Europa braucht ein Chip-Design-Ökosystem

Im Rahmen des ersten IPCEI zur Mikroelektronik vergaben Italien, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Deutschland Fördergelder in Höhe von 1,75 Milliarden Euro. Bosch erhielt davon 140 Millionen für den Bau seiner neuen Fabrik in Dresden. Auch Infineon, Osram und Zeiss bekamen für ihre Werke in Dresden, Regensburg und Oberkochem Geld aus dem Programm.

Stellenmarkt
  1. Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Wissenschaftlicher Mitarbeiter (m/w/d) am Lehrstuhl für ... (m/w/d)
    Universität Passau, Passau
  2. Abteilungsleitung (w/m/d) Produktmanagement Kollaborationsplattform / Phoenix
    Dataport, Altenholz, Kiel, Hamburg
Detailsuche

Das IPCEI, das nun ins Leben gerufen werden soll, soll "Projekte in Bereichen fördern, in denen Europa Nachholbedarf hat beziehungsweise wesentlich abhängig von nichteuropäischen Unternehmen ist. Dies betrifft Entwicklung, Design und Produktion von entsprechenden Hard- aber auch Softwarekomponenten", erklärt das Bundeswirtschaftsministerium.

Rückstände sieht SNV-Fachmann Jan-Peter Kleinhans in Europa vor allem bei der forschungsintensiven Entwicklung von Halbleiter-Architekturen. Der Anteil der EU am Weltmarkt für das Design von Chips hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf nur noch zwei Prozent halbiert. Die EU müsse deshalb Forschungsaktivitäten europäischer Halbleiterunternehmen sowie Startups in dem Bereich stärken und versuchen, in Europa ein Chip-Design-Ökosystem zu entwickeln, fordert Kleinhans. "Dabei könnte sie mit der Fraunhofer-Gesellschaft in Deutschland, imec in Belgien und CEA-Leti in Frankreich auf die weltweit wahrscheinlich wichtigsten Forschungsverbünde für die Halbleiterindustrie zugreifen", erklärt Kleinhans.

Gelänge es der EU, in den kommenden fünf bis zehn Jahren Unternehmen zu entwickeln, die im Chip-Design eine führende Position innehaben, gäbe es in Europa auch Bedarf an Fabriken, die Chips mit ultradünnen Knoten fertigen können, ist der Experte überzeugt. "Für TSMC oder Samsung wäre es dann attraktiver, eine Fabrik in Europa zu bauen. Die EU-Kommission befände sich in einer vollkommen anderen Verhandlungsposition", fasst Kleinhans zusammen.

Die USA suchen internationale Partner

Golem Karrierewelt
  1. AZ-104 Microsoft Azure Administrator: virtueller Vier-Tage-Workshop
    19.-22.09.2022, virtuell
  2. Green IT: Praxisratgeber zur nachhaltigen IT-Nutzung (virtueller Ein-Tages-Workshop)
    10.08.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Um beim Design von Chips aufzuholen, ist jedoch viel Geld nötig. Die führenden US-Firmen auf dem Markt, Nvidia, Broadcom und Co., investieren bis zu 30 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. In internationalen Partnerschaften könnte es leichter gelingen, hier aufzuschließen. Als Partner kämen dabei nicht nur die USA in Frage. "Auch Japan und Südkorea haben starke Halbleiterunternehmen und müssen sich in der geopolitischen Auseinandersetzung der USA mit China behaupten", meint Ondrej Burkacky von McKinsey.

Allerdings hat sich Südkorea Ende Mai 2021 für eine strategische Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten entschieden. In diesem Rahmen wollen beide Seiten ihre Investitionen auf allen Stufen der Halbleiterwertschöpfungskette eng miteinander abstimmen.

Golem ALLROUND mit Geforce RTX 3060

Umsetzung des zweiten IPCEI geht vielen zu langsam

Von solchen Kooperationen ist die EU weit entfernt. Überhaupt hapert es bei der Umsetzung des zweiten IPCEI. "Das müsste viel schneller und unbürokratischer gehen", fordert Jan-Peter Kleinhals von der SNV. Zwar haben Unternehmen mehr als 50 Konzepte für Projekte eingereicht, die sie mit Förderung durch das IPCEI gerne umsetzen würden.

"Doch bislang haben sie noch keine klaren und verlässlichen Zusagen dazu bekommen, mit welchen Beihilfen sie in welchem Zeitraum rechnen können", kritisiert Kleinhals. Das stört auch ZVEI-Geschäftsführer Wolfgang Weber. "Die Strategie stimmt. Aber es fehlen zeitlich klar definierte Schritte zur Umsetzung, die nun endlich folgen müssen", so der ZVEI-Chef.

Dass dies so langsam geht, liegt auch daran, dass die Diskussion über die 2-Nanometer-Fab die ganze Aufmerksamkeit der Politiker in Brüssel, Paris, Berlin und anderen europäischen Hauptstädten beansprucht. Die EU hatte wirklich schon mal bessere Ideen als den Bau einer Halbleiterfabrik, die viel Geld kostet, aber keine Probleme löst.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 ''Die 2-Nanometer-Fab ist der falsche Weg''
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4


486dx4-160 04. Jul 2021

Apple, AMD, Intel usw. wären froh, wenn sie mehr Auftragsfertiger hätten. In Taiwan...

486dx4-160 04. Jul 2021

Exakt. Das wäre auch ein Punkt, warum man dieses europäische Gemeinschaftsprojekt...

486dx4-160 04. Jul 2021

Ich hab das eher so verstanden, dass aktuell der finanziell ausgebluteten US-Firma Intel...

Anonymer Nutzer 04. Jul 2021

Ich habe den Artikel nur halbherzig überflogen und wenn ich das richtig verstehe, möchte...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Chrome OS Flex
Das Apple Chromebook

Ein zehn Jahre altes Notebook lässt sich mit Chrome OS Flex wieder flott machen. Wir haben Googles Betriebssystem ausprobiert und waren begeistert.
Ein Erfahrungsbericht von Martin Wolf

Chrome OS Flex: Das Apple Chromebook
Artikel
  1. Ransomware: Universität erzielt durch Lösegeldrückzahlung Gewinn
    Ransomware
    Universität erzielt durch Lösegeldrückzahlung Gewinn

    Die Universität Maastricht wurde nach einem Ransomware-Angriff erpresst und zahlte. Krypto-Kursschwankungen führten nun zu einem finanziellen Gewinn.

  2. CPU: RISC-V-Laptop soll native Entwicklung ermöglichen
    CPU
    RISC-V-Laptop soll native Entwicklung ermöglichen

    Der erste Laptop mit RISC-V soll noch in diesem Jahr verfügbar sein und eine Quadcore-CPU samt 16 GByte RAM bieten.

  3. Nvidia Ada: Geforce RTX 4090 soll Performance verdoppeln
    Nvidia Ada
    Geforce RTX 4090 soll Performance verdoppeln

    Über ein Drittel mehr Takt als eine Geforce RTX 3090 Ti: Bei der Ada-Generation soll Nvidia viele Shader bei mehr als 2,5 GHz nutzen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MSI RTX 3080 12GB günstig wie nie: 959€ • AMD Ryzen 7 günstig wie nie: 259€ • Der beste 2.000€-Gaming-PC • Cooler Master 34" UWQHD 144 Hz günstig wie nie: 467,85€ • Asus RX 6900 XT OC günstig wie nie: 1.049€ • Mindstar (Gigabyte RTX 3060 399€) • Galaxy Watch3 45 mm 119€ [Werbung]
    •  /