Plan 9 from Outer Space: Der mieseste Film vom schlechtesten Regisseur aller Zeiten

Vermutlich hat jeder von uns schon miesere Filme als die von Regisseur Ed Wood gesehen. Zuerst mit dem VHS-, dann mit dem DVD- und schließlich dem Streamingmarkt wurde jede Menge filmischer Schrott produziert. Und Woods Filme fallen in die Kategorie "So schlecht, dass sie schon wieder lustig sind". Der 1959 erschienene Ed-Wood-Film Plan 9 from Outer Space (Plan 9 aus dem Weltall), der als schlechtester Film aller Zeiten gilt, kann also Spaß machen – wenn man ein Faible für gepflegten Trash hat.
Woods Werk war weitestgehend vergessen, als der US-Filmkritiker Michael Medved 1980 ein Buch mit dem Titel Golden Turkey Awards(öffnet im neuen Fenster) veröffentlichte und ihm wieder Ruhm verschaffte. In diesem Buch kürte er Woods Sci-Fi- und Horrorproduktion aus dem Jahr 1959 zum schlechtesten Film aller Zeiten – und Woods zum schlechtesten Regisseur.
Wackelnde Kulissen, Schauspieler, welche die Waffe auf sich selbst, statt auf andere richten, trashige Dialoge und Darbietungen, all das ist Ed Wood pur. Aber nicht trotzdem, sondern eher deshalb lassen sich diese Filme von Glen or Glenda(öffnet im neuen Fenster) aus dem Jahr 1953 bis zu The Sinister Urge aus dem Jahr 1960 gut anschauen. Plan 9 from Outer Space punktet zunächst mit einer wirren Handlung.
Der Plan der Außerirdischen
In Kalifornien trauert ein alter Mann (Bela Lugosi) um den Verlust seiner Frau (Vampira). Am nächsten Tag stirbt auch er. Der Weltraumsoldat Eros und seine Gefährtin Tanna verwenden ein elektrisches Gerät, um beide wiederzubeleben – ebenso den starken Inspektor Clay (Tor Johnson), der von dem Paar ermordet wurde. Ihre Absicht ist es nicht, die Erde zu erobern, sondern die Menschheit daran zu hindern, eine mächtige Bombe zu entwickeln, die das Universum bedrohen würde. Als die Bevölkerung Hollywoods und Washingtons fliegende Untertassen am Himmel sieht, versuchen ein Colonel, ein Polizeileutnant, ein Verkehrspilot, seine Frau und ein Polizist, die Außerirdischen aufzuhalten.
Die Geschichte ist Science-Fiction, wie sie im US-Film der 50-er Jahre nicht ungewöhnlich war, bestimmt von Angst vor Atomkrieg, Ufos und Kommunismus. Wood schrieb das Drehbuch selbst. Das Budget leierte er größtenteils einer Bapisten-Kirche(öffnet im neuen Fenster) aus dem Kreuz, weswegen einige Crewmitglieder sich auch taufen ließen.
Wood hatte aber nur 60.000 US-Dollar – viel zu wenig, um seine Visionen Wahrheit werden zu lassen. Abhalten ließ er sich davon aber nicht. Er drehte, egal, ob das, was er sich vorstellte, sinnvoll umsetzbar war oder nicht. Der Film debütierte im Jahr 1957 in einem Kino in Los Angeles. Danach verschwand er in der Versenkung, bevor Wood ihn am 22. Juni 1959 unter dem Titel Plan 9 from Outer Space größer herausbrachte. Wie wild dieses Projekt war, sieht man schon am Darsteller Bela Lugosi.
Dieser hatte in den 30-er Jahren als Dracula im gleichnamigen Universal-Film großen Erfolg und gehörte in den zwei folgenden Jahrzehnten zu den Stars des Horrorgenres. In den 50-er Jahren lag seine beste Zeit jedoch schon lange hinter ihm. Er hatte Schmerzen, war von Morphium abhängig(öffnet im neuen Fenster) – und brauchte ein Comeback. Doch der Einzige, der sich für ihn interessierte, war Wood. Dieser drehte mehrere Filme mit Lugosi und auch einige Szenen, die später Einzug in Plan 9 from Outer Space hielten.
