Plastik in den Meeren: Irgendwer muss den Müll ja wegräumen

Yvan Bourgnon ist Weltumsegler und will die Meere von Plastik befreien. Dafür baut er das erste umweltfreundliche Sammelboot.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Sammelboot Manta: Ein Boot, das das Meer reinigt, aber die Luft verdreckt, sei paradox, sagt Yvan Bourgnon. Sein Boot ist deswegen anders.
Sammelboot Manta: Ein Boot, das das Meer reinigt, aber die Luft verdreckt, sei paradox, sagt Yvan Bourgnon. Sein Boot ist deswegen anders. (Bild: The Seacleaners)

Es war eine extreme Tour, zu der Yvan Bourgnon Mitte des vergangenen Jahrzehnts aufbrach: Er wollte die Welt umsegeln auf einem nur 6,5 Meter langen Katamaran. 55.000 Kilometer legte er zurück, ohne Unterstützung des Satellitennavigationssystems GPS. Insgesamt verbrachte der Schweizer 220 Tage auf See, in denen er in keiner Kajüte Schutz vor der Sonne und den Unbilden des Wetters suchen konnte.

Inhalt:
  1. Plastik in den Meeren: Irgendwer muss den Müll ja wegräumen
  2. The Seacleaners bauen die Manta
  3. Auch andere sammeln Plastik
  4. Manta soll 2024 vom Stapel laufen

Doch es waren nicht Anstrengung, Wind oder Wetter, die ihn nachhaltig beeindruckten, sondern die Küstengewässer Indonesiens, Sri Lankas und der Malediven. Aber nicht deren fast schon sprichwörtliche Schönheit, sondern die Geräusche: das Klacken und Scharren von Plastikflaschen an der Bordwand.

Das Boot steckte im Plastik fest

Dort sei das Meer derart verdreckt mit Plastikmüll, dass er mit seinem Boot regelrecht festgesteckt habe, erzählt der Segler. Mehr als einmal habe er das Boot von Plastik befreien müssen, um überhaupt weiterzukommen.

Es war ein Schock für Bourgnon - denn er hatte das Meer anders in Erinnerung: Als er acht Jahre alt war, nahmen die Eltern ihn und seinen älteren Bruder mit auf eine vier Jahre dauernde Weltumsegelung. Damals, so berichtet er, seien die Meere noch sauber gewesen.

Stellenmarkt
  1. Senior Business Consultant Finance (w/m/d)
    WILO SE, Dortmund
  2. Webentwickler/Web Developer - C# .NET & JavaScript / TypeScript (m/w/d)
    PTA Programmier-Technische Arbeiten GmbH, verschiedene Standorte
Detailsuche

Und sie sollen es wieder werden, hat sich Bourgnon auf seiner Weltumsegelung vorgenommen. Nach seiner Rückkehr gründete er das Projekt The Seacleaners mit dem Ziel, den Plastikmüll aus den Ozeanen zu fischen. Dafür will er ein Boot bauen, das über die Meere segelt und dabei gleichzeitig den Dreck aus dem Wasser sammelt.

5.000 bis 10.000 Tonnen Plastik will Bourgnon damit pro Jahr aus dem Meer holen. Das klingt viel. Doch angesichts des Ausmaßes der Verschmutzung ist das nur symbolisch: Jedes Jahr gelangten 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer, schrieben Wissenschaftler schon 2015 in einer Studie in der Fachzeitschrift Science. Wenn es keine deutlichen Verbesserungen im Umgang mit dem Abfall gebe, dann, so warnten die Autoren, werde sich die Menge bis 2025 verzehnfachen.

Die Meere sind voller Plastik

Wie stark die Meere aktuell belastet sind, zeigt die Litterbase, ein Webangebot des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Dafür wurden über 2.700 wissenschaftliche Studien ausgewertet. Auf einer Landkarte zeigt das AWI eindrucksvoll die Verteilung von Müll in den Weltmeeren.

  • Manta ist ein Katamaran, den die Umweltschutzorganisation The Seacleaners bauen will. (Bild: The Seacleaners)
  • Er ist mit verschiedenen Systemen ausgestattet, um Plastikmüll aus dem Meer zu sammeln. (Bild: The Seacleaners)
  • Dazu gehören Schleppnetze...  (Bild: The Seacleaners)
  • ... und Förderbänder. (Bild: The Seacleaners)
  • Das gesammelte Material wird zunächst von Hand vorsortiert. (Bild: The Seacleaners)
  • Der Kunststoff wird in einer Anlage an Bord verarbeitet. Daraus wird Strom erzeugt. (Bild: The Seacleaners)
  • Zwei Beiboote, die Mobulas, sollen Plastikmüll in flachem Wasser sammeln. (Bild: The Seacleaners)
  • Dank Solarzellen, Hydrogeneratoren und Windrädern ist das Boot weitgehend energieautnom und kommt ohne fossile Brennstoffe aus. (Bild: The Seacleaners)
  • Günder der Organisation ist Yvan Bourgnon. Er hatte die Idee, als er bei einer Weltumsegelung den Plastikmüll im Wasser sah. (Bild: Yvan Bourgnon)
  • 2022 soll der Bau der Manta beginnen. 2024 soll sie erstmals im Einsatz sein. (Bild: The Seacleaners)
Manta ist ein Katamaran, den die Umweltschutzorganisation The Seacleaners bauen will. (Bild: The Seacleaners)

