Planet der Affen wird 55: "Ihr Wahnsinnigen! Ihr habt die Erde in die Luft gesprengt!"

Die Geschichte von Planet der Affen beginnt Jahre vor dem tatsächlichen Kinostart. Nachdem Pierre Boulles(öffnet im neuen Fenster) Roman Anfang der 1960er Jahre auf den Markt gekommen war, wurden auch die Filmrechte sehr schnell veräußert. Produzent Arthur Jacobs(öffnet im neuen Fenster) hatte sich mit verschiedenen Literaturagenten getroffen, weil er auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Stoff war - und stieß auf Planet der Affen.
Erzählt wird die Geschichte des Astronauten Taylor, der auf einem Planeten der Affen landet, auf dem die Menschen nur stumme Tiere sind und die Affen intelligent. Seine Existenz droht, die natürliche Ordnung der Dinge dort zu sprengen.
Die Suche nach dem Star - und dem Studio
Vor dem Kinostart stand eine mehrjährige Odyssee. Jacobs war der Meinung, dass es leichter sein würde, ein Studio für den Film zu finden, wenn er einen Star präsentieren konnte. Er dachte an Marlon Brando, dem ein leidenschaftlicher Brief geschrieben wurde. Brando antwortete aber nie darauf.
Ohne Star pries Jacobs das Projekt bei MGM, Paramount und United Artists an. Zum Ende des Jahres 1963 zeigte sich 20th Century Fox interessiert. Das anvisierte Budget erschien jedoch zu hoch.
Jacobs stellte das Projekt also erneut verschiedenen Studios vor. Dabei hoffte er, dass die Konzeptzeichnungen, die Mentor Huebner(öffnet im neuen Fenster) angefertigt hatte, helfen würden, der Phantasielosigkeit mancher Studio-Executives beizukommen. Paramount war interessiert und dachte über ein Budget von 2,5 Millionen US-Dollar nach, doch letztlich war es dem Studio zu viel Geld.
Darum suchte Jacobs nun nach einem Regisseur, mit dem ein Studio zu überzeugen war. 1964 sagte Blake Edwards(öffnet im neuen Fenster) zu. Mit Rod Serling kam zudem ein Drehbuchautor zu dem Projekt, der mit seiner Serie Twilight Zone bei Publikum und Kritik für Aufsehen gesorgt hatte.
Im Lauf des Jahres 1964 entwickelte man das Ende mit der Freiheitsstatue, hielt es jedoch so weit wie möglich geheim. Ende 1964 schien das Filmprojekt trotzdem am Ende: Warner Bros. sagte ab, womit auch Blake Edwards ging.
Auftritt Charlton Heston
Im Juni 1965 wandte sich Jacobs an Charlton Heston und stellte ihm das Projekt vor. Als Jacobs seine Präsentation beendet hatte, war Heston bereit, die Rolle von Colonel Taylor zu spielen. Doch auch damit fiel es Jacobs schwer, den Film bei einem Studio unterzubringen.
Jacobs und Heston gelang es dann, Edward G. Robinson für die Rolle des Dr. Zaius zu interessieren. Zudem empfahl Heston den Regisseur Franklin J. Schaffner, mit dem er gerade Die Normannen kommen (1965) gedreht hatte.
Wieder wandte man sich an 20th Century Fox. Dessen Präsident Richard Zanuck gefiel, was er sah, aber er hatte Bedenken - und stellte die wichtige Frage: "Was ist, wenn das Publikum über die Affen lacht?"
Ein Affen-Make-up, über das niemand lachen sollte
Darüber hatte man sich noch keine allzu großen Gedanken gemacht. Man wollte auf Make-up setzen, aber wie genau, war noch unklar. Zanuck schlug darum einen Make-up-Test(öffnet im neuen Fenster) vor, mit einem Budget von 5.000 US-Dollar von Fox. Schaffner war bereit, ihn zu inszenieren und Heston wollte darin mitspielen. Der Test kostete schließlich knapp 7.500 US-Dollar und musste in bereits existierenden Sets gedreht werden.