Lugosis letzter Film
Sobald Wood ein paar Dollar übrig hatte, drehte er mit Lugosi, selbst wenn er kein Projekt hatte, in dem er das Material hätte verwenden können. Die Szenen des Sci-Fi-Films entstanden bei einem nicht fertiggestellten Projekts namens The Vampire's Tomb. Sie zeigen Lugosi weinend an einem Grab, wie er eine Rose pflückt, wie er in ein Haus geht und es wieder verlässt, wie er sein Dracula-Cape dramatisch ausbreitet und es sich vors Gesicht hält. Letzteres war wichtig, denn so konnte Wood nach Lugosis Tod im August 1956 weitere Szenen mit einem Double drehen, das ständig das Cape vors Gesicht halten musste. Das Double war Tom Mason, der Chiropraktiker von Woods Frau, der Lugosi nicht im Mindesten ähnlich sah.
Nach Lugosis Tod schrieb Wood das Drehbuch für den Film, der Plan 9 from Outer Space werden sollte. Das Lugosi-Material im Film zu benutzen, hatte für Wood den Vorteil, dass er einen großen Namen im Ensemble vorweisen konnte. Und er bewarb den Streifen als "Bela Lugosis letzter Film" . Es war ein opportunistischer Akt und zugleich auch Woods Verbeugung vor Lugosi, den er als Mensch und Schauspieler schätzte.
Um das Material halbwegs mit dem Rest des Films in Einklang zu bringen, brauchte er einen Erzähler, der die Lücken in der Geschichte ausfüllte. Dafür stand Jeron Criswell King zur Verfügung, der auf einem lokalen Sender die Show Criswell Predicts hatte, aber außerhalb von Los Angeles nicht weiter bekannt war. Auch er, als The Amazing Criswell(öffnet im neuen Fenster) bekannt, ist eine schillernde Figur. Seine fünfminütige Show im Fernsehen lebte davon, dass er als Medium und Wahrsager die Voraussagen der Woche präsentierte, wobei er notorisch daneben lag. Wood mochte ihn und setzte ihn häufiger in seinen Filmen ein.
Holprige Dreharbeiten
Der Film wurde in Los Angeles gedreht, in den winzigkleinen Quality Studios(öffnet im neuen Fenster) . Es gab aber auch Außenaufnahmen, etwa am San Fernando Pioneer Memorial Cemetery in der Bledsoe Street am Foothill Boulevard in Sylmar. Der Friedhof wurde bereits im Jahr 1959 aufgegeben. Wood nutzte dort falsche Grabsteine aus Styropor. In manchen Szenen fallen diese um oder wackeln, wenn Schauspieler sie versehentlich berühren.
Die fliegenden Untertassen muten an, als hätte Wood Pappteller oder Radkappen benutzt, aber es handelte sich in Wirklichkeit um Ufo-Plastikmodellbausätze im Maßstab 1:48 des Spielzeugherstellers Paul Lindberg, die es ab 1952 zu kaufen gab. Einer wurde mit einem Holzklotz modifiziert, um die quadratische Basis der fliegenden Untertasse darzustellen, die auf dem Friedhof landet.
Neben Lugosi wirken in dem Film der ehemalige Wrestler Tor Johnson und Maila Nurmi mit. Diese hatte als Vampira eine eigene Fernsehshow. Sie legte das Kostüm und das Vampir-Make-up zu Hause an und fuhr dann mit dem Bus in die Quality Studios, wo sie ihre Szenen drehte. Für ihre Darstellung erhielt sie 200 US-Dollar, bestand aber auch darauf, dass sie keinerlei Text hatte – sie fand die Texte, die sie sprechen sollte, zu dumm.
