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Pisa-Studie 2025: Ein Absturz, mit dem jeder zufrieden sein kann

Deutsche Schüler schneiden bei Pisa schlecht ab. Die Gründe sind so vielfältig, dass sie jede Weltsicht bestätigen. Aber echte Lösungen sind komplexer.
/ Johannes Hiltscher
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Schule muss in Deutschland wieder mehr auf individuelle Bedürfnisse eingehen, sagen Experten. (Bild: Thirdman, Pexels)
Schule muss in Deutschland wieder mehr auf individuelle Bedürfnisse eingehen, sagen Experten. Bild: Thirdman, Pexels / Pexels-Lizenz
Inhalt
  1. Pisa-Studie 2025: Ein Absturz, mit dem jeder zufrieden sein kann
  2. Deutschland vernachlässigt die schwächsten Schüler
  3. Gezielter fördern und Neues ausprobieren

Die Reaktionen auf die Pisa-Studie erinnern mich an ein altes Programm von Volker Pispers. Der merkte schon vor Jahren an, wie sehr die Ausrichtung eines Mediums dessen Berichterstattung prägt. Auch bei Pisa glaubt man kaum, dass alle über dieselbe Studie sprechen.

Die FAZ hebt hervor(öffnet im neuen Fenster), man komme in Deutschland zu leicht mit mittelmäßiger Leistung durch. Die Taz sieht Social Media als Grund(öffnet im neuen Fenster) für das schlechte Abschneiden, die Zeit fokussiert sich auf die Bildungsungerechtigkeit(öffnet im neuen Fenster). Und bei Tichys Einblick(öffnet im neuen Fenster) und auf X sind natürlich die Ausländer schuld. Man könnte aber auch noch Jungen als Problem ausmachen.

All diese Interpretationen geben die Daten und internationale Vergleiche tatsächlich her. Nur wird daraus keine sinnvolle Bildungspolitik. Die Hintergründe gehen wesentlich tiefer als die reinen Zahlen und deren Entwicklung über die vergangenen Jahre erkennen lassen. Sie sind teils tief gesellschaftlich verankert, und dafür gibt es keine schnelle Lösung, sondern es braucht ein langfristiges Konzept. Wer vor diesem Hintergrund schnelle Lösungen verspricht, hat eigentlich keine.

Aber zunächst kurz zum Hintergrund: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Ergebnisse der Pisa-Studie 2025 veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster). Und deutsche Schüler sind hier dramatisch abgerutscht, im Mittel liegen sie nur noch knapp über dem OECD-Durchschnitt.

Es geht weltweit bergab

Da ist es auch wenig aufmunternd, dass in praktisch allen untersuchten Ländern und Regionen der Trend nach unten zeigt. Denn die Ergebnisse deutscher Schüler fallen schneller als der Durchschnitt.

Und damit kommen wir zum Teil, an dem jeder seine Weltsicht wiederfindet. Denn neben den reinen Zahlen erfasst die Pisa-Studie eine Reihe an Rahmendaten: Die gemessenen oder erfragten Kategorien werden aufgeschlüsselt nach Geschlecht, sozioökonomischem Status, Migrationshintergrund, Stadt und Land.

Viele Erkenntnisse sind trivial: Kinder mit Migrationshintergrund schneiden schlechter ab. Je älter sie waren, als sie nach Deutschland eingewandert sind, desto größer ist die Differenz. Da die Pisa-Studie lediglich 15-Jährige betrachtet, ist das nur erwartbar – wer mehr Zeit hat, die Sprache zu lernen, kann sie mit 15 besser. Man kann sich jetzt natürlich hinstellen und sagen, sie alle rauszuschmeißen wäre die Lösung. Das ignoriert aber den Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds, sprich: Wie viel soziales und finanzielles Kapital haben die Eltern? Bei Eingewanderten macht dieser Hintergrund im Mittel 37 Prozent der Leistungsdifferenz aus.

Leistungsdefizite früher erkennen

Den gleichen Einfluss hat, ob zu Hause Deutsch gesprochen wird. Dass Sprachkompetenz Auswirkungen auf den Bildungserfolg hat, überrascht wohl auch niemanden – und die kann auch ohne direkten Migrationshintergrund schlecht sein. Pisa-Koordinator Andreas Schleicher verweist in der FAZ und Bildungswissenschaftler Samuel Greiff in der Zeit(öffnet im neuen Fenster) auf Kanada als Positivbeispiel.

Hier spiele frühkindliche Bildung eine größere Rolle, die individuellen Fähigkeiten würden intensiv erfasst und Kinder gezielt schon im Kindergarten gefördert. Dafür wirbt auch der Bildungssoziologe Aladin El-Mafaalani(öffnet im neuen Fenster) seit Jahren. Der Professor ist zudem ein plakatives Beispiel für die Bedeutung des sozioökonomischen Hintergrunds: Trotz Hauptschulempfehlung meldete ihn sein Vater, selbst Akademiker, am Gymnasium an.

Doch dieses Thema betrifft auch Familien ohne direkten Migrationshintergrund.


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