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Pixel 6 und Android 12: Googles halbgare Android-Update-Schummelei

Seit Jahren arbeitet Google daran, endlich so lange Updates zu liefern wie die Konkurrenz. Mit dem Pixel 6 und Android 12 enttäuscht der Konzern aber.
/ Sebastian Grüner
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Google liefert für das Pixel 6 fünf Jahre Sicherheitsupdates und drei Jahre Android-Upgrades. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Google liefert für das Pixel 6 fünf Jahre Sicherheitsupdates und drei Jahre Android-Upgrades. Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Während Apple selbst für 2015 erschienene iPhones immer noch Support anbietet, gibt es bei Google schon für das Pixel 3 von 2018 keine Android-Updates mehr. Mit dem Pixel 6 will der Konzern diese im Vergleich zur Konkurrenz schlechte Update-Politik ändern und verspricht zumindest fünf Jahre Sicherheitsupdates. Bei näherer Betrachtung bleibt Google aber weiter hinter unseren Erwartungen zurück.

Zunächst ist jedoch positiv festzuhalten, dass die versprochenen fünf Jahre Sicherheitsupdates für das gesamte Android-Ökosystem ein sehr großer Schritt nach vorn sind. Immerhin sind für das Pixel 1 (erschienen im Herbst 2016), das Pixel 2 (Herbst 2017) und das Pixel 3 (Herbst 2018) bisher maximal drei Jahre lang Updates angeboten worden. Und das gilt bei weitem auch nicht für alle Android-Geräte, die vor allem im unteren Preissegment oft deutlich weniger lang gepflegt werden.

Darüber hinaus hatte Google in Zusammenarbeit mit Qualcomm erst im vergangenen Jahr angekündigt , vier Jahre lang Sicherheitsaktualisierungen für bestimmte Android-Geräte zu verteilen. Google selbst legt also nur wenige Monate nach dieser Ankündigung noch ein Jahr Update-Garantie für seine eigenen Geräte oben drauf. Zumindest mit Blick auf die Sicherheitsupdates ist Google also annähernd bei dem angekommen, was Apple seinen iPhone-Kunden inzwischen seit einem Jahrzehnt bietet.

Kernel-Updates bleiben eine Baustelle

Möglich wird das im Fall des Pixel 6 wohl überhaupt erst dadurch, dass Google das genutzte Tensor-SoC selbst erstellt hat und den Linux-Kernel-Support damit auch selbst übernehmen kann. So läuft auf dem Pixel 6 die Linux-Version 5.10, die von der Upstream-Community noch bis Dezember 2026 gepflegt wird(öffnet im neuen Fenster) . Google selbst will passend dazu bis mindestens Oktober 2026 Sicherheitsupdates(öffnet im neuen Fenster) für das neue Smartphone anbieten und kann so von der Langzeitkernel-Pflege profitieren.

In einem Kommentar zu der zu erwartenden Kernel-Pflege des Tensor-SoC im Pixel 6 haben wir aber zuvor schon geschrieben, dass sich dies zunächst nur auf den Hauptzweig bezieht. Immerhin nutzt das Pixel 6 wegen fehlender Upstream-Treiber für die Hardware sogenannte Out-of-Tree-Treiber mit hunderttausenden Zeilen Code. Das macht nicht nur Pflege und Updates schwierig, sondern kann auch zu Sicherheitslücken führen, wie Google selbst schon schmerzhaft erfahren musste .

Schummelei bei den Versions-Updates

Die bisher hervorgehobenen und von Google selbst beworbenen fünf Jahre Updates beziehen sich zudem allein auf Sicherheitsaktualisierungen. Für das Betriebssystem Android selbst soll es zunächst nur bis mindestens Oktober 2024 Versionsupgrades geben. Das wird erst beim Blick auf die kleingedruckten Fußnoten(öffnet im neuen Fenster) oder auf Hilfeseiten klar. Gründe, warum Google dies so handhabt, statt die Upgrades über die gesamte Lebenszeit der Geräte zu liefern, nennt das Unternehmen nicht.

Dabei haben wir uns von Android 12 eigentlich mehr Möglichkeiten für Upgrades erhofft . Denn dank der neuen Apex-Pakete , über die auch die Android Runtime ausgeliefert werden kann, sollte es eigentlich auch möglich sein, das Android Framework und damit eben das für Apps wichtige Betriebssystem als Paket-Update bereitzustellen. Doch genau das macht Google nicht für die gesamte Lebensdauer des Pixel 6.

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Das ist ärgerlich für die vielen Nutzer, die sich seit Jahren Versionsupdates für ihre Geräte über einen längeren Zeitraum wünschen. Es ist zudem auch schlicht nicht mehr nachvollziehbar, immerhin ist Google beim Pixel 6 selbst für den gesamten Software-Stack zuständig und könnte entsprechend länger Updates bereitstellen. Zumindest derzeit ist Google aber nicht gewillt, dies auch so zu versprechen oder gar umzusetzen.

So zeigt das Pixel 6 wohl so gut wie nie zuvor, dass Hersteller Google den längeren Update-Zeitraum von Apple nicht ernsthaft als Konkurrenz versteht, oder dem technisch nichts entgegensetzen kann. Dem Konzern reicht es offenbar, bei dem Aspekt der Update-Garantien der Platzhirsch für sein eigenes Android-Betriebssystem zu sein. Davon profitiert am Ende nur Google, nicht aber die Käufer der Geräte oder das Android-Ökosystem.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]


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