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Playstation Now: "Die Grafikverluste beim Streaming vergisst der Spieler"

Sony bereitet mit Playstation Now den Massenmarkt für Spiele-Streaming vor. Golem.de hat mit Shuhei Yoshida von Sony über die technischen Herausforderungen und Gamedesign-Probleme gesprochen.
/ Peter Steinlechner
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Shuhei Yoshida im Interview mit Golem.de (Bild: Michael Wieczorek) (Bild: Golem.de)
Shuhei Yoshida im Interview mit Golem.de (Bild: Michael Wieczorek) Bild: Golem.de

80 Millisekunden: Das ist Zeitspanne, die bei vielen Spielentwicklern als magische Grenze gilt – unterhalb dieser fühlt es sich so an, als ob die Steuerung in einem Spiel in Echtzeit erfolge. Auch bei dem derzeit in den USA und Kanada laufenden Betatest des Streaming-Dienstes Playstation Now dürfte dieser Wert eine entscheidende Rolle spielen.

Shuhei Yoshida im Interview über Playstation Now
Shuhei Yoshida im Interview über Playstation Now (04:30)

"Es gibt viele technische Herausforderungen, sowohl auf der Server-Seite als auch bei den Clients", erklärt Shuhei Yoshida, der bei Sony unter anderem für die Leitung der Worldwide Studios(öffnet im neuen Fenster) zuständig ist. "Wir arbeiten hart an den Pipelines für Kompression und Dekompression, um die Verzögerungen so stark zu reduzieren wie möglich." Die Reaktionen der Kunden seien sehr positiv, die Bildqualität werde als überraschend gut wahrgenommen.

Playstation Now ist der Streaming-Dienst, mit dem Spieler auf ihrer Playstation 3 und 4, auf der PS Vita, auf einigen Bravia-Fernsehgeräten sowie der auf der E3 angekündigten Settop-Box Playstation TV auf rund 100 PS3-Titel zugreifen können. Die müssen Nutzer nicht als Disc zu Hause haben: Stattdessen laden sie die Games als interaktives Video auf ihren Bildschirm, nehmen ihre Eingaben vor und das Ergebnis wird wieder zurück zu den Servern von Sony gesendet, die das Spiel berechnen.

Dabei gebe es "zwangsläufig ein paar Grafikverluste, aber wenn man erst mal spielt, vergisst man die und konzentriert sich auf das Spiel", so Yoshida, nach dessen Angaben das System mit einer Auflösung von 720p arbeitet.

In den USA und in Kanada startet laut Sony eine öffentliche Testversion von Playstation Now am 31. Juli 2014. Neben der Technik wolle Sony auch "verschiedene Arten der Vermarktung testen, etwa was Mietangebote, den Preis und die Arten der Spiele angeht", so Yoshida.

Erst wenn das Unternehmen in all diesen Bereichen genug Erfahrungen gesammelt hat, will es Playstation Now laut Shuhei Yoshida auch in anderen Märkten anbieten. Zu einem möglichen Starttermin in Europa wollte sich der Manager auf Nachfrage von Golem.de nicht äußern.

Herausforderung Gamedesign

Die größte Herausforderung für die Techniker von Sony dürfte es sein, dass Spieler ihre Eingaben zumindest gefühlt genauso schnell vornehmen können wie bei stationär ablaufenden Games. Details nennt Sony nicht – aber der (erfolglose) Streaming-Pionier Onlive hatte die Rechnung aufgemacht, dass in der Praxis der Versand jedes Frames rund 21 Millisekunden benötigt, dazu kamen 25 Millisekunden für die Übertragung über die sogenannte letzte Meile sowie über Router, Modem und andere Geräte des Spielers.

Sonys E3 2014 in 3 Minuten
Sonys E3 2014 in 3 Minuten (03:00)

1 Millisekunde benötigen die Onlive-Rechner für die Komprimierung des Bildes, und ein typischer Laptop braucht für die Dekomprimierung bis zu 8 Millisekunden – macht alles in allem 55 Millisekunden. Wenn es nicht zu zusätzlichen Latenzen kommt, liegt dieser Wert also unterhalb der Grenze von 80 Millisekunden.

Ähnliche Angaben sind von Sony nicht verfügbar. US-Spieler und Medien wie Kotaku.com(öffnet im neuen Fenster), die Playstation Now in den letzten Tagen ausprobieren konnten, berichten aber von insgesamt noch ausreichenden Reaktionszeiten – nicht perfekt, aber zum Spielen genüge es, so die Redaktion.

Langfristig dürfte es zumindest aus Sicht der Hersteller sinnvoll sein, auch beim Design der Spiele speziell auf das Streaming zu achten. Die Entwickler könnten etwa schnelle Bild- und Szenenwechsel vermeiden, oder die Notwendigkeit von sehr schnellen Eingaben reduzieren. Derzeit sei das aber kein Thema: "Erst wenn das Streaming für den Umsatz der Publisher und Entwicklersicht eine größere Bedeutung hat, werden die Spiele entsprechend optimiert", erwartet Yoshida.

Jungen Teams und Startups würde Shuhei Yoshida derzeit nicht empfehlen, gleich für Streaming-Dienste wie Playstation Now zu entwickeln. Nicht einmal die Playstation 4 wäre seine allererste Zielplattform: "Wer sein erstes Spiel macht, sollte für PC oder Mac produzieren und dazu Werkzeuge wie Unity verwenden", so der oberste Sony-Spieleentwickler.


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