Pixel 5 im Test: Google macht beim neuen Pixel vieles richtig
Wer sich aktuell in Deutschland ein Pixel 5 bestellen will, muss den richtigen Moment erwischen – Googles neues Smartphone ist meist nur kurz erhältlich und schnell wieder ausverkauft. Google veröffentlicht zwar keine Stückzahlen, dennoch dürfte dies durchaus ein Hinweis darauf sein, dass das Smartphone beliebt ist.
Anders als in den Vorjahren hat sich Google 2020 auf nur ein neues Modell seiner Top-Smartphone-Reihe beschränkt. Wie sich im Test von Golem.de zeigt, war das die richtige Entscheidung: Mit guter, aber preiswerterer Oberklasse-Hardware, sauberer Software, einem mittlerweile seltenen kompakten Formfaktor, dem Verzicht auf unnötigen Schnickschnack sowie einem guten Preis ist das Pixel 5 eine Alternative zu den Spec-Monstern jenseits der 1.000 Euro.
Wer zuvor eines der vielen mittlerweile recht großen am Markt verfügbaren Smartphones verwendet hat, wird angesichts der Größe des Pixel 5 überrascht sein: Mit einer Displaydiagonale von 6 Zoll und einem kompakt darum gebauten, 144,7 x 70,4 x 8 mm großen Gehäuse liegt Googles neues Smartphone sehr gut in der Hand und in der Hosentasche. Vergleichen wir das Pixel 5 mit den meisten anderen Smartphones, die wir zum Testen in der Redaktion haben, fällt das Gerät deutlich kleiner aus.
Bildrate bis 90 Hz
Die Auflösung beträgt 2.340 x 1.080 Pixel, das Seitenverhältnis ist 19,5:9. In den Optionen können wir festlegen, dass das Pixel 5 die Bildrate automatisch je nach Nutzung von 60 auf 90 Hz erhöht. Dauerhaft auf 90 Hz können wir die Bildrate nicht einstellen. Die maximale Helligkeit ist in Ordnung, wir haben aber schon Smartphones mit weitaus hellerem Display gesehen. Die Farben sind gut, zudem ist das OLED-Panel sehr blickwinkelstabil. Alles in allem liefert Google beim Pixel 5 einen sehr guten Bildschirm ab.
In der linken oberen Ecke ist die Frontkamera mit 8 Megapixeln untergebracht. Die Kamera macht dank eines wie gewohnt gut funktionierenden Porträtmodus gute Personenaufnahmen, die Auflösung reicht für unseren Geschmack aus. Neu ist eine im Bearbeitungsmodus von Google Fotos editierbare Porträtbeleuchtung, die die Stimmung von Bildern im Nachhinein durchaus dramatisch verändern kann und die auch bei Porträtaufnahmen der Hauptkamera funktioniert.

Auf der Rückseite hat das Pixel 5 wie das Pixel 4 eine Dualkamera, deren Zusammensetzung ist aber anders: Neben der gewohnten Hauptkamera mit 12,2 Megapixeln und Weitwinkelobjektiv kommt eine 16-Megapixel-Kamera mit einem Superweitwinkelobjektiv zum Einsatz. Damit hat Google den Fehler beim Pixel 4 korrigiert, als zweite Kamera ein Teleobjektiv zu verbauen. Wie bereits das Pixel 3 hat auch das Pixel 5 einen sehr guten zweifachen Digitalzoom, der eine optische Zweifachvergrößerung unnötig macht. Das Superweitwinkelobjektiv vergrößert den gestalterischen Spielraum bei Foto- und Videoaufnahmen verglichen mit dem Pixel 4 erheblich.
Google bleibt bei 12,2 Megapixeln
Das Auflösungs-Wettrennen macht Google auch beim Pixel 5 nicht mit und verzichtet auf einen Bildsensor mit 48, 64 oder gar 108 Megapixeln. Den mit derartigen Sensoren durch Pixel-Binning einhergehenden Vorteil bei der Lichterfassung macht Google auch beim Pixel 5 mit 1,4 µm großen Pixeln und guten Software-Algorithmen wett: Auch bei bewölktem Himmel sind schattige Stellen bei unseren Aufnahmen gut ausgeleuchtet, das Bildrauschen ist unauffällig.
Unter hoher Detailvergrößerung ist natürlich sichtbar, dass der Sensor des Pixel 5 weniger Schärfe liefert als ein höherauflösender Chip. Für alltägliche, meist eher leichte Vergrößerungen reicht die Auflösung aber allemal aus, in der Standardansicht auf dem Smartphone oder PC ist keine Unschärfe zu entdecken. Die Schärfe stimmt, Details sind gut sichtbar, der Weißabgleich ist korrekt und die Farbdynamik gut.
Dieser Bildeindruck ändert sich auch bei Superweitwinkelaufnahmen nicht: Auch hier stimmen Belichtung und Farben, die Verzerrungen an den Ecken halten sich in Grenzen. Die Schärfe reicht hier ebenfalls aus, um leicht zu vergrößern. Wollen wir bei der Aufnahme etwas zoomen, können wir dies einfach über den Digitalzoom machen: Eine zweifache Vergrößerung ist noch scharf genug, selbst eine 4,5-fache Vergrößerung ist brauchbar.
Nachtaufnahmemodus mit Sternenoption
Mit an Bord ist wieder Googles Nachtaufnahmemodus, der auch beim Pixel 5 für gut belichtete Aufnahmen bei schwierigen Lichtverhältnissen sorgt. Neben dem Standardmodus gibt es wieder die Möglichkeit, den Sternenhimmel zu fotografieren. Dafür benötigen Nutzer ein Stativ, da die Belichtungszeit mitunter vier Minuten lang ist. Die Ergebnisse überzeugen: Selbst im lichtverseuchten Berlin können wir einige Sterne ablichten. Den Nachtmodus hat Google beim Pixel 5 auch auf Porträts ausgeweitet.
Videos nimmt das Pixel 5 in maximal 4K und 60 fps auf. Interessant sind die neuen, Pixel-exklusiven Stabilisierungsmodi: Mit der Kinoeffekt-Stabilisierung können wir epische Schwenks aufnehmen, wie man sie aus manchen Filmen kennt. Dafür wird die Aufnahme mit hoher Framerate gemacht und anschließend bei halber Geschwindigkeit abgespielt. Zusammen mit der Stabilisierung ergibt das cineastisch wirkende Schwenks – auf Ton müssen Nutzer hierbei allerdings verzichten.
Interessant ist auch der Gesperrt-Modus: Hierbei hält das Pixel 5 den gewählten Bildausschnitt während der Aufnahme wie ein Standbild stabil. Das eignet sich für Aufnahmen, in denen Nutzer die Kamera nicht bewegen wollen, sondern eine Szene möglichst ruhig aufnehmen möchten. Die Aktiv-Stabilisierung ist hingegen das genaue Gegenteil: Dieser Modus eignet sich für Aufnahmen mit vielen, teilweise auch ruckartigen Bewegungen und bietet entsprechend einen sehr hohen Stabilisierungsgrad. Google erreicht das, indem für die Videoaufnahmen die Superweitwinkelkamera verwendet wird, was für einen entsprechend großen Bildwinkel sorgt, um für die Stabilisierung zu croppen.
Insgesamt hat Google beim Pixel 5 eine gute Kamera verbaut. Die Hauptkamera bietet qualitativ zwar nicht viel Neues, behält die gute Bildqualität des Pixel 4 allerdings bei – was alles andere als schlecht ist. Das Superweitwinkelobjektiv bringt dem Pixel 5 die Variabilität, die dem Pixel 4 gefehlt hat. Der Austausch des Teleobjektivs ist eine der wichtigsten Neuerungen beim Pixel 5, die Nutzer schätzen dürften. Gut gefallen uns auch die Stabilisierungsoptionen bei der Videoaufnahme und die neue Porträtbeleuchtung.
Sinnvolle Hardware für einen guten Preis
Beim Blick auf die Frontkamera fällt auf, dass das Pixel 5 anders als noch das Pixel 4 keine große Notch mehr hat. Grund dafür ist unter anderem, dass Google den Motion-Sense-Sensor ersatzlos gestrichen hat. Im Gespräch mit Golem.de erklärte Google, dass man weiterhin von der Gestensteuerung überzeugt sei, beim Pixel 5 aber auch aus Kostengründen darauf verzichtet habe. Das schließe allerdings nicht aus, dass die Technologie später in anderen Modellen wieder eingesetzt werden könnte.
Das Thema Kostenreduktion ist auch bei der Wahl des SoC sichtbar: Google hat sich für den Snapdragon 765G entschieden, Qualcomms 5G-Chip aus dem unteren Oberklassebereich. Für das Ziel, das Pixel 5 etwas günstiger als die Top-Smartphones anderer Hersteller anbieten zu können, ist das hilfreich: Das SoC ist günstiger im Einkauf als der Snapdragon 865. Im Alltag dürften die meisten Nutzer von der Leistung her aber kaum einen Unterschied bemerken.
Das Pixel 5 unterstützt den schnellen Netzstandard 5G. Neben einer physischen SIM-Karte kann auch die eingebaute eSIM verwendet werden. Der Arbeitsspeicher ist 8 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher 128 GByte. Einen Steckplatz für Micro-SD-Karten hat das Pixel 5 wie seine Vorgänger nicht, entsprechend müssen Nutzer mit den 128 GByte auskommen – unserer Meinung nach wären 256 GByte angebrachter gewesen.
Akku mit langer Laufzeit
Der Akku hat eine Nennladung von 4.000 mAh. Einen Full-HD-Film können wir bei voller Helligkeit ungefähr 14 Stunden lang anschauen – ein guter Wert. Schnellladen lässt sich das Pixel 5 mit 18 Watt, was angesichts der Konkurrenz nicht sonderlich schnell ist. Das Smartphone lässt sich auch drahtlos laden. Im Alltag hält das Pixel 5 problemlos auch bei häufiger Nutzung einen Tag lang durch, bei normaler Nutzung auch anderthalb Tage – wie immer kommt es dabei darauf an, was man mit dem Smartphone anstellt.
Verlängern können wir die Laufzeit beim Pixel 5 nicht nur mit dem normalen Energiesparmodus, sondern auch mithilfe des neuen Super-Energiesparmodus. Dieser schaltet alle im Hintergrund laufenden Anwendungen ab, solange sie nicht auf einer Whitelist stehen – also auch Kommunikations-Apps wie Whatsapp oder Anwendungen wie die Corona-Warn-App. Nutzer sollten sich dessen bewusst sein, wenn sie den Modus aktivieren. Um Fehlfunktionen zu vermeiden, schaltet er sich auch nicht automatisch ein.
Ausgeliefert wird das Pixel 5 mit Android 11, das eine Reihe von praktischen Neuerungen mit sich bringt. App-Benachrichtigungen werden jetzt beispielsweise sortiert im Benachrichtigungsmenü angezeigt, so dass wir beispielsweise Chat-Antworten besser sehen können. Interessant sind auch die Bubbles, mit deren Hilfe Chatprogramme über der aktuell verwendeten App benutzt werden können. Dieses Konzept ist alles andere als neu, dennoch ist es schön zu sehen, dass Google die Funktion direkt in Android eingebaut hat.
Das Gehäuse des Pixel 5 besteht aus Aluminium, das zu 100 Prozent recycelt ist. Die Oberfläche ist rau und leicht meliert, was gut aussieht. Das Pixel 5 ist nach IP68 vor Wasser und Staub geschützt. Einen Klinkenanschluss für Kopfhörer hat das Smartphone nicht. Google zufolge besitzt das Smartphone Stereolautsprecher, was allerdings nicht ganz richtig ist: Es gibt zwei Lautsprecher, einen im unteren Rahmen und den Lautsprecher für Telefonate, der als Unterstützung zugeschaltet wird. Spielen wir eine Testaudiodatei in Stereo ab, kommt aus beiden Lautsprechern allerdings der gleiche Klang.
Pixel 5:Verfügbarkeit und Fazit
Das Pixel 5(öffnet im neuen Fenster) ist in Schwarz und Grün im Onlineshop von Google für momentan exakt 613,14 Euro erhältlich. Dieser krumme Preis ist bedingt durch die aktuelle Mehrwertsteuerreduzieren. Sobald die Mehrwertsteuer wieder 19 Prozent beträgt, wird das Pixel 5 630 Euro kosten.
Fazit
Google hat sich mit dem Pixel 5 entschieden, aus dem Rennen an der Spitze der Oberklasse-Smartphones auszusteigen – für uns ist das die richtige Entscheidung. Das Pixel 5 bietet für momentan knapp über 600 Euro einen schnellen Chip, ein sehr gutes Display, eine tadellose Verarbeitung, eine gute Kamera und vor allem eine Reihe von interessanten Softwarefunktionen.
Zum Einsatz kommt ein leistungsfähiges Snapdragon-SoC aus der zweiten Reihe, zudem ist der Motion-Sense-Sensor Geschichte. Wir fanden die Gestensteuerung des Pixel 4 eh sinnlos, daher begrüßen wir diesen Schritt. Nicht gestrichen hat Google hingegen für manche Nutzer wichtige Funktionen wie das drahtlose Laden, dafür unterstützt das Pixel 5 kein besonders schnelles kabelgebundenes Laden. Die 5G-Unterstützung ist in Deutschland noch nicht besonders wichtig, in anderen Märkten hingegen schon.
Die Kamera überzeugt durch ihr Gesamtbild: Es gibt Smartphones mit schärferen Kameras, von der Bilddynamik und der Belichtung her sticht das Pixel 5 aber positiv aus der Masse heraus. Dass Google auf das sinnlose Teleobjektiv verzichtet und stattdessen ein Superweitwinkelobjektiv verbaut, ist sinnvoll und überfällig.
Für viele Käufer des Pixel 5 dürfte die Software wieder ein ausschlaggebender Grund für die Anschaffung sein: Android 11 läuft sehr flüssig auf dem Pixel 5, zudem bietet es einige interessante neue Funktionen. Auch die neuen Kameraoptionen wie das Porträtlicht oder die verschiedenen Stabilisierungsmodi sind gut.
Nicht nur vom Preis her versucht Google, sich neu im Markt zu positionieren: Auch die Größe des Pixel 5 ist angesichts der meisten Konkurrenten ungewöhnlich, da merklich kleiner. Nicht nur im Forum von Golem.de liest man immer wieder, dass viele Nutzer sich ein kompakteres Top-Smartphone wünschen – viel Auswahl gibt es mittlerweile aber nicht mehr. Mit dem Pixel 5 bietet Google ein derartiges Gerät an.
Dass das Pixel 5 im Onlineshop von Google seit dem Marktstart immer wieder schnell ausverkauft ist, könnte für Google das Zeichen sein, dass sie etwas richtig gemacht haben. Wir halten das Pixel 5 angesichts des Preises, der Größe und der Software für ein lohnenswertes Smartphone. Konkurrenten gibt es in diesem Preisbereich natürlich, etwa von Xiaomi oder auch Oneplus mit seinem neuen 8T.
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