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Pioneers of Pagonia im Test: Wuseln vom Feinsten

Pioneers of Pagonia erinnert an die besten Siedler-Zeiten, liefert aber ein modernes Aufbauspiel mit eigener Note (Windows-PC).
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Pioneers of Pagonia (Bild: Envision Entertainment)
Artwork von Pioneers of Pagonia Bild: Envision Entertainment

Herumwuselnde Arbeiter, Wachtürme bauen und Grenzsteine verschieben: Wer das liest, denkt vermutlich an Die Siedler. Stimmt aber nicht: Wir haben es mit Pioneers of Pagonia zu tun – das allerdings unter Leitung von Volker Wertich entstand, dem Erfinder der Siedler.

Mit Pagonia führt er wichtige Grundideen seines Klassikers weiter, inklusive Fantasy-Elementen und einer spannenden Kampagne, mehr strategischem Anspruch und einer idyllischen Welt.

Pioneers bietet eine über 30 Stunden lange Kampagne, einen Endlosmodus mit prozedural erzeugten Inseln und Koop, in dem bis zu vier Spieler gemeinsam eine Siedlung verwalten.

Es gibt Handel, Diplomatie und Kämpfe sowie eine stetig wachsende technologische Palette, die aus einfachen Hütten nach und nach eine komplexe Wirtschaft entstehen lässt. Um unser Einflussgebiet zu vergrößern, müssen wir außerdem Grenzsteine verschieben – wie in Die Siedler.

Die Kampagne von Pioneers of Pagonia erzählt eine Fantasy-Geschichte über eine in Inseln zersplitterte Welt, die von einem geheimnisvollen Nebel bedroht wird.

Als Navigator reisen wir mit unserem Trupp an Pionieren von Insel zu Insel, suchen Verbündete, bekämpfen Feinde und versuchen, die Ursachen der Katastrophe zu verstehen.

Erzählt wird das Ganze überwiegend in Texteinblendungen, kurzen Dialogfenstern und klar strukturierten Missionszielen, dazu kommen kleine Zwischenschirme bei wichtigen Ereignissen.

Statt prozedural erzeugter Karten setzt die Kampagne auf handgemachte Missionen, die unterschiedliche Umgebungen, Gegner und Aufgaben bieten. Jede Insel fühlt sich wie ein eigener Abschnitt mit eigenen Regeln an: Mal geht es vor allem um Aufbau und Handel, mal um neue, deutlich stärkere Gegner.

Die Erzählung ist einfach gehalten, gefällt uns aber besser als manche erzählerischen Versuche in vergleichbaren Genre-Titeln wie Anno 117. Zwar will Pioneers keine epische Story liefern, sondern eine nachvollziehbare Motivation, warum man die nächste Insel befreit – aber das funktioniert sehr ordentlich.

Viele Warenketten sind kürzer als in aktuellen Anno-Teilen, außerdem müssen wir weit weniger Mikromanagement betreiben. Transport, Verarbeitung und Produktion laufen zum Teil automatisch ab.

Dadurch entsteht ein ruhiger Aufbaurhythmus, der auf uns angenehm unaufgeregt wirkt. Sofern wir keine schweren Fehler machen, läuft einfach alles, ohne dass wir ständig in Menüs nachjustieren müssten.

Man kann seine Ketten später deutlich ausbauen, aber der Einstieg bleibt leicht und verständlich. Das Spiel lebt eher von Beobachtung und Optimierung als vom Min-Maxen einzelner Betriebe – was sich beim Anspielen ziemlich erholsam angefühlt hat.

Dennoch: Wer Spaß am Feinjustieren hat und sich intensiv mit Details der Wirtschaft beschäftigen will, kann sich auch in Pioneers of Pagonia austoben, ist in Anno 117 aber besser aufgehoben.

Pioneers of Pagonia: Verfügbarkeit und Fazit

Was die Kämpfe angeht: Wer möchte, kann in den Custom-Maps komplett friedlich spielen. In der Kampagne gibt es den Schwierigkeitsgrad Story-Modus mit extrem leichten Auseinandersetzungen, für die wir nur ein paar Soldaten brauchen.

Einheiten steuern wir nicht direkt, sondern bereiten sie über Wirtschaft, Produktion und Gebäude auf die Schlacht vor.

Wir treffen Entscheidungen über Aufbau, Positionierung und Armeezusammenstellung, den Rest erledigen unsere Truppen automatisch. Außerdem lassen sich in der Kampagne viele Situationen durch Verteidigung, Handel und kluge Routen bewältigen.

Wer lieber abseits der Story baut, findet im Sandbox-Modus praktisch unbegrenzte Möglichkeiten. Die Karten werden jedes Mal neu generiert, verschiedene Fraktionen und Ressourcenverteilungen sorgen für Überraschungen und dank eines Editors kann man sogar eigene Inseln entwerfen.

Grafisch ist Pioneers of Pagonia betont idyllisch: viel Grün, sanfte Farben, ein freundlicher Look. Nur in der Kampagne gibt es ein paar düstere Momente, die der Welt etwas mehr Dramatik geben.

Besonders schön ist das Beobachten einzelner Arbeitsschritte: Erst wird der Boden von Arbeitern planiert, dann trägt ein Pagonier Holz herbei, schließlich entsteht Stück für Stück das Gebäude, bis das Gerüst fällt und das Haus fertig dasteht. Im direkten Vergleich mit Anno 117 wirkt die Welt etwas weniger detail- und abwechslungsreich, sieht aber trotzdem schön aus.

Technisch lief unsere Version sehr stabil, Bugs oder Abstürze sind uns nicht aufgefallen. Das Spiel basiert einer hauseigenen Engine und wirkt technisch nicht spektakulär, aber solide – und vor allem angenehm flüssig, selbst wenn viele Hundert Pagonier gleichzeitig wuseln.

Ein Editor ist enthalten, er soll laut Entwickler schrittweise ausgebaut werden, so dass langfristig noch mehr eigene Karten und vielleicht sogar komplexere Szenarien möglich werden.

Pioneers of Pagonia ist unter Leitung von Volker Wertich bei Envision Entertainment(öffnet im neuen Fenster) für Windows-PC entstanden. Ein Early Access (ohne Kampagne) läuft schon länger, am 11. Dezember 2025 erscheint die Vollversion für 35 Euro. Umsetzungen für Konsolen sind derzeit nicht angekündigt. Die USK hat eine Freigabe ab 6 Jahre erteilt.

Fazit

Pioneers of Pagonia bietet genau das Gefühl, das klassische Aufbauspiele so angenehm macht: beobachten, planen und staunen, während aus ein paar Hütten langsam eine lebendige Siedlung entsteht. Es setzt nicht auf Spektakel, sondern auf ein fast meditatives Aufbaugefühl mit sinnvoller Strategie dahinter – und das funktioniert richtig gut.

Natürlich könnte die Welt noch abwechslungsreicher sein, aber schon jetzt entsteht ein sehr runder Mix aus Entspannung und Herausforderung. Wer sich nach einem klassischen Aufbauspiel sehnt, das weder überfordert noch langweilt, findet hier eine gelungene Variante. Und ja: Pagonia ist eine gute Wahl für alle, die mal wieder Lust auf das echte Siedler-Spielgefühl haben!


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