Piloten: EU beklagt GPS-Störungen durch Russland als hybriden Angriff
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat Recherchen des NDR bestätigt, wonach Russland im Ostseeraum mutmaßlich großflächig die Navigationssignale für den Luft- und Seeverkehr stört. "Natürlich sind das hybride Attacken, die wir nicht als neue Normalität hinnehmen dürfen", sagt Kallas der ARD(öffnet im neuen Fenster). Für ihren Film haben die NDR-Reporter Lennart Banholzer und Simon Hoyme mit Flug- und Schiffskapitänen mehrerer Länder sowie mit Sicherheitsexperten gesprochen.
Der deutsche Pilot Niklas Ahrens von der Vereinigung Cockpit spricht von "Besorgnis" unter Kollegen, weil es durch gestörte oder verfälschte GPS-Signale, dem Jamming und Spoofing, "zu einer großen Zahl an Fehlwarnungen kommt". Üblich sei, im Cockpit dann einen Teil des Sicherheitssystems abzuschalten. "Wir nehmen uns so aber auch das Sicherheitsnetz", so Ahrens weiter, "was uns in bestimmten Fällen geschützt hätte".
Ein Pilot einer dänischen Airline berichtet den NDR-Autoren, dass die Störungen seit 2022 stark zugenommen hätten. Von Kollegen, etwa auf Routen nach Finnland oder ins Baltikum, wisse er, "dass sie es täglich haben".
Den NDR-Recherchen zufolge ist von den GPS-Störungen auch der Seeverkehr betroffen. "Ich befürchte wirklich, dass irgendwann ein Schiff auf Grund läuft oder es eine Kollision gibt", sagt dazu im Film Magnus Winberg von der finnischen Seefahrtsakademie Aboa Mare.
Dem britischen Royal Institute of Navigation zufolge sollen die Störsignale in Kriegszonen vor allem feindliche Drohnen ablenken. Russland sende solche Störsignale aber weit über das Konfliktgebiet hinaus. Auch den Absturz einer aserbaidschanischen Passagiermaschine mit 38 Todesopfern im Jahr 2024 führt das Institut laut NDR auf solche Störungen zurück.
Laut Sicherheitsexperte Nico Lange gehören die GPS-Störungen "für Russland ganz sicher in den Bereich der Kriegführung". Vieles deute darauf hin, so Lange in der Doku, "dass sich Russland zumindest gedanklich, aber auch planerisch mit der Frage militärischer Operationen im Ostseeraum beschäftigt. Die sind dann gegen die Anrainerstaaten gerichtet. Auch gegen uns".
Sicherheit der Passagiere sei gewährleistet
Auf Anfrage des NDR bestätigte die Lufthansa, dass GPS-Störungen "eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Sicherheit der Zivilluftfahrt" darstellten. Man sehe die Sicherheit der Passagiere aber "durch bestehende Systeme gewährleistet". Die russische Botschaft in Berlin nannte die Vorwürfe dem NDR zufolge "unbegründet" und "haltlos".
Russland verfügt über weitreichende und hoch entwickelte Kapazitäten in der Elektronischen Kampfführung (Eloka). Um das satellitengestützte Navigationssystem GPS (sowie europäische oder asiatische Pendants wie Galileo und Beidou) zu stören, setzen die russischen Streitkräfte primär auf zwei technische Methoden und ein Arsenal spezialisierter Hardware. Jamming (Überlagerung): Da GPS-Signale aus dem Weltraum auf der Erde relativ schwach ankommen, werden sie durch extrem leistungsstarke Störsender mit "Rauschen" überlagