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Googles Pixel XL im Test: Ein kostspieliger Assistent

Mit dem Pixel und dem Pixel XL hat Google erstmals Smartphones komplett unter eigenem Namen auf den Markt gebracht. Der Preis der Geräte ist – verglichen mit der Konkurrenz – zu hoch, wie Golem.de beim Test des großen Modells festgestellt hat.
/ Tobias Költzsch
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Das Google Pixel XL in freier Laufbahn (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das Google Pixel XL in freier Laufbahn Bild: Martin Wolf/Golem.de

Mit den neuen Pixel-Smartphones hat Google das Konzept des Tablets Pixel C auf Telefone übertragen: Anders als bei der Nexus-Serie hat das Unternehmen die Geräte komplett selbst entwickelt und dabei auf einen Hardwarepartner verzichtet. HTC hat die Geräte anschließend als klassischer OEM ohne Mitspracherecht gebaut.

Google Pixel XL – Test
Google Pixel XL – Test (02:16)

Herausgekommen sind das Pixel mit 5 Zoll großem Display und das Pixel XL, das einen 5,5 Zoll großen Bildschirm hat. Überrascht hat Google bei der Vorstellung mit dem Preis der Geräte – das kleine Modell kostet 760 Euro und 870 Euro, die XL-Variante 900 Euro beziehungsweise 1.010 Euro. Dafür bekommt der Nutzer Geräte mit Hardware im Oberklassebereich, die zudem aktuell noch exklusiv den Google Assistant installiert haben.

So teuer waren Smartphones von Google bisher jedoch noch nie. Ob das gerechtfertigt ist, hat sich Golem.de bei einem Pixel XL angeschaut; am Ende des Tests bleiben Zweifel daran, ob Googles neue Strategie erfolgreich sein wird.

Wuchtiges Design-Element aus Glas

Das Pixel XL fällt beim Auspacken sofort aufgrund der relativ großen Glasfläche auf der Rückseite auf. Bereits das Nexus 6P hatte einen Glasstreifen im oberen Bereich, wo die Kamera sitzt; beim Pixel XL hingegen nimmt der Glasbereich das gesamte obere Drittel der Rückseite ein und reicht von der Kamera bis unterhalb des kreisförmigen Fingerabdrucksensors.

Bei unserem dunkelgrauen Modell ist der Glasbereich ebenfalls grau. Derartige Designkapriolen sind immer Geschmackssache, uns gefällt die Glasfläche nicht. Obgleich die Übergänge zum Metallgehäuse sehr gut verarbeitet sind, empfinden wir das Glas als eher unangenehme Unterbrechung der matten Metallrückseite des Smartphones – unangenehm sowohl für das Auge als auch von der Haptik. Positiv ist, dass die Kamera nicht aus dem Gehäuse ragt.

Die Rückseite des Pixel XL ist an den Rändern angenehm abgerundet, an der Oberseite gibt es eine deutlichere Fräsung. Das Smartphone liegt mit 7,8 mm Dicke angenehm in der Hand, wirkt aber am Rand etwas massiver als etwa ein Oneplus Three. Unten auf der Rückseite ist ein dunkelgrauer Kunststoffstreifen für die Antenne eingelassen, vom oberen sieht der Nutzer aufgrund des Glaseinsatzes nicht viel.

Design insgesamt eher unspektakulär

Insgesamt finden wir, dass das Pixel XL gut in der Hand liegt und sehr hochwertig verarbeitet ist. Der Glaseinsatz auf der Rückseite gefällt uns nicht, die breiten Außenkanten führen zudem zu einem etwas plumperen Aussehen, als es etwa das Oneplus Three oder auch das Nexus 6P haben. Einen Designpreis wird Googles erstes eigenes Smartphone wahrscheinlich nicht gewinnen.

Hervorragendes hochauflösendes Display

Das Display des Pixel XL hat eine Diagonale von 5,5 Zoll und löst mit 2.560 x 1.440 Pixeln auf. Das ergibt eine hohe Pixeldichte von 534 ppi, was zu sehr scharf dargestellten Bildschirminhalten führt. Die Farben des blickwinkelstabilen Bildschirms werden nicht zu intensiv wiedergegeben, obwohl es sich um ein OLED-Display handelt.


