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Pixyul: Mit Drohnen spielt man nicht

Sie wollen mit Drohnen die ganze Erde erfassen – für ein Videospiel: Pixyul hat mit seinem ambitionierten Projekt Reroll viel Aufsehen erregt. Im Interview erklärt das Entwicklerduo, wie ernst es ihm damit ist und wie es Regionen erfassen will, in denen keine Drohnen erlaubt sind.
/ Jan Bojaryn
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Die Welt als Spielfeld (Bild: Pixyul)
Die Welt als Spielfeld Bild: Pixyul

Louis-Pierre Pharand und Julien Cuny haben bereits große Projekte gestemmt. Sie waren bei Ubisoft unter anderem an den Assassin's-Creed- und Far-Cry-Serien beteiligt. Schließlich aber haben sie den Publisher verlassen, um in ihrer Heimat Montreal Pixyul zu gründen. Auch dabei denken sie immer noch groß und ihr erstes Projekt Reroll(öffnet im neuen Fenster) könnte sie für viele Jahre beschäftigen. Das Action-Rollenspiel soll die ganze Welt zum Spielfeld für einen apokalyptischen Überlebenskampf machen. Schultern will Pixyul die Aufgabe mit autonomen Drohnen, die 3D-Karten der Umgebung erstellen – und mit einem Schritt-für-Schritt-Plan. Aber wann wollen sie fertig sein? Und wie wollen sie die vielen rechtlichen Hürden für Drohnenflüge überwinden?

Reroll Ankündigung
Reroll Ankündigung (03:24)

Noch ist Pixyul nur ein Zwei-Mann-Studio. Daher waren die Entwickler auch von den heftigen Reaktionen ein wenig überfordert, wie Pharand einräumt – aber nicht überrascht. "Wir wussten, dass viele Spieler so etwas wie unser Konzept wirklich wollen." Die Crowdfunding-Kampagne ist nach Angaben des Duos gut gestartet, steht aber noch am Anfang. Kein Wunder, denn die Vermessung der Welt ist nicht billig. Pixyul hat das nötige Budget gar nicht geschätzt, denn das Studio will Reroll Schritt für Schritt entwickeln. Den ersten spielbaren Baustein nennen die beiden BRICK 1 und diese für 2015 geplante Veröffentlichung wird sich auf eine Region beschränken.

Hohe Hürden für Drohnen

Und hier zeigen sich bereits die zwei Seiten des Projekts. Das augenfällige Fernziel, die Erfassung der Welt mit Drohnen, ist eine gute PR-Maßnahme. Die konkret geplanten Schritte haben damit bis jetzt jedoch wenig zu tun. In der Praxis fangen die Probleme schon an, bevor die erste Drohne gestartet ist.

Ein Blick auf die deutsche Gesetzeslage gibt ein entmutigendes Beispiel ab. Elmar Giemulla, Luftrechtsexperte und Honorarprofessor an der Technischen Universität Berlin, hält die Erfassung Deutschlands mit autonomen Drohnen bestenfalls für "theoretisch denkbar". Denn vor der Genehmigung für den Drohnenflug stehen hohe Hürden. "Die Luftfahrzeuge müssen sie in 'Line of Sight' haben. Mit dem Sehen ist natürlich gemeint, dass ich die Drohne erstens sehe und dass ich zweitens aus der Sicht noch Konsequenzen ziehen kann – dass ich also notfalls eingreifen kann." Damit sind indirekt gesteuerte, autonome Drohnen fast aus dem Rennen. Kurzflüge auf Sichtweite dürften nicht die erhoffte Arbeitserleichterung bringen.

Flüge außerhalb der Sichtweite sind nicht ganz ausgeschlossen, aber schwer zu genehmigen: "Sie müssen den Luftraum freihalten lassen. Das macht die Flugsicherung schon, aber nicht beliebig", erklärt Giemulla. Städte mit Drohnen zu erfassen, scheint dagegen fast unmöglich zu sein. "Über Menschenmengen wird zum Beispiel keine Genehmigung erteilt, über dicht besiedelten Gebieten auch nicht, zumindest nicht bisher." Und nicht nur Deutschland ist so streng, sondern auch viele andere Länder.

