Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Pixel Tablet im Test: Googles verpasste Tablet-Chance

Das Pixel Tablet soll sich vor allem zu Hause gut nutzen lassen. Im Test stellen wir uns aber die Frage: Geht Googles Strategie wirklich auf?
/ Tobias Költzsch
22 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das Pixel Tablet in der Docking-Station (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Das Pixel Tablet in der Docking-Station Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Es hat einige Jahre gedauert, bis Google nach der Einstellung des Pixel Slate wieder ein Tablet vorgestellt hat: Das Pixel Tablet ist ab heute erhältlich und geht einen anderen Weg als das Slate. Es war mit seiner Tastatur als Notebook-Ersatz gedacht, während das Pixel Tablet vor allem zu Hause genutzt werden soll.

Hervorgehoben wird dieser Umstand dadurch, dass Google direkt einen Lautsprecher-Dock mit dem Pixel Tablet liefert. Golem.de hat sich die Kombination, die in Deutschland ab 680 Euro kostet, angeschaut und festgestellt, dass wir nicht recht schlau werden aus Googles Ansatz. Das liegt vor allem daran, dass an einigen Stellen sinnvolle Funktionen weggelassen wurden.

Das Pixel Tablet hat einen 10,9 Zoll großen LC-Bildschirm mit einer Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixeln, was eine gute Schärfe ergibt. Das Display unterstützt keine höheren Bildraten als 60 Hz, was wir schade finden. Entsprechend ist das Scrollen unruhiger als bei einem Display mit höherer Bildwiederholfrequenz.

Display mit schwachem HDR-Effekt und guten Farben

Die Helligkeit gibt Google mit 500 cd/m² an, bei hellem Tageslicht reicht das noch aus, um Inhalte erkennen zu können. Schauen wir aber etwa düstere Filme, lassen sich Details nicht mehr gut erkennen. Der HDR-Effekt ist eher schwach ausgeprägt und vor allem bei hellem Umgebungslicht kaum auszumachen.

Farben zeigt das Display natürlich an, das gefällt uns. Bei adaptiver Farbeinstellung passt sich die Bildschirmtemperatur dem Umgebungslicht an, was besonders bei künstlicher Beleuchtung angenehm ist. Bezüglich der Blickwinkelstabilität ist der Bildschirm ok, wenngleich nicht so gut wie ein OLED-Display. Insgesamt ist der Bildschirm des Pixel Tablet gut, aber nicht auf dem Niveau eines Top-Displays.

Als SoC verwendet Google den Tensor G2, der auch in der Pixel-7-Reihe zum Einsatz kommt. Entsprechend kommt das Pixel Tablet wenig überraschend auf vergleichbare Leistungswerte. Der Tensor G2 gehört nicht zu den schnellsten SoCs, ist aber auch für leistungshungrige Anwendungen immer noch mehr als schnell genug. Das System funktioniert in unserem Test stets flüssig.

Reklame

Google Pixel Tablet mit Ladedock mit Lautsprecher - 128 GB - Hazel

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Google hat dem Pixel Tablet eine Kamera auf der Vorderseite und eine auf der Rückseite spendiert. Die Frontkamera hat 8 Megapixel, für Videotelefonie ist das ausreichend. Die Kamera auf der Rückseite hat ebenfalls 8 Megapixel und einen Fixfokus. Für Schnappschüsse ist sie noch brauchbar, wir würden damit eher Dokumente einscannen.

Trotz Frontkamera hat das Pixel Tablet keine Gesichtserkennung. Wer das Tablet biometrisch entsperren will, kann den im Einschaltbutton verbauten Fingerabdrucksensor verwenden. Der funktioniert zuverlässig und schnell; angesichts der bündig mit dem Gehäuse abschließenden Schaltfläche und der symmetrischen Form des Tablets kommt es aber nicht selten vor, dass wir den Button nicht beim ersten Mal finden.

Gute eingebaute Lautsprecher, noch besserer Dock-Speaker

Ein Tablet dient vielen Nutzern als Unterhaltungsapparat, entsprechend wichtig ist der Sound. Das Pixel Tablet hat vier eingebaute Lautsprecher, die einen guten und ausgewogenen Klang produzieren. Die Bässe sind wahrnehmbar, doch nicht besonders prägnant. Halten wir das Tablet beim Videoschauen im Querformat, kommt es häufiger vor, dass wir die unteren beiden Speaker mit unseren Handinnenflächen verdecken.

Einen wesentlich besseren Klang erhalten wir, wenn wir das Pixel Tablet zusammen mit dem mitgelieferten Dock verwenden. Es hat einen einzelnen Breitbandlautsprecher mit 43,5 mm Durchmesser und liefert einen guten Klang. Der Lautsprecher im Dock wird zwar nicht wirklich laut, verzerrt dafür aber auch nicht.

Das Pixel Tablet wird magnetisch im Dock gehalten, die Verbindung erfolgt sofort. Spielen wir ein Lied auf dem Tablet ab, wird es nach dem Andocken direkt auf dem Dock-Lautsprecher abgespielt. Praktisch ist das Dock, wenn wir ein Videotelefonat durchführen: Der Klang ist gut, zudem können wir mithilfe der magnetischen Halterung bequem vor dem Tablet sitzen.

Dock hat keinen USB-Ladeanschluss

Geladen wird das Gerät auf der Station mit 15 Watt, ein Netzteil liegt bei. Alternativ kann das Tablet auch einfach über ein USB-Kabel geladen werden. Unverständlicherweise verwendet Google beim Netzteil für das Dock einen runden Stecker, der nicht in den USB-C-Anschluss des Tablets passt. Um das Tablet zu laden, brauchen wir ein separates Kabel und Netzteil. Kundenfreundlicher wäre es gewesen, das Netzteil gleich mit einem passenden Stecker auszustatten, damit Nutzer wählen können und sich beim direkten Aufladen am Tablet nicht extra ein zweites Ladegerät samt Kabel besorgen zu müssen.

Die Docking-Station soll das Pixel Tablet besser zu Hause nutzbar machen. Die Grundidee ist nicht verkehrt: Viele Nutzer scheinen ihr Tablet hauptsächlich zu Hause zu verwenden, und da ist ein Ablage- und Ladeort eine gute Idee. Zudem kann das Pixel Tablet im Dock so eingestellt werden, dass alle Bewohner es per Sprachsteuerung als Google Assistant verwenden und so das heimische Smart Home steuern können, was auch direkt auf dem Display geht.

Reklame

Google Pixel Tablet mit Ladedock mit Lautsprecher - 128 GB - Hazel

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Das Pixel Tablet ist so voreingestellt, dass es einen Bildschirmschoner anzeigt, wenn es im Dock ist. Es gibt verschiedene Designs, die in den Einstellungen für den Hub-Modus ausgewählt werden können. Möglich sind unter anderem ein detaillierter Wetterbericht oder eine Slideshow aus eigenen Fotos. Im Dunkeln wechselt das Pixel Tablet im Dock automatisch in eine Art Standby-Modus, die nur noch die Zeit auf einem schwarzen Display anzeigt. Auf einem Nachttisch funktioniert die Tablet-Dock-Kombination für uns trotzdem nicht.

Das liegt an der verwendeten Displaytechnologie: Der LC-Bildschirm des Pixel Tablet verwendet, anders als ein OLED-Display, auch bei schwarzem Hintergrund eine Hintergrundbeleuchtung. Diese reicht aus, um ein komplett abgedunkeltes Zimmer stark zu erhellen, so dass es uns nachts stört. Leider bietet der Hub-Modus anders als das Pixel Dock für Pixel-Smartphones nicht die Möglichkeit, das Display automatisch in dunklen Umgebungen auszuschalten.

Wir können nur manuell den Bildschirmschoner ausschalten, damit sich das Tablet nachts im Ruhemodus befindet und das Display ausgeschaltet ist. Wollen wir am nächsten Tag die Informationen des Bildschirmschoners sehen, müssen wir den manuell wieder einschalten. Das finden wir unnötig umständlich.

