Plastikmüll: Verändertes Enzym recycelt Kunststoff

Ein Enzym, das die Schutzschicht von Blättern kleinkriegt, wird auch mit Plastikflaschen fertig.

Artikel veröffentlicht am ,
Plastikmüll: Das PET verliert nicht an Qualität.
Plastikmüll: Das PET verliert nicht an Qualität. (Bild: China Photos/Getty Images)

Tüten, Flaschen, Verpackungen: Plastik ist überall, die Entsorgung ist jedoch schwierig. Bei mechanischem Recycling nimmt die Qualität des Kunststoffs ab. Chemisches Recycling ist noch nicht sehr verbreitet. Das französische Unternehmen Carbios hat möglicherweise eine Lösung für das Problem gefunden: ein Enzym, das Plastik zersetzt.

Stellenmarkt
  1. IT-Planerin/IT-Planer Rechenzentrum (w/m/d)
    Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Berlin
  2. ERP Product Owner (m/w/d)
    Goldbeck GmbH, Bielefeld
Detailsuche

Mit dem Enzym soll der Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET) recycelt werden. Das Enzym zerlegt das PET in seine beiden Bausteine Terephthalsäure und Ethylenglykol. Das Team um Alain Marty, wissenschaftlicher Leiter von Carbios, und Isabelle André von der Universität Toulouse zeigte, dass das Enzym in der Lage ist, 200 Gramm PET in 10 Stunden zu 90 Prozent abzubauen. Aus den beiden Bestandteilen konnten die Wissenschaftler dann neues PET erzeugen. Die daraus hergestellten Plastikflaschen seien genauso stabil wie die aus konventionellem PET, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift Nature.

Das Enzym mit der Bezeichnung LCC (von Leaf-Branch Compost Cutinase) hatten japanische Forscher 2012 auf einem Komposthaufen entdeckt. Es bricht die wachsartige Schicht auf, die die Blätter vieler Pflanzen schützt. Allerdings arbeitete das originale Enzym nur sehr langsam und zerfiel nach wenigen Tagen bei 65 Grad Celsius. Das ist die Temperatur, bei der PET weich wird, was es dem Enzym erleichtert, in das Polymer hineinzugelangen.

Das Enzym LCC war schon vergessen

Zu Beginn ihres Projekts testeten Marty und André sehr viele Mikroorganismen, ob sie sich für ein biologisches Recycling von Kunststoffen eignen. Dabei stießen sie auch auf LCC. Das Enzym sei bereits in Vergessenheit geraten gewesen, sagte Marty der britischen Tageszeitung The Guardian. Es habe sich aber als das Beste erwiesen.

Golem Karrierewelt
  1. Java EE 8 Komplettkurs: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    11.-15.07.2022, virtuell
  2. Adobe Premiere Pro Grundkurs: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    02./03.08.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Das Team experimentierte dann mit Aminosäuren, um das Enzym zu verändern. Zum einen erreichten die Forscher, dass das Enzym auch bei 72 Grad stabil ist - die Temperatur, bei der PET schmilzt - und nicht wie das Original zerfällt. Zum anderen ist das veränderte Enzym 10.000 Mal effizienter.

Der Einsatz von LCC beim Recycling könnte einige Vorteile haben: So müssen die Plastikflaschen nicht sortiert werden: Für das mechanische Recycling muss Kunststoff nach Sorten sowie nach Farben getrennt werden. Das entfällt. Das Enzym ignoriere Farben und andere Kunststoffe, sagte John McGeehan der Fachzeitschrift Science. Er ist Leiter des Centre for Enzyme Innovation an der Universität von Portsmouth und war an dem Projekt nicht beteiligt. "Das ist ein wichtiger Schritt nach vorne."

Carbios will das Enzym als Produkt auf den Markt bringen. Dazu kooperiert das Unternehmen mit dem dänischen Biotechnologieunternehmen Novozymes, das das Enzym mit Hilfe von Pilzen in großer Menge herstellen soll. "Wir sind das erste Unternehmen, das diese Technologie auf den Markt bringt", sagte Martin Stephan, stellvertretender Chef von Carbios, dem Guardian. "Unser Ziel ist es, bis 2024, 2025, im industriellen Maßstab einsatzbereit zu sein".

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


37f0c33164879f3... 15. Apr 2020

Wer so wie du argumentiert sollte einfach leise und wenn er schon keine Ahnung von IT...

Akaruso 13. Apr 2020

Bitte nicht Bakterien mit Enzymen verwechseln! Wie in dem Artikel steht, haben die...

Akaruso 13. Apr 2020

Ein Enzym ist aber gar kein Lebewesen und kann daher auch nicht mutieren.

Akaruso 13. Apr 2020

Vielleicht liefern aber die Erfahrungen mit dem Enzym neue ideen zum Recyceln andere...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
TADF Technologie
Samsung kauft Cynora in Bruchsal und entlässt alle

Der Cynora-Chef wollte das deutsche Start-up zum Einhorn entwickeln. Nun wurden die Patente und die TADF-Technologie von Samsung für 300 Millionen Dollar gekauft und das Unternehmen zerschlagen.

TADF Technologie: Samsung kauft Cynora in Bruchsal und entlässt alle
Artikel
  1. Brandenburg: DNS:Net-Verteiler wegen Telekom-Werbebanner überhitzt?
    Brandenburg  
    DNS:Net-Verteiler wegen Telekom-Werbebanner überhitzt?

    Bei DNS:Net kam es in dieser Woche bei starker Hitze zu einem Netzausfall in einem Ort. Schuld soll ein Werbebanner der Konkurrenz gewesen sein.

  2. Kryptogeld: Bitcoin wieder unter 20.000 US-Dollar, Fonds vor dem Aus
    Kryptogeld
    Bitcoin wieder unter 20.000 US-Dollar, Fonds vor dem Aus

    Ein Gericht hat die Liquidation von Three Arrows Capital angeordnet. Der Bitcoin sinkt wieder unter die Grenze von 20.000 US-Dollar.

  3. Vodafone: Vantage Towers betreibt Sendestationen mit Wasserstoff
    Vodafone
    Vantage Towers betreibt Sendestationen mit Wasserstoff

    Bei der Entwicklung des Containers mit Wasserstoffmotor sind Erfahrungen aus Einsätzen bei der Flutkatastrophe im Ahrtal eingeflossen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PNY RTX 3080 12GB günstig wie nie: 929€ • MindStar (MSI RX 6700 XT 499€, G.Skill DDR4-3600 32GB 165€, AMD Ryzen 9 5900X 375€) • Nur noch heute: NBB Black Week • Top-TVs bis 53% Rabatt • Top-Gaming-PC mit AMD Ryzen 7 RTX 3070 Ti 1.700€ • Samsung Galaxy S20 FE 5G 128GB 359€ [Werbung]
    •  /