Verglichen mit den Displays des iPhone 7 und 7 Plus – mit die aktuell besten von der Gesamtdarstellung her – wirkt das des Pixel XL weniger warm, erreicht aber den gleichen Eindruck von bedrucktem Papier: Bildschirminhalte, besonders Texte, wirken aufgrund der Schärfe und des Kontrastes stellenweise wie die Seite eines Magazins.

Insgesamt gefällt uns das Display des Pixel XL sehr gut, sowohl was die Schärfe betrifft als auch hinsichtlich der Farbwiedergabe. Mit einer durchschnittlichen maximalen Helligkeit von 394 cd/qm ist der Bildschirm auch hell genug, um auch bei Sonnenschein die Inhalte erkennbar darzustellen.

Neue Kamera macht gute Fotos

Auf der Rückseite ist eine 12,3-Megapixel-Kamera mit Dual-LED-Fotolicht eingebaut. Dank einer Kombination aus Phasenvergleichsfokus und Laser-Fokus stellt das Pixel XL sehr schnell scharf – von der Geschwindigkeit sehen wir kaum einen Unterschied zum Galaxy S7 mit der bisher am schnellsten fokussierenden Smartphone-Kamera. Die Anfangsblende ist mit f/2.0 recht groß, die Pixel haben eine Diagonale von 1,55 µm, was Aufnahmen in dunkleren Umgebungen zugutekommt.

Hier schneidet das Pixel XL besser als das Nexus 6P und auch besser als das iPhone 7 Plus ab: Die Bilder wirken schärfer und haben weniger Bildrauschen und Artefakte. An die Qualität des Galaxy S7 von Samsung kommt das Pixel XL bei Innenraumaufnahmen aber nicht heran.

Bei Tageslichtaufnahmen ähneln sich die Bilder des Pixel XL und des Nexus 6P von der Schärfe und den Artefakten her; die Kamera des Pixel XL macht die leicht besseren Bilder, vor allem liegt sie beim Weißabgleich weniger daneben als die Kamera des Vorgängermodells. Das iPhone 7 Plus macht verglichen mit dem Pixel XL die weitaus unschärferen und flaueren Aufnahmen, die qualitativ nicht mithalten können. Mit dem Galaxy S7 gemachte Tageslichtaufnahmen haben weniger Bildrauschen und Artefakte, wirken dafür in den Details allerdings etwas weniger scharf.

Frontkamera mit 8 Megapixeln

Die Frontkamera des Pixel XL hat 8 Megapixel und macht qualitativ gute Bilder. Auch hier setzt Google größere Pixel ein, um mehr Licht einzufangen – sie sind 1,4 µm groß. Die Anfangsblende ist mit f/2,4 allerdings kleiner als die der Hauptkamera. Videos macht die Hauptkamera des Pixel XL in maximal 4K mit einer Bildwiederholungsfrequenz von 30 Bildern pro Sekunde. Zeitlupenaufnahmen lassen sich in Full-HD und 120 Bildern pro Sekunde oder HD und 240 Bildern pro Sekunde anfertigen. Für Videoaufnahmen gibt es eine Stabilisierung, die offenbar elektronisch arbeitet. Die Frontkamera kann Full-HD-Videos aufnehmen.

Insgesamt gefällt uns die Kamera des Pixel XL sehr gut, sie stellt besonders bei Aufnahmen in dunkleren Bereichen eine Verbesserung verglichen mit der des Nexus 6P dar. Besonders gut gefällt uns der sehr schnelle Autofokus, der auf dem gleichen Level wie der des Galaxy S7 liegt. Die Bildqualität stellt einen guten Kompromiss aus Schärfe und Lichtempfindlichkeit dar – ein Trend, der in diesem Jahr verbreitet ist.

Google traut sich nicht an Project Tango heran

Trotz der guten Kameraausstattung finden wir einen Punkt etwas verwunderlich: Das Pixel XL ist zusammen mit dem kleineren Pixel Googles erstes komplett in Eigenregie gebautes Smartphone. Entsprechend könnte man annehmen, dass das Unternehmen zeigen möchte, was aktuell technisch möglich ist; dass vor diesem Hintergrund kein Project-Tango-Kamerasystem eingebaut ist, können wir nicht recht verstehen.


