony hergestelltes Zubehör ist eine rund 50 Euro teure Ladestation für die Controller erhältlich. Die Eingabegeräte selbst sind momentan noch nicht ohne Headset erhältlich.
Zum Start gibt es relativ viele Spiele, bei einem Teil davon handelt es sich um angepasste Version von Titeln des ersten Playstation VR. Die wichtigste Neuerscheinung dürfte das von Guerrilla Games produzierte Horizon – Call of the Mountain sein (Test auf Golem.de folgt).
Dazu kommt ein VR-Modus von Gran Turismo VR als kostenloses Update, sowie eine Reihe kleinerer, aber durchaus interessanter Titel. Sony hat eine vollständige Liste(öffnet im neuen Fenster) ins Netz gestellt.
Fazit
Auch wenn Playstation VR2 faszinierende Technik ist: Die wichtigsten Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger stellen schlicht Kabel und Controller dar. Kabel, weil es weniger Wirrwarr gibt. Und weil es sehr viel einfacher ist, das Gerät zu verstauen und es ohne Aufwand anzuschließen und zu verwenden.
Die neuen Controller gefallen uns ebenfalls. Man muss sich zwar an die Tastenbelegung gewöhnen, aber dann machen die meisten VR-Spiele viel mehr Spaß als mit Gamepad oder den anderen Lösungen. Die Kugeln liegen klasse in der Hand und sind auch über längere Zeiträume sehr angenehm zu verwenden.
Auch sonst ist VR2 ein spürbarer Sprung nach vorne. Die Bildqualität ist viel besser – sowohl was die reine Darstellungsleistung der verbauten Panels angeht, als auch die von der Playstation 5 bereitgestellte Detailfülle: Beide sorgen für einen großen Unterschied im Vergleich mit Playstation VR.
Dazu kommen kleine, aber sinnvolle Optimierungen wie das viel besser gegen Seitenlicht geschützte Display. Sogar die Installation macht jetzt Spaß, inklusive des schicken VR-Gitters um uns herum.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Virtual Reality noch immer kein ganz unbeschwerter Spaß ist. Vermutlich lässt es sich beim aktuellen Stand der Technik kaum vermeiden, aber man wird relativ regelmäßig durch verschobene Koordinaten, eine verrutsche Geradeausrichtung und anderen Kleinkram aus der Immersion gerissen.
Ganz praktisch stört uns zudem an VR2, dass wir die Taste für die Durchsicht auch nach vielen Stunden immer noch suchen müssen. Deshalb liegen wir immer ein bisschen auf der Lauer, ob nicht Hunde oder Menschen schon unmittelbar neben uns stehen.
Dennoch: Wer Virtual Reality auf aktuellem Stand der Technik und mit sehr guten Eingabegeräten erleben möchte und sich nicht am geschlossenen Ökosystem von Sony stört, kann mit Playstation VR2 sehr viel Spaß haben.
- Anzeige Hier geht es zur Playstation 5 Pro bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.