In Rudolph Greys Buch Nightmare of Ecstasy: The Life and Art of Edward D. Wood, Jr. erinnerte sie sich: "Ich hatte kein anständiges Kostüm für Plan 9. Ich wusste nicht, wo meine Kostüme waren; entweder hatte ich sie weggeworfen oder sie verloren. Was ich trug, war alt und abgenutzt. Es sieht so aus, als hätte ich ein Loch im Schritt des Kleides. Ein Loch im Schritt, und ich dachte, ach was soll's, niemand wird diesen Film je sehen, das ist egal."
Die Hauptrolle spielte Gregory Walcott, der eigentlich gar nicht mitspielen wollte, aber das Geld brauchte. "Ich habe das Drehbuch gelesen, und es war Schwachsinn. Es ergab keinen Sinn" , erzählte er Jahre später.(öffnet im neuen Fenster) Er bedauerte es jedoch: "Ich werde in mein Grab gehen, nicht in Erinnerung an ... gehaltvolle Rollen, die ich für Leute wie John Ford oder Steven Spielberg gespielt habe, sondern als Hauptdarsteller in einem Film, den die meisten Historiker für den schlechtesten Film aller Zeiten halten."
Der Film wurde im November 1956 gedreht. Eigentlich dachte Wood, dass er schon im Folgejahr einen verhältnismäßig großen Release bekommen würde, aber es gab nur die Premiere. Danach zog es sich drei Jahre, bis ein Verleiher gefunden war.
Das richtige Format
Lange Zeit war die Frage, was das richtige Bildformat des Films sei. Aber die Wahrheit ist: Das gibt es nicht. Denn Wood drehte neue Szenen in der Aspect Ratio 1,85:1, aber die Szenen mit Lugosi hatte er in 1,33:1 gedreht. Bis in die 80-er Jahre wurde der Film daher nur im Format 4:3 gezeigt, später wurde eine komplette Fassung mit 1,85:1-Maskierung produziert, bei der die Lugosi-Szenen beschnitten wurden.
Noch später wurde in den USA eine eingefärbte Version des Schwarzweißfilms produziert. Das Ergebnis ist jedoch nicht besonders gut. Das gilt übrigens auch für die Synchronisation, die erst vor wenigen Jahren gemacht wurde. Bis dahin war der Film hierzulande nur im Original mit Untertiteln zu sehen.
Nicht gut, aber unvergessen
Wood sah die Probleme seiner Filme nicht. Im Buch The Ed Wood Story – The Plan 9 Companion sagte er: "Wenn Sie mich kennenlernen wollen, sehen Sie sich Glen oder Glenda an. Das bin ich, das ist meine Geschichte, keine Frage. Aber Plan 9 ist mein ganzer Stolz."
Nach allgemeingültigen Maßstäben mag Plan 9 from Outer Space kein guter Film sein, aber er ist unvergessen – umso mehr, seitdem Tim Burton dem Regisseur im Jahr 1994 mit seinem Biopic Ed Wood mit Johnny Depp in der Hauptrolle ein Denkmal setzte. Sehenswert ist auch die 1992 erschienene Dokumentation Flying Saucers Over Hollywood: The Plan 9 Companion(öffnet im neuen Fenster) , die über fast zwei Stunden die Entstehung des Films minutiös aufdröselt.
In Deutschland wurde der Film erstmals 1984 im Original mit Untertitel gezeigt, anlässlich von Burtons Film gab es dann VHS-Veröffentlichungen von Woods Filmen. Mittlerweile liegen sie auch auf DVD vor, Plan 9 from Outer Space sogar mit einer Synchronisation. So schlecht der Film auch sein mag, er sicherte sich seinen Platz in den filmischen Annalen. Wood mag ein Dilettant gewesen sein, aber einer mit Passion und Enthusiasmus – und das merkt man seinen Filmen an.