Lenovo schafft es hingegen voraussichtlich noch vor Weihnachten 2016, sein Smartphone Phab 2 Pro mit Project-Tango-Kamera in den Handel zu bringen. Ein erstes Google-Smartphone mit Project Tango wäre ein Zeichen von Google gewesen, das der Verbreitung der Technik sicherlich geholfen hätte.

Fingerabdrucksensor ist etwas langsam

Unterhalb der rückseitigen Kamera ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut, den Google mit "Pixel Imprint" bezeichnet. Dieser entsperrt das Smartphone und ermöglicht zusätzlich noch, die Benachrichtigungsleiste mit einem Wisch nach unten über den Sensor zu öffnen. Das ist aufgrund der Größe des Pixel XL hilfreich, andere Hersteller bieten das bei ihren großen Smartphones ebenfalls an, beispielsweise Huawei. Verglichen mit anderen Fingerabdrucksensoren ist der des Pixel XL langsamer: Das iPhone 7, Galaxy S7 oder auch das P9 von Huawei erkennen unsere Finger schneller.

Enttäuscht waren wir vom einzelnen Lautsprecher des Pixel XL. Er klingt etwas dünn, die Bässe sind kaum wahrnehmbar, zudem ist die maximale Lautstärke nicht sonderlich hoch. Andere Hersteller schaffen es mittlerweile, auch mit nur einem Lautsprecher einen weitaus besseren Klang zu erreichen, geschweige denn mit zweien.

Android 7.1 mit Google Assistant

Ausgeliefert wird das Pixel XL mit Android in der neuen Version 7.1; die Vorversion 7.0 hatte Golem.de bereits ausführlich getestet. Aufgrund des verwendeten Linux-Kernels 3.18 wird das Pixel XL maximal zwei Jahre lang Updates erhalten plus ein zusätzliches Jahr Sicherheitspatches. Wer sich das Pixel oder das Pixel XL bei der Telekom kauft , bekommt die Updates verspätet, zudem ist der Bootloader nicht entsperrbar.

Der neue Sprachassistent Google Assistent wird exklusiv auf den Pixel-Smartphones installiert. Er ist erreichbar, indem wir lange auf die Home-Taste drücken oder ihn mit dem Sprachbefehl "OK Google" aufrufen. Er ersetzt die Now-on-Tap-Funktion. Deren Ergebnisse werden weiterhin angezeigt, unterhalb des Eingabefeldes des aufgerufenen Assistenten.

Google Assistant kann auf Englisch mehr

Der Google Assistant ist momentan in den Sprachen Deutsch und Englisch verfügbar, wobei es Unterschiede zwischen den beiden Sprachversionen gibt: Die englische kann in unseren Tests mehr. Das betrifft sowohl den Umfang der Aufgaben, die der Assistent erledigen kann, als auch die kontextuellen Nachfragen.


So können wir uns beispielsweise vom englischen Assistenten gezielt Fotos anzeigen lassen, die wir zu einer bestimmten Zeit an bestimmten Orten gemacht haben, ebenso Fotos von bestimmten Motiven. Das setzt voraus, dass Nutzer ihre Fotos über Google Fotos synchronisieren; die Bilder werden dann von einem Deep-Learning-Algorithmus analysiert und automatisch kategorisiert.

Die Synchronisation von Bildern und Videos mit Googles eigenem Fotodienst erfolgt beim Pixel XL übrigens in unveränderter Originalgröße. Generell ist es über die Google-Fotos-App auch auf anderen Smartphones möglich, seine Fotos ohne Anrechnung auf das Google-Drive-Speichervolumen synchronisieren zu lassen: Ist die Auflösung unter 16 Megapixel, verkleinert Google die Fotos automatisch, verspricht aber immer noch eine hohe Qualität. Mit dem Pixel XL aufgenommene Bilder werden ohne Verkleinerung oder Optimierung gespeichert, ohne dass sich dies auf das Speichervolumen auswirkt.