Die Welt ist viel besser als ein Spielfeld

Wenig überraschend klingt da die aktuelle Ankündigung des ersten Bausteins von Pixyul. Brick 1 beschränkt sich auf das Arrondissement Ville-Marie, auf den zentralen Stadtteil Montreals. Das Spielareal soll 25 Quadratkilometer umfassen. Schon das ist ein ehrgeiziges Ziel. Hier, im Zentrum der kanadischen Metropole, stehen viele Wolkenkratzer, die Gebäudedichte ist extrem hoch. Mehrere Parks, das Bankenviertel, Chinatown sowie ein paar Universitäten befinden sich im Spielareal.

Unbemannte Fluggeräte würden allerdings gar keinen Beitrag zu Brick 1 liefern, räumt Julien Cuny ein: "Mit Drohnen dürfen wir über Montreal gar nicht fliegen. Aber die Stadt gibt uns vollen Zugang zu ihren Geodaten. Wir haben also alle 3D-Geometrie, die wir für Brick 1 brauchen."

Die Vermessung der ganzen Welt mit Drohnen sei streng genommen nie das Ziel gewesen, gibt Pharand zu. "Drohnen werden nur in spezifischen Fällen eingesetzt. Aber der technische Fortschritt in dem Feld in den letzten Jahren ist wahnsinnig schnell und beeindruckend. Wir haben nur die Spitze des Eisbergs gesehen."

Trippelschritte

Auf diesen schnellen technischen Fortschritt ist Pixyul offenkundig angewiesen. Denn Ville-Marie mag zwar vergleichsweise groß sein. 25 km² sind, gemessen an rund 500 Millionen km² Erdoberfläche, aber doch enttäuschend klein. Auch wenn sich die technologische Entwicklung beschleunigt: Wie wollen die beiden das schaffen, bevor sie in Rente gehen? "Das wird Zeit in Anspruch nehmen und es ist eine Herausforderung, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber es ist definitiv machbar", sagt Pharand. Für einen großen Teil der Welt will Pixyul sich zudem die Mühe sparen: "Wir werden prozedurale Methoden einsetzen, um die Ozeane zu erstellen." Das sind immerhin 71 Prozent des Planeten. Auch "die Arktis, Antarktis, Wüsten und Wälder" wollen die beiden nicht detailliert einscannen, sondern automatisch generieren.

Reroll – Brick 1
Reroll – Brick 1 (01:47)

Das Innere von Gebäuden soll ebenfalls nicht erfasst werden. Stattdessen siedelt Pixyul hier wichtige Spielelemente an, die in Handarbeit entstehen. "Wir haben Gebäudedesigns erstellt, die man als eine Art Dungeon im Koop-Modus mit Freunden plündern kann."

Wie und wann Pixyul fertig werden will mit seiner Mammutaufgabe, bleibt trotz dieser Antworten unklar, selbst wenn sie alle genannten Möglichkeiten ausschöpfen sollten – also das Studio erweitern, neben Fluggenehmigungen zusätzlich Geodaten einholen und wenn sie die Welt aus selbstgemachten, aus bereits verfügbaren, aus prozedural erstellten und tatsächlich eingescannten Bausteinen zusammensetzen sollten. Ein Zeitplan jenseits von Brick 1 ist jedenfalls noch nicht angekündigt.

Gründe für den Größenwahn

Pixyul empfängt seine Skeptiker immerhin mit offenen Armen. Die Entwickler räumen offen ein, dass sie auch scheitern könnten. Und sie glauben eisern an den besonderen Nutzen ihres Projekts: "Die Realität ist besser als klassische Level, wenn man das ganze Spiel konsequent darauf aufbaut. Was in anderen Spielen nur langweilige Oberfläche ist, kann man bei uns sinnvoll nutzen."

Auch von den vielen postapokalyptischen Survival-Spielen wollen sich die beiden mit ihrem Spiel sichtbar unterscheiden. "Die Welt bei uns ist nicht zerstört und grau, die Ereignisse sind gerade erst passiert. Und es ist eher ein Action-Rollenspiel in der Gegenwart als ein typischer postapokalyptischer Titel. Davon gibt es nicht so viele auf dem Markt." Vielleicht kommt also wenigstens ein interessantes Action-Rollenspiel auf uns zu. Auch wenn es auf absehbare Zeit nur kleine Puzzlestücke der Welt zeigt.


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