Piratenpartei: Berliner Landeschef Lauer verlässt die Partei

Der Berliner Landeschef der Piraten, Christopher Lauer, tritt überraschend von seinen Ämtern zurück und verlässt die Partei. Einen entsprechenden Bericht der Berliner Boulevard-Zeitung B.Z.(öffnet im neuen Fenster) hat Lauer am Donnerstag in Berlin bestätigt. Lauer will jedoch weiter dem Berliner Abgeordnetenhaus und der dortigen Piratenfraktion angehören. Zu dem Grund für seine Entscheidung sagte er dem Tagesspiegel(öffnet im neuen Fenster) : "Es ist wie mit einer langjährigen Beziehung. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es so weit ist."
Für den Moment könne er "kategorisch ausschließen" , in eine andere Partei einzutreten oder eine Parteineugründung zu betreiben, sagte Lauer weiter. In einer Mail an seine Vorstandskollegen soll Lauer laut B.Z. geschrieben haben: "Da ich in den vergangenen Monaten feststellen musste, im Vorstand keine Mehrheit für meine bei meiner Wahl angekündigten Vorhaben zur Professionalisierung der Partei zu haben, trete ich mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Landesvorsitzender der Piratenpartei Berlin zurück." Der Rücktritt von Schatzmeister Michael Karek Anfang der Woche, so Lauer weiter, "eröffnet die Möglichkeit, auf dem Landesparteitag im November einen neuen Landesvorstand zu wählen. Dem möchte ich nicht im Weg stehen."
Rhetorisches Talent mit Ambitionen
Auf den Tag genau vor drei Jahren hatte die Piratenpartei in Berlin erstmals den Sprung in ein Landesparlament geschafft. Der rhetorisch talentierte Lauer stand anschließend häufig im Rampenlicht und war neben Marina Weisband ein gern gesehener Talkshow-Gast. Allerdings galt er vielen in der Partei als zu ambitioniert und auf seine eigene Karriere bedacht. Sein vehementer Einsatz für das Online-Abstimmungstool Liquid Feedback kam in anderen Landesverbänden nicht gut an. Mit nicht abgesprochenen Vorstößen zum Urheberrecht irritierte er seine eigenen Fraktionskollegen. Im vergangenen Jahr hatte er bereits seinen Verzicht auf die Fraktionsspitze erklärt(öffnet im neuen Fenster) , nachdem bekanntgeworden war, dass er die Mutter seiner damaligen Freundin zur Pressechefin befördert hatte.
Im März 2014 war Lauer schließlich zum Vorsitzenden des Berliner Landesverbandes gewählt worden. Wegen eines Formfehlers wurde seine Kandidatur als Politischer Geschäftsführer der Bundespartei auf dem jüngsten Piratenparteitag im Juni 2014 nicht zugelassen. Anschließend gab es eine Debatte darüber(öffnet im neuen Fenster) , ob sich der Berliner Verband von der Bundespartei abspalten sollte, um seine eigenen Ziele besser verfolgen zu können.
Bei den jüngsten Landtagswahlen in Ostdeutschland kam die Partei nicht über 1,5 Prozent hinaus, in Thüringen erreichte sie sogar nur noch 1,0 Prozent. Ein Wiedereinzug der Berliner Piraten in das Abgeordnetenhaus ist derzeit ebenfalls unsicher, da die Partei in den Umfragen nur bei vier Prozent liegt(öffnet im neuen Fenster) . Wie es mit dem Projekt der Piraten, ob mit oder ohne Lauer, in nächster Zeit weitergeht, erscheint derzeit unklarer denn je.