Bilder aus Florida gibt es nicht auf Deutsch

Fragen wir den englischen Assistenten nach Bildern aus Florida von diesem Jahr, wird uns eine Auswahl angezeigt. Weitere Bilder gibt es, nachdem wir einen Link zur Fotos-App anklicken. Fragen wir nach Bildern von Chase, dem Bürohund, erscheinen auch diese zuverlässig. Anders sieht es aus, wenn wir den Google Assistant auf Deutsch eingestellt haben: Dann findet der Helfer überhaupt keine Fotos oder sucht wahllos welche aus dem Internet heraus.

Auch andere Sprachbefehle versteht der Assistent auf Englisch deutlich besser beziehungsweise sind sie auf Englisch überhaupt erst möglich. Die Aufforderung "Zeige mir italienische Restaurants im Umkreis von 2 Kilometern!" versteht der deutsche Google Assistant nicht, der englische hingegen schon. Beim deutschsprachigen Assistenten sind wir mit dem Sprachkommando "Zeige mir Restaurants!" erfolgreich. Die kontextuell gestellte Nachfrage danach, wie wir zum nächstgelegenen Restaurant kommen, verstehen beide Sprachversionen gut.

Zu den weiteren möglichen Sprachbefehlen gehören Fragen nach Terminen, nach Sportereignissen, dem Wetter oder allgemeinen Fakten – Dinge, die Google Now ebenfalls beherrscht. Auch ein Timer lässt sich über den Assistenten stellen, ebenso lassen sich Apps starten oder Erinnerungen anlegen. Zudem können E-Mails, SMS oder auch Whatsapp-Nachrichten mit Hilfe des Assistenten diktiert und versendet werden.

Tägliches Briefing – auch nur auf Englisch

Der englische Assistent bietet anders als der deutsche eine Daily-Briefing-Funktion: Begrüßen wir ihn mit "Good morning", erhalten wir Informationen zum Wetter und zu den Terminen des Tages. Am Ende wird, so wir es wünschen, noch eine ungefähr fünfminütige Nachrichtensendung aus dem Radio abgespielt. Hier können wir die Quelle wählen oder das Resümee auch abstellen. Auf Deutsch fällt die Reaktion deutlich knapper aus: "Was kann ich für dich tun?"

Für die Daily-Briefing-Funktion gibt es im Einstellungsmenü des Assistenten einen extra Unterpunkt, der nicht auftaucht, wenn der Helfer auf Deutsch eingestellt ist. Hier können Nutzer einstellen, welche Informationen sie bekommen wollen und mit welchen Radionachrichten das Briefing beendet werden soll. Gut auf Deutsch funktionieren Anfragen zu aktuellen Nachrichtenthemen. Dazu genügt es, das Kommando "Nachrichten" gefolgt vom gewünschten Schlagwort einzugeben. Die aktuellen Schlagzeilen verschiedener Internetseiten werden dann mit Bildern angezeigt.

Insgesamt macht die englischsprachige Version des Google Assistant dank zahlreicher Funktionen einen ausgereifteren Eindruck. Auf Englisch versteht der Assistent schlicht mehr, zudem kann er auf mehr Informationen wie etwa die Fotos zugreifen. Vom Helfer, mit dem man sich unterhalten kann, ist aber auch diese Version noch etwas entfernt.

Allo-Assistent ist klüger als der des Pixels

Für uns etwas überraschend ist der Umstand, dass der in Googles Messenger Allo integrierte Assistent besser funktioniert als der des Pixel XL. Tippen wir hier im Chat mit dem Assistenten-Bot beispielsweise den Satz "I want to eat pizza" ein, bekommen wir entsprechende Vorschläge verschiedener Pizzerien. Der vorinstallierte Assistant versteht diese Formulierung nicht. Auch kann der Allo-Assistant E-Mails auf Nachfrage anzeigen – der Sprachassistent des Pixel XL hingegen nicht.

