''Die 2-Nanometer-Fab ist der falsche Weg''

Dieses Dilemma will die EU mit der 2-Nanometer-Fab lösen. "Nur ist dies nicht der Weg, auf dem die Gemeinschaft mehr technologische Souveränität gewinnen wird", warnt Jan-Peter Kleinhans, Leiter des Themenbereichs Technologie und Geopolitik bei der Stiftung Neue Verantwortung. Denn die Fab werde keine analogen Halbleiter, Sensoren oder Chips für die Leistungselektronik, Industrie oder den Autobau herstellen, wie sie die europäische Industrie benötigt. "Die Fab bekäme daher nicht genug Aufträge von europäischen Kunden", warnt Kleinhans.

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Ondrej Burkacky, Partner und Halbleiter-Experte bei der Unternehmensberatung McKinsey, bestätigt das: "Der Bedarf für Chips mit einer Strukturbreite von sieben Nanometern und kleiner liegt in der ganzen EU bei rund 1.800 Wafern am Tag. Das entspricht nicht mal der Kapazität eines Produktionsmoduls bei TSMC." Nur wenn sie zu weit über 80 Prozent ausgelastet wäre, würde sich die Investition in die europäische 2-Nanometer-Fab jedoch in einem überschaubaren Zeitraum amortisieren, erwarten Branchenkenner.

Um diese Auslastung zu erreichen, wäre die EU auf Chipbestellungen aus dem Ausland angewiesen. Die Abhängigkeit bekäme damit lediglich ein neues Gesicht. Außerdem würde die Fab Europa nur bei der Belichtung und Produktion von Chips mit ultradünnen Nodes unabhängig machen. Bei Chipdesign-Software, bestimmten Maschinen und Chemikalien für die Waferproduktion bliebe Europa weiter von den USA und Asien abhängig. "Die 2-Nanometer-Fab ist also der falsche Weg", fasst Kleinhans zusammen.

Nicht jeder muss alles selbst machen

Der Plan geht außerdem von der falschen Annahme aus, dass ein Land, das technologisch souverän sein will, alle Produkte selbst herstellen muss, um Abhängigkeiten von anderen Staaten zu vermeiden. "Technologische Souveränität jedoch ist die Fähigkeit, politische und wirtschaftliche Maßnahmen selbstbestimmt wählen und ergreifen zu können. Hierzu benötigt es internationale resiliente Lieferketten und eine Stärkung der eigenen Kompetenzen - jedoch keine Abschottung oder Autarkie", erklärt Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Diese Entscheidungsfreiheit habe Europa, wenn es über seine Handelsbeziehungen gegenseitige Abhängigkeiten schafft und selbst etwas anbieten kann, auf das andere Länder dringend angewiesen sind.

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"Europa hat in diesem Spiel vielleicht nicht so viele Karten in der Hand wie andere Länder, aber doch genug, um mitspielen zu können", ergänzt SNV-Experte Jan-Peter Kleinhans. So säßen mit Aixtron und ASML führende Anlagenlieferanten für Halbleiterunternehmen in Europa. Weder Samsung noch TSMC oder Intel können ihre Werke ohne Anlagen von ASML für die Extreme-Ultraviolet-Lithographie betreiben.

Chemiekonzerne wie Linde und Merck wiederum liefern Gase, auf die Wafer-Produzenten nicht verzichten können. "Viele europäische Unternehmen haben zudem eine führende Stellung bei der Fertigung von Verbindungshalbleitern", sagt ZVEI-Geschäftsführer Weber. Auch bei Halbleitern für die in der E-Mobilität besonders wichtige Leistungselektronik, Chips für Sicherheitsanwendungen und smarten Sensoren für KI-Systeme sind europäische Anbieter stark.

Die Technologieführerschaft europäischer Firmen sichern

Wenn die EU ihre technologische Souveränität stärken wolle, müsse sie den Führungsanspruch europäischer Unternehmen in diesen Technologiefeldern sichern und ausbauen, fordert der Präsident des ZVEI, Gunther Kegel. Das hat die Staatengemeinschaft auch erkannt. Deshalb versucht sie neben der 2-Nanometer-Fab derzeit ein Important Project of Common European Interest (IPCEI) im Bereich der Mikroelektronik auf die Beine zu stellen. Es soll ein erstes derartiges Projekt fortsetzen, das bereits 2018 initiiert wurde.

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Die an einem IPCEI teilnehmenden Mitgliedstaaten können Unternehmen nicht nur für deren Forschungs- und Entwicklungsarbeit Beihilfen gewähren, sie dürfen auch den Aufbau von Fertigungskapazitäten fördern. Das verbietet das Wettbewerbsrecht der EU zwar grundsätzlich. Bei einem IPCEI wird dies aber außer Kraft gesetzt, weil der Nutzen des Projekts für alle Mitgliedstaaten überwiegt.

"Damit hat Europa die Möglichkeit, auf die neue geopolitische Weltlage zu reagieren", erklärt ZVEI-Chef Wolfgang Weber. Die aktuellen Streitigkeiten zwischen den USA und China und die daraus folgenden industriepolitischen Maßnahmen führten in der EU zunehmend zu der Erkenntnis, dass europäische Unternehmen im globalen Technologiewettlauf intensivere Unterstützung benötigen.

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 Europas Halbleiterbranche folgt eigenem TechnologiepfadEuropa braucht ein Chip-Design-Ökosystem 
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486dx4-160 04. Jul 2021

Apple, AMD, Intel usw. wären froh, wenn sie mehr Auftragsfertiger hätten. In Taiwan...

486dx4-160 04. Jul 2021

Exakt. Das wäre auch ein Punkt, warum man dieses europäische Gemeinschaftsprojekt...

486dx4-160 04. Jul 2021

Ich hab das eher so verstanden, dass aktuell der finanziell ausgebluteten US-Firma Intel...

Anonymer Nutzer 04. Jul 2021

Ich habe den Artikel nur halbherzig überflogen und wenn ich das richtig verstehe, möchte...



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