Die vorherrschende Farbe ist Lila - sie steht für Plastikmüll. In Zahlen: 62,28 Prozent des Mülls ist Plastik. Hinzu kommen 8,22 Prozent Plastik aus der Fischerei, 4,08 Prozent Styropor und 0,54 Prozent Zigarettenkippen - macht in der Addition gut 75 Prozent.

Das Plastik gelangt auch in den menschlichen Körper

Jedes Jahr sterben etwa 1,5 Millionen Meerestiere an der Plastikverschmutzung. Aber das Plastik schadet nicht nur den Tieren, sondern auch uns selbst: Die Tiere fressen das Plastik und es gelangt schließlich über die Nahrungskette auch in den menschlichen Körper. Allerdings könnte das ebenfalls in absehbarer Zeit ein Ende haben. 2050, so warnen die Vereinten Nationen, werde es mehr Plastik als Fisch in den Meeren geben.

Der Mensch und das Meer: Warum der größte Lebensraum der Erde in Gefahr ist

Damit es nicht dazu kommt und die Meere wieder etwas mehr so werden, wie er sie aus seiner Kindheit in Erinnerung hat, baut Bourgnon ein Mehrrumpfboot. Damit will er Plastik aus dem Meer holen. Das Boot dient aber auch der Forschung - an Bord gibt es ein Labor, in dem sechs bis zehn Wissenschaftler arbeiten - sowie der Information: Überall, wo es festmacht, will Bourgnon mit den Menschen vor Ort in Kontakt treten und sie über die verheerenden Folgen der Meeresverschmutzung aufklären, die vielen in den betroffenen Ländern gar nicht bewusst sind.

Den Namen hat das Boot von einem Meeresbewohner. Der Zusammenhang wird aber erst auf den zweiten Blick erkennbar.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
The Seacleaners bauen die Manta 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5.  


Westerwald 18. Mai 2021

Der Müll in Europa wird verbrannt. Konzerne, zum Beispiel die Zementindustrie und...

wingi 11. Apr 2021

Ja, aber da sind die ersten Länder mit PLastikverbot. https://www.plastikalternative.de...

Mandri 11. Apr 2021

Genau, wenn man sich entschlossen der Frage zuwendet, den weiteren Eintrag von...

wingi 11. Apr 2021

Hmmm, das https://theoceancleanup.com/rivers/ hat ja 4 Plastiksammler in Flüssen...

KlugKacka 10. Apr 2021

Viele Völker haben keine Ahung was Plaste bedeudet, eigentlich alle. In der Südsee, da...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Klimakrise
Staatenallianz will Ende von Öl- und Gasförderung

Dänemark und Coasta Rica starten eine Initiative namens Beyond Oil and Gas Alliance (BOGA). Deutschland ist bisher nicht dabei.
Von Hanno Böck

Klimakrise: Staatenallianz will Ende von Öl- und Gasförderung
Artikel
  1. Plugin-Hybride: Autoindustrie wehrt sich gegen höhere Förderauflagen
    Plugin-Hybride
    Autoindustrie wehrt sich gegen höhere Förderauflagen

    Die Regierung will die Förderung von Plugin-Hybriden nur noch von der Reichweite abhängig machen. Zudem werden künftig Kleinstautos gefördert.
    Ein Bericht von Friedhelm Greis

  2. Gopro Hero 10 Black ausprobiert: Gopros neue Kamera ist die Schnellste
    Gopro Hero 10 Black ausprobiert
    Gopros neue Kamera ist die Schnellste

    Endlich ein neuer Chip und mehr Zeitlupe! Wo Gopros Action-Kamera das Vorgängermodell schlägt, konnten wir vor dem Produktstart ausprobieren.
    Von Martin Wolf

  3. Piranha Games: Mechwarrior 5 bekommt Kampagne und Playstation-Version
    Piranha Games
    Mechwarrior 5 bekommt Kampagne und Playstation-Version

    Große Pläne für Mechwarrior 5: Demnächst stapft neben einer Erweiterung ein großes kostenloses Update heran - erstmals auch auf Playstation.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MM Club-Tage: Bis zu 15% auf TVs, PCs, Monitore uvm.) • Alternate (u. a. Razer Kraken X für Konsole 34,99€) • Xiaomi 11T 5G vorbestellbar 549€ • Saturn-Deals (u. a. Samsung 55" QLED (2021) 849,15€) • Logitech-Aktion: 20%-Rabattgutschein für ASOS • XMG-Notebooks mit 250€ Rabatt [Werbung]
    •  /