Obwohl der Google Assistent auf dem Pixel XL bereits eine Menge kann, kommt uns besonders die deutsche Version noch sehr unfertig vor. Verglichen mit dem Allo-Assistant, der nur auf Text, nicht aber auf Spracheingaben reagiert, scheint es, als ob Google bei beiden Sprachversionen zum Start der Pixel-Smartphones schlicht nicht fertig geworden ist – anders können wir uns nicht erklären, warum der Assistent unter Allo inhaltlich mehr kann als auf dem Pixel XL.

Wollen Nutzer auf der Straße mit ihrem Smartphone sprechen?

Grundsätzlich fragen wir uns, ob sich der Google Assistant überhaupt auf einem Smartphone durchsetzen wird. Siri und die bisherige Google-Now-Spracheingabe scheitern im Alltag häufiger daran, dass Nutzer schlicht nicht in der Öffentlichkeit mit ihrem Smartphone sprechen wollen. Einfache Suchanfragen oder der Versand von Nachrichten können beim neuen Google Assistant zwar auch eingetippt werden, dann kann der Nutzer aber auch gleich den direkten Weg über den Browser und Whatsapp gehen.

Der Google Assistant kann mehr als Siri und sein Vorgänger und soll dank Deep Learning im Laufe der Zeit intelligenter werden. Wir können uns den Helfer aber eher auf einem Gerät vorstellen, das zu Hause steht – wie es Google mit Home plant – und nicht auf einem Smartphone, mit dem man nicht unbedingt auf der Straße sprechen möchte. Praktisch stellen wir uns den Assistenten hingegen im Auto vor – wenn es jedoch um die reine Routenplanung per Spracheingabe geht, ist diese auch ohne den Assistenten problemlos möglich.

Der Mehrwert, den der Google Assistant gegenüber anderen Android-Smartphones bringt, ist für uns nicht allzu hoch. Wer unbedingt den Google Assistant benutzen möchte, kann dies auf jedem beliebigen Android-Smartphone tun, indem er Allo installiert. Hier funktioniert der Bot sowohl über die Eingabe per Text als auch per Spracheingabe – aktuell allerdings nur auf Englisch, die deutsche Version soll aber noch folgen. Der Google Assistant auf dem Pixel XL überzeugt uns aktuell noch nicht, das Smartphone zu kaufen.

Schneller Snapdragon 821 und 4 GByte Arbeitsspeicher

Im Inneren des Pixel XL arbeitet Qualcomms Snapdragon-821-Prozessor mit vier Kernen und einer maximalen Taktrate von 2,15 GHz. Der Arbeitsspeicher ist 4 GByte groß, damit lässt sich das Smartphone flüssig bedienen. Auch rechenintensive Apps laufen ohne Probleme auf dem Gerät. Die Benchmark-Tests spiegeln dies wider: Im Geräte-Benchmark Geekbench 3 erreicht das Pixel XL einen Single-Wert von 2.263 Punkten, im Geekbench 4 sind es 1.544 Zähler. Das entspricht dem Leistungsstand anderer Smartphones mit vergleichbarem Prozessor und liegt am oberen Rand des aktuellen Leistungsspektrums bei Android-Smartphones.

In Futuremarks 3DMark schafft das Pixel XL 27.991 Punkte, was noch einmal über 1.000 Zähler mehr als beim Galaxy Note 7 sind, jedoch 700 Punkte weniger, als es das Axon 7 von ZTE schafft. Im Grafik-Benchmark GFX Bench schafft das Google-Smartphone im Manhattan-Test einen Offscreen-Wert von 47 fps – das ist vergleichbar mit dem Oneplus Three und 7 fps mehr als beim Galaxy Note 7. Im anspruchsvolleren Car-Chase-Test schafft das Pixel XL offscreen 19 fps – einen fps mehr als das Oneplus Three und 4 fps mehr als das Galaxy Note 7.

Der eingebaute Flashspeicher ist wahlweise nur 32 GByte oder 128 GByte groß, einen Steckplatz für Micro-SD-Karten gibt es nicht. Das ist besonders bei der 32-GByte-Version ärgerlich, trotz unbegrenzter Speichermöglichkeit für Fotos und selbst aufgenommene Videos. Wer sich das kleine Modell des Pixel XL kauft und etwa eine umfangreiche Musiksammlung auf das Gerät kopieren möchte, dürfte schnell Platzprobleme bekommen.