Am 7. März 1966 wurde der Make-up-Test gemacht. Neben Heston und Robinson waren auch James Brolin als Cornelius und Linda Harrison (die im Film die stumme Menschenfrau Nova darstellt) als Zira dabei. Es war eine komplette Dialogszene mit einem philosophischen Gespräch zwischen Taylor und Zaius, die von Serling extra für den Test geschrieben worden war.
Das Make-up der Affen wurde von Ben Nye Sr. gestaltet. Es war noch gänzlich anders als das Make-up, das John Chambers später für den Film entwickeln sollte. Aber es zeigte, dass Menschen in Affenmasken sehr überzeugend sein konnten und nicht lachhaft wirkten.
Das Auftragen des Make-ups dauerte vier Stunden. Nachdem Edward G. Robinson dies einmal erduldet hatte, signalisierte er, dass er im fertigen Film nicht mitspielen wolle, da das Auftragen des Make-ups für ihn zu belastend sei.
Ein neuer Autor
Um das Script aufzufrischen, wandte sich Jacobs an den Autor Michael Wilson, der mit Die Brücke am Kwai (1957) schon einmal einen Boulle-Stoff adaptiert hatte. Im September 1966 willigte Fox ein, den Film zu produzieren.
Von immenser Wichtigkeit war natürlich weiterhin das Make-up der Affen. Nach dem erfolgreichen Test mit Ben Nye Sr. wandte man sich nun an John Chambers, der seine Erfahrungen mit dem Bau von Prothesen für Versehrte einbrachte.
Ein Problem, mit dem sich Chambers auseinandersetzen musste, war, dass die Lippen der Applikation synchron mit den echten Worten des Schauspielers bewegt werden mussten. Wenn ein Schauspieler sprach, war es unumgänglich, dass die Lippenbewegung des Affengesichts dem nachkam.
Zudem mussten die Dialoge verständlich sein. Es durfte nicht so klingen, als ob die Stimme tief aus dem Inneren des Affenkörpers kam. Da schwere Gummi-Applikationen Ton schlucken beziehungsweise dämpfen, musste man mit neuem Material experimentieren.
Wichtig war auch, auf die Gesundheit der Schauspieler zu achten. So wurde mit Schaumgummi experimentiert, das es der Haut erlaubte zu atmen. Dazu kam eine neu entwickelte Farbzusammensetzung, die die Poren nicht verstopfte.
Das weitere Ensemble
Für die Rolle von Dr. Zira wollte man eigentlich Julie Harris. Sie fand das Drehbuch interessant, konnte sich aber die Affen im Film nicht so recht vorstellen. Man führte ihr die Make-up-Präsentation vor, die sie zwar verblüffte, dennoch lehnte sie ab. Danach kam Kim Hunter zum Zug. Für den Part von Cornelius wurde Roddy McDowall angefragt, der direkt zusagte.
Als nächstes musste Zaius besetzt werden. Da Edward G. Robinson nicht mehr zur Verfügung stand, suchte man nach einem guten Schauspieler, der aber nicht notwendigerweise ein Star war - schließlich hatte man ja schon Heston. Der Part ging an Maurice Evans.
Eine Stadt aus Polyurethanen
Die Dreharbeiten starteten am 21. Mai 1967. Der erste Drehtag begann direkt mit einer Verzögerung, da die künstlichen Bärte noch nicht da waren. Sie waren für Taylors Kollegen unumgänglich. Heston hatte sich einen Bart wachsen lassen.
Die ersten Szenen mit den Affen-Hauptdarstellern wurden am 31. Mai 1967 gedreht. Es waren die Szenen in der Verbotenen Zone. Neben der unerträglichen Hitze zeigte sich bald, dass die Affen-Darsteller noch ein ganz anderes Problem hatten: Sie konnten nicht essen, da die Mund-Applikation weit vor ihrem eigenen Mund lag.
