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Pilotprojekt: Elektroauto wird zum Kraftwerk im Stromnetz

Der Energieversorger Enervie zeigt in einem Pilotprojekt, wie die Batterie in einem Nissan Leaf für mehr Stabilität im Stromnetz sorgt. Das Elektroauto wird zum Regelkraftwerk und liefert Primärregelleistung.

Artikel von Dirk Kunde veröffentlicht am
Der Nissan Leaf kann Energie in die Hochvoltbatterie leiten und wieder ans Stromnetz abgeben.
Der Nissan Leaf kann Energie in die Hochvoltbatterie leiten und wieder ans Stromnetz abgeben. (Bild: Nissan)

Komm nach Hagen, ... Mach dein Glück! - so heißt eine Ausstellung über die Helden der Neuen Deutschen Welle. Nicht ohne Stolz weist Erik Höhne, Vorstandssprecher des Energiedienstleisters Enervie, darauf hin, als jemand Nena erwähnt. Die Sängerin dürfte die berühmteste Tochter der südwestfälischen Stadt sein. Höhne selbst tritt heute in Hagen eine neue Welle in Sachen Elektromobilität los: Er stellt in einem Pilotprojekt vor, wie die Batterie eines Elektroautos als rollendes Regelkraftwerk für mehr Stabilität im Stromnetz genutzt werden kann.

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Zwischen der A45 und dem Mastberg befindet sich die Enervie-Zentrale im Südosten von Hagen. Auf dem Firmenparkplatz stehen mehrere Schnellladesäulen, an einer lädt ein Nissan Leaf. Das Elektroauto hat sich nach den regulatorischen Anforderungen eines Übertragungsnetzbetriebs für die Primärregelleistung im Stromnetz qualifiziert. Vereinfacht gesagt, es fungiert als erstes rollendes Regelkraftwerk in Deutschland. An diesem Pilotprojekt sind neben Enervie auch Nissan und The Mobility House beteiligt.

Elektroautos sorgen für Netzstabilität

Mit der Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) sorgt der Nissan Leaf für mehr Stabilität im Stromnetz. Über seinen Chademo-Ladeanschluss ist der Wagen in der Lage, Energie sowohl in die Hochvoltbatterie zu leiten als auch wieder ans Stromnetz abzugeben. Das ist wichtig, weil die Netzfrequenz konstant bei 50 Hz gehalten werden muss. Nur dann sind Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht.

Der zunehmende Anteil aus regenerativen Energiequellen (aktuell rund 35 Prozent) sorgt für Schwankungen im Netz. "Wind und Sonne liefern mitunter mehr Energie, als von Verbrauchern abgenommen werden kann", sagt Thomas Raffeiner, CEO und Gründer von The Mobility House. Dann müsse Energie umgeleitet oder gespeichert werden. Sei zu wenig Energie verfügbar, weisen Übertragungsnetzbetreiber einzelne Kraftwerke an, zusätzliche Kapazitäten hochzufahren. Das nenne man Primärregelleistung und die müsse innerhalb von 30 Sekunden zur Verfügung stehen. Deutschlandweit müssen 600 Megawatt vorgehalten werden. Bereits 40 Prozent dieser Leistung werden in Form von Batteriespeichern erbracht.

Elektroautos bieten sich hierfür an. "Fahrzeuge sind oftmals Stehzeuge. Sie stehen 23 Stunden am Tag und können währenddessen ihre Energie netzdienlich einspeisen", sagt Andreas Rimkus, stellvertretender verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Der Politiker ist für den symbolischen Knopfdruck nach Hagen gekommen.

"Wir sind sehr stolz, dass dem Nissan Leaf als erstem Elektroauto überhaupt die Eignung für die Stabilisierung der Netzfrequenz attestiert wurde. Batterien aus dem Leaf können so zur Energiewende in Deutschland und zu einer nachhaltigen Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten", sagt Guillaume Pelletreau, Vice President und Managing Director von Nissan Center Europe. Enervie nutzt fünf Nissan Leaf als Dienstfahrzeuge. Stehen sie an einer der Ladesäulen auf dem Parkplatz der Zentrale, sorgen Software und Steuerungstechnologie des Münchner Unternehmens The Mobility House für die Lenkung der Energieflüsse. Unterstützt wird das Projekt vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Er definierte und überwacht die Einhaltung der technischen und regulatorischen Anforderungen für den mobilen Batteriespeicher im Markt für Primärregelleistung.

Netzausbau könnte kleiner ausfallen

Mit der V2G-Technologie wollen die Beteiligten nicht nur das Stromnetz stabilisieren, sondern auch aufzeigen, dass ein Netzausbau aufgrund der Energiewende deutlich kleiner ausfallen kann als prognostiziert. "Kein Bürger hat Verständnis dafür, wenn wir schon wieder die Bürgersteige aufreißen, um noch mehr Kupferkabel zu vergraben", sagt Erik Höhne von Enervie. Stefan Mischinger, Teamleiter Stromnetze bei der Deutschen Energie Agentur, sieht auch die Verbraucher in der Verantwortung. Jeder Fahrer eines Elektroautos könne somit zur Netzstabilität beitragen.

Die Intelligenz des Systems und das Vermeiden von Lastspitzen reduziere den Umfang des notwendigen Netzausbaus. Doch bislang kann nur der Chademo-Anschluss Energie in beide Richtungen leiten. Beim deutschen CCS-Ladeanschluss steht das noch aus. Zudem gibt es noch regulatorische Hürden, bevor Privatnutzer mit einem entsprechenden Elektroauto in der heimischen Garage zur Netzstabilisierung beitragen können.

Politiker Rimkus ist für den schnellstmöglichen Einsatz der Speichertechnologien in allen Bereichen, um die angestrebten CO2-Ziele zu erreichen und so viel Wind- und Sonnenenergie wie möglich ins Netz zu bekommen. "Der Ausstieg aus der Verbrennung von Kohle - möglichst ohne Strukturbrüche in der Wirtschaft - ist damit möglich. Darin sehen wir auch ein Angebot an die Kumpel in den Braunkohlerevieren", sagt der Politiker aus Düsseldorf. Enervie-Chef Höhne hofft nur, dass es bis zu einer Ausstellung über die Erfolge der V2G-Technologie keine 35 Jahre dauert. So wie bei Nenas Hit 99 Luftballons und der Ausstellung "Komm nach Hagen, ... Mach dein Glück!".

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Harddrive 25. Okt 2018

Mit Sicherheit ist das alles technisch lösbar. Aber das Meiste ist eigentlich für den...

DoktorMerlin 25. Okt 2018

Das wird schon seit über einem Jahr in Großbritannien so gemacht. Wenn man sich in der...

ErwinL 25. Okt 2018

Genau das wird der finanzielle Anzreiz sein. Stichwort negative Regelleistung...

chefin 25. Okt 2018

your future existenz ist payment enough Ich habs mal anhand des tesla 100KWh Akku...

k2r 24. Okt 2018

sin übrigens die Hagener Band, aus deren Song die Zeile Komm nach Hagen, werde...


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