Das Pixel XL unterstützt LTE und WLAN nach 802.11ac mit Mimo. Bluetooth läuft in der Version 4.2, ein GPS-Empfänger mit Glonass-Unterstützung und ein NFC-Chip sind eingebaut. Der USB-C-Anschluss am unteren Rand unterstützt USB 3.0.

Lange Akkulaufzeit

Der nicht ohne weiteres wechselbare Akku hat eine Nennladung von 3.450 mAh. Einen 1080p-Film können wir damit elf Stunden lang anschauen – ein sehr guter Wert. Bei alltäglicher Nutzung mit Surfen, Youtube, dem Abrufen von E-Mails und Chatten kommen wir mit dem Pixel XL problemlos auf eine Laufzeit von anderthalb Tagen.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Pixel XL kostet in der 32-GByte-Version 900 Euro, mit 128 GByte Speicher 1.010 Euro. Damit verlangt Google für sein neues Smartphone die gleichen Preise wie Apple für die 32- und 128-GByte-Version des iPhone 7 Plus. Das ebenbürtige Galaxy S7 Edge mit 32 GByte Speicher kostet bei Samsung direkt 800 Euro, im Onlinehandel ist das Gerät bereits für unter 600 Euro zu bekommen – also für 300 Euro weniger.

Fazit

Das Pixel XL ist ein sehr gut verarbeitetes, leistungsfähiges Smartphone mit einem tollen Display, einer guten Kamera und flüssig laufendem Betriebssystem. Es erscheint direkt mit der neuen Android-Version 7.1 und Googles neuem Sprachassistenten.


Der Google Assistant hat uns im Test von den Grundzügen her gut gefallen, auch wenn er eigenartigerweise noch nicht so viel kann wie sein textbasiertes Allo-Pendant. Auch bleibt die deutschsprachige Version von den Funktionen her hinter der englischen zurück. Ein Kaufgrund ist er für uns nicht.

Am Ende fehlt uns beim Pixel XL das entscheidende Argument, das den hohen Preis rechtfertigt. Sicher, die Kamera ist gut – aber nicht um Welten besser als die des Nexus 6P oder des Samsung Galaxy S7. Auch das Display ist sehr gut, jedoch gibt es auch hier günstigere Konkurrenzgeräte mit guten Bildschirmen – etwa wieder das Galaxy S7. 900 Euro für ein 5,5-Zoll-Gerät mit 32 GByte Speicher, ohne Speicherkartensteckplatz und "nur" Hardware im Topbereich ohne besonderes Extra halten wir schlicht für den Konsumenten nicht vernünftig erklärbar.

Nehmen wir das iPhone 7 Plus als Konkurrenzgerät mit 5,5 Zoll großem Display zum Vergleich: Käufer erhalten hier für das gleiche Geld Hardware-Extras wie eine Dual-Kamera, einen 3D-Touch-Bildschirm und die Taptic Engine. Die Frage ist weniger, ob manche Käufer diese Funktionen wirklich brauchen: Für uns entscheidend ist, dass es sie gibt, für den gleichen Preis wie beim Pixel XL. Letzteres ist durchweg mit Standardhardware gebaut, wenngleich auch mit sehr guter – diese bekommen aber Käufer des weitaus günstigeren Galaxy S7 Edge auch.

Googles aktuelle Konkurrenz ist schlicht zu gut und – gemessen am Preis des Pixel XL – zu günstig. Als attraktivste Hauptkonkurrenten sehen wir das bereits erwähnte Galaxy S7 Edge von Samsung oder auch das HTC 10 , das nur noch unter 550 Euro kostet. Google hat die Nexus-Serie abgeschafft, um Platz für eine eigene Smartphone-Serie zu schaffen. Leider mangelt es an echten Innovationen – etwa einer Projekt-Tango-Kamera. So ist das Pixel XL ein sehr gutes, aber auch aus der Konkurrenz nicht so weit herausragendes Smartphone, wie man es beim verlangten Preis erwarten würde.


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