Lautsprecher-Dock ohne Tablet nutzlos

Das Pixel Tablet kann im Dock auch als Ziel für Google Cast genutzt werden. Ist das Tablet mit der Lautsprecherstation verbunden, erscheint es direkt in der Cast-Auflistung unserer anderen Android-Geräte im gleichen WLAN. Wir können dann Musik und Videos auf dem Pixel Tablet und den angeschlossenen Lautsprecher wiedergeben - wobei sich uns die letztgenannte Anwendung nicht erschließt: Wenn wir einen Film auf einem Tablet schauen, liegen wir lieber bequem auf einem Sofa, wir wollen das Gerät nicht auf einen Tisch stellen und darauf starren.

Sobald wir das Tablet vom Dock entfernen, können wir nichts mehr casten. Das finden wir enttäuschend, da es bedeutet, dass wir den Lautsprecher im Ladedock nur verwenden können, wenn das Pixel Tablet verbunden ist. Ist das Tablet nicht mit Hilfe der kleinen Pins mit der Ladestation verbunden, ist der Lautsprecher im Dock komplett nutzlos. Wir können den Lautsprecher ohne angeschlossenes Tablet weder per Google Cast noch Bluetooth erreichen, was wir für eine verschenkte Gelegenheit halten: Eine Nutzbarkeit des Docks als eigenständiger Lautsprecher hätte uns den Preis der Kombination vielleicht schmackhafter machen können.

Android 13 mit mediokrem Multitasking

Ausgeliefert wird das Pixel Tablet mit Android 13 und einer speziell für die Nutzung als Tablet angepassten Benutzeroberfläche. Diese beinhaltet unter anderem eine Taskleiste, die auf dem Startbildschirm immer eingeblendet ist und durch einen leichten Wisch von unten in das Display aufgerufen werden kann, wenn wir uns in einer App befinden. Auf die Taskleiste haben wir unsere am häufigsten genutzten Apps gelegt, was die Navigation erleichtert.

Auch der App-Drawer lässt sich über die Taskleiste in anderen Apps aufrufen, was praktisch ist. Drücken wir lange auf ein App-Icon der Taskleiste oder des so aufgerufenen App-Drawers, können wir es in den Bildschirm ziehen und den Splitscreenmodus aktivieren. Auf dem Pixel Tablet lassen sich zwei Apps parallel nebeneinander verwenden. Das war es dann leider auch mit dem möglichen Multitasking.

Wir können weder drei oder gar vier Apps auf dem ausreichend großen Display nutzen, noch die zwei möglichen Apps horizontal statt vertikal trennen lassen. Möglich ist es lediglich, die Trennlinie zwischen den Apps zu verschieben und so die Größe der jeweiligen Apps auf dem Bildschirm zu ändern.

Ebenfalls nicht vorgesehen ist es, eine App als freischwebendes Fenster zu öffnen. Auch eine Kompromisslösung wie die kleinen schwebenden Fenster, die man bei einem iPad am Rand öffnen kann, gibt es beim Pixel Tablet nicht. Das fänden wir vor allem bei Chat-Apps praktisch, die wir auf einem Tablet gern kurzzeitig über der App einblenden, die wir gerade benutzen.

Reklame

Google Pixel Tablet mit Ladedock mit Lautsprecher - 128 GB - Hazel

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Apple und Samsung bieten besseres Multitasking

Gut funktioniert hingegen das Kopieren von Inhalten von einem Splitscreen-Fenster in das andere. Trotzdem finden wir das Multitasking verglichen mit dem, was beispielsweise Apple und Samsung anbieten, etwas zu mickrig - eine weitere verpasste Möglichkeit bei der Software des Pixel Tablet.

Der Akku des Pixel Tablet hat eine Kapazität von 27 Wh, was Google zufolge für bis zu zwölf Stunden Videostreaming ausreichen soll. Dafür hat Google 1080p-Videos über Youtube gestreamt, die Helligkeit war fest auf 82 Prozent eingestellt. Wir können diesen Wert bestätigen, haben aufgrund der mitgelieferten Docking-Station zugegebenermaßen aber kaum auf den Akkustand geachtet.

