Pläne für 2-nm-Fabrik: Warum die Halbleiterstrategie der EU völlig verfehlt ist

Die EU will den Bau einer 2-nm-Chip-Fabrik fördern, um bei Halbleitern unabhängig von Asien und den USA zu werden - weshalb das nicht gelingen wird.

Eine Analyse von Gerd Mischler veröffentlicht am
Ein 300-Millimeter-Wafer von Bosch, aufgenommen Ende Mai 2021 in der neuen Fabrik in Dresden
Ein 300-Millimeter-Wafer von Bosch, aufgenommen Ende Mai 2021 in der neuen Fabrik in Dresden (Bild: Jens Schlueter / AFP via Getty Images)

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) hatten schon bessere Ideen: Um sich bei der Fertigung von Halbleitern aus der Abhängigkeit von Taiwan, Südkorea, China und den USA zu lösen, wollen sie gemeinsam den Bau einer Fabrik vorantreiben, die an einem Standort in Europa Chips mit Strukturbreiten von nur zwei Nanometern produziert. Darauf verständigten sich 22 der 27 Mitgliedstaaten am 7. Dezember 2020 in einer gemeinsamen Erklärung.

Inhalt:
  1. Pläne für 2-nm-Fabrik: Warum die Halbleiterstrategie der EU völlig verfehlt ist
  2. Europas Halbleiterbranche folgt eigenem Technologiepfad
  3. ''Die 2-Nanometer-Fab ist der falsche Weg''
  4. Europa braucht ein Chip-Design-Ökosystem

Für das Projekt wollen sie bis zu 20 Prozent der Gelder aus der Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) - dem Kernstück des Corona-Hilfsfonds der EU - ausgeben. Die ARF ist mit 672,5 Milliarden Euro ausgestattet. Insgesamt stünden für das Projekt also bis zu 135 Milliarden Euro zur Verfügung. Binnenmarktkommissar Thierry Breton, der das Projekt maßgeblich vorantreibt und dafür Intel, Samsung oder die Taiwan Semiconductor Manufacturing Corporation (TSMC) als Partner zu gewinnen versucht, will mit dem Werk Europas Anteil an der globalen Halbleiterfertigung bis 2030 mehr als verdoppeln, auf bis zu 20 Prozent.

Derzeit verhandelt die bayerische Landesregierung mit Intel. Die Bayern haben dem Chipriesen den ehemaligen Luftwaffen-Stützpunkt in Penzing als Gelände für die Fab angeboten und bemühen sich in Brüssel um die Genehmigung für eine Subvention in Höhe von 20 Prozent der Investitionskosten. Diese veranschlagt Intel mit rund 15 Milliarden Euro.

Die EU-Staaten, die die Erklärung unterzeichnet haben, stellen darin zudem fest, dass die Chipfabrik "die technologische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit Europas sowie seine Fähigkeit sichern soll, aktuelle und künftige soziale und ökologische Herausforderungen zu bewältigen." Experten und EU-Beamte ebenso wie die Vorstände großer Halbleiterunternehmen wie Infineon oder ASML bezweifeln jedoch, dass sich dieses Ziel mit der 2-Nanometer-Fab erreichen lässt.

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Allerdings teilen sie Bretons Sorge, dass die EU bei Halbleitern mit Strukturbreiten unterhalb von 22 Nanometern in einem gefährlichen Ausmaß von Partnern im Ausland abhängig ist. Bei Tools und Software für das Design von Halbleitern seien die Mitgliedstaaten sogar vollständig auf die Vereinigten Staaten angewiesen, stellt die EU-Kommission in einem Arbeitspapier zur ihrer 2020 veröffentlichten Industriestrategie fest.

Gefährliche Abhängigkeiten bei ultradünnen Knoten und im Chip-Design

Daher laufen europäische Unternehmen auch zunehmend Gefahr, in der aktuellen geopolitischen Auseinandersetzung zwischen den USA und China zerrieben zu werden. Denn sie sind auf Zulieferungen von Partnern in der Volksrepublik ebenso wie in den Vereinigten Staaten angewiesen.

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Zugleich machen sie in jedem der beiden Länder meist (noch) gute Geschäfte. Peking und Washington könnten die Firmen aber davon abschneiden, wenn sie im Zuge ihres Technologiekonflikts verbieten, in den USA oder China hergestellte Vorprodukte und Komponenten in das jeweils andere Land auszuführen.

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Europas Halbleiterbranche folgt eigenem Technologiepfad 
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486dx4-160 04. Jul 2021

Apple, AMD, Intel usw. wären froh, wenn sie mehr Auftragsfertiger hätten. In Taiwan...

486dx4-160 04. Jul 2021

Exakt. Das wäre auch ein Punkt, warum man dieses europäische Gemeinschaftsprojekt...

486dx4-160 04. Jul 2021

Ich hab das eher so verstanden, dass aktuell der finanziell ausgebluteten US-Firma Intel...

Anonymer Nutzer 04. Jul 2021

Ich habe den Artikel nur halbherzig überflogen und wenn ich das richtig verstehe, möchte...

Lachser 04. Jul 2021

Was ich nicht ganz verstehe: Diese ganze Produktion ist ja ziemlich komplex. Wenn man...



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