Interessant war, dass es in der Mittagspause offenbar eine Grüppchenbildung gab: Die Gorillas saßen bei den Gorillas, die Schimpansen bei den Schimpansen, die Orang-Utans bei den Orang-Utans und die Menschen blieben unter sich. Das fiel der Filmcrew erst nach einer Weile auf, wäre aber wohl eine interessante Fallstudie dafür gewesen, wie sich Gruppen zusammenfinden.
Am 7. Juni 1967 zog die Produktion auf die Fox Ranch im Malibu Creek State Park. Hier hatte man die Stadt der Affen aufgebaut. Die Affenstadt selbst wurde aus Polyurethanen hergestellt. Es handelte sich um eine Zusammensetzung, die man mit einer Art Pistole auftrug, so formte, wie man es wollte und die wenige Minuten später eine gehärtete Form hatte.
Außerdem befanden sich einige der Interieurs auf der Fox Ranch. So drehte man dort unter anderem die Innenszenen in Dr. Ziras Laboratorium. Laut Charlton Heston und seinem Tagebuch The Actor's Life(öffnet im neuen Fenster) gab es am 15. Juni ein Treffen, bei dem darüber diskutiert wurde, ob man im Film darauf eingehen sollte, dass die Affen Englisch sprechen.
Die wichtige Szene mit Taylor, der vor der Freiheitsstatue zusammenbricht und die Menschheit verflucht, wurde in der ersten Augustwoche gedreht - und zwar an der Küste zwischen Malibu und Oxnard. Die Klippen waren beeindruckend, ließen aber keinen Zugang zum Strand zu, weswegen Cast, Crew und Equipment mit Helikoptern eingeflogen werden mussten.
Die Dreharbeiten endeten am 10. August 1967 mit der ersten Szene des Films, in der Taylor in seinem Pilotensessel sitzt und über die Menschheit sinniert. Es ist interessant, dass Ende und Anfang des Films ganz zum Schluss gedreht wurden. Das war aber notwendig, weil das die einzigen Szenen sind, in denen Taylor keinen Bart trägt.
Die Nachproduktion nahm einige Zeit in Anspruch. Jerry Goldsmith arbeitete an seinem Score, den er äußerst experimentell gestaltete. Damit erzeugte er sofort eine Stimmung, die den Zuschauern vermittelte, auf einer anderen Welt zu sein.
Eine Schlussszene für die Ewigkeit
Nach zwei Premieren in New York und in Los Angeles kam der Film am 3. April 1968 in die US-Kinos. Er war vom Start weg immens erfolgreich und spielte inklusive späterer Re-Releases mehr als 33 Millionen US-Dollar ein(öffnet im neuen Fenster) . Am 3. Mai 1968 startete der Film in den bundesdeutschen Kinos.
Das Schlussbild des Films hinterlässt natürlich einen bleibenden Eindruck. Würde man eine Liste der beeindruckendsten Szenen der Film-Historie zusammenstellen, wäre das Bild mit Taylor und der Freiheitsstatue ganz weit vorne dabei.
Es war das Bild, das Ende, das schon zu einem frühen Zeitpunkt der Filmproduktion als grandioser Schlussmoment ersonnen worden war. Und in all den Jahren hat er nichts von seiner imposanten Wirkung verloren.
Was die Wirkung dieses Endes so stark macht, ist auch, dass das grandiose Gedankenkonzept, das hinter dem Film steht, hier noch auf die Spitze getrieben wird. Planet der Affen ist, wenn man so will, ein Film mit einer extrem starken Botschaft, durchaus auch einer ökologischen.
Denn der Film warnt davor, dass der Mensch in seinem Drang, sein Wissen zu erweitern, dieses zwar immer schneller anhäufen kann, aber die Moral diesem Wissen oft nicht hinterherkommt. Eine Warnung, die heute so aktuell ist wie vor 55 Jahren.
Unser Autor hat auch ein Buch zur Planet-der-Affen-Reihe geschrieben: Es lebe der Planet der Affen: Das erste, große Science-Fiction-Franchise.