Zwischendrin haben wir das Pixel Tablet meist einfach in das Dock statt auf einen Tisch gelegt. Dadurch wurde das Tablet häufig geladen, manchmal auch nur für ein paar Minuten. Bei ausführlicher Nutzung hat das Gerät bei uns auch ohne Laden zwischendurch zwei Tage lang problemlos durchgehalten.

Pixel Tablet: Verfügbarkeit und Fazit

Das Pixel Tablet(öffnet im neuen Fenster) kostet inklusive Lade-Dock mit 128 GByte Speicher 680 Euro. Mit 256 GByte Speicher kostet das Tablet 800 Euro. Das Tablet kann nur mit Ladestation bestellt werden.

Als Zubehör gibt es eine Schutzhülle mit ausklappbarem Metallständer für 100 Euro. Eine Hülle mit eingebauter Tastatur bietet Google nicht an.

Fazit

Googles Wiedereinstieg in das Tablet-Geschäft hinterlässt bei uns gemischte Gefühle. Einerseits finden wir es überfällig, dass Google als das prägende Unternehmen für die Entwicklung von Android wieder ein Tablet anbietet; dieser Bereich wurde zu lang vernachlässigt. Andererseits sind wir nicht sicher, was wir von dem Konzept und dessen Umsetzung halten sollen.

Die grundsätzliche Annahme, dass ein Tablet oft zu Hause verwendet wird, halten wir durchaus für gerechtfertigt. Ob daraus zwingend die Idee resultiert, den Preis des Tablets durch eine verpflichtende Dockingstation in die Höhe zu treiben, glauben wir jedoch nicht.

Wir haben eher das Gefühl, dass viele Nutzer ein Tablet zu Hause zu dem Zweck verwenden, im Bett, auf der Couch oder im Sessel Inhalte zu konsumieren. Wir hätten uns daher gewünscht, dass Google mehr Ressourcen in das Display investiert und diesem einen besseren Blickwinkel und eine höhere Bildrate gegönnt hätte.

Ein anderes Anwendungsszenario kommt bei Google überhaupt nicht vor: die Nutzung als Notebook-Ersatz. Es gibt kein Tastatur-Cover von Google, auch das Multitasking ist eher dürftig umgesetzt. Die Multitasking-Situation stört uns auch bei der nicht-produktiven Nutzung, etwa beim Videoschauen und gleichzeitigem Chatten. Hier hätten wir uns die Möglichkeit von Pop-Up-Fenstern gewünscht.

Reklame

Google Pixel Tablet mit Ladedock mit Lautsprecher - 128 GB - Hazel

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Enttäuschend finden wir vor allem, dass wir den Lautsprecher im Dock nur dann verwenden können, wenn wir das Tablet verbunden haben. Das Set hätte einen wesentlich höheren Mehrwert, wenn wir das Dock als separaten Bluetooth-Lautsprecher nutzen könnten. Dies würde vor allem den Preis einfacher zu rechtfertigen machen.

Natürlich ist die Nutzung des Pixel Tablets als Smart-Home-Zentrale praktisch, für diesen Einsatzzweck bräuchten wir das Tablet aber gar nicht. Per Spracheingabe können wir unser Smart Home auch per Android-Smartphone steuern, die Steuerung auf dem Display geht mit dem Tablet nicht schneller als auf dem Telefon.

Am Ende ist das Pixel Tablet ein ordentliches Tablet im oberen Mittelklassebereich, aus dem Google unserer Meinung nach viel mehr hätte machen können. Die Idee als Unterhaltungszentrale fürs Zuhause geht für uns nur bedingt auf. Wer ein stationäres Display für die Steuerung des Smart Home, für Videotelefonie und als Lautsprecher haben will, für den ist das Pixel Tablet interessant. Für die meisten anderen Anwendungsgebiete gibt es Alternativen, beispielsweise das iPad der 9. Generation mit 256 GByte Speicher für 630 Euro.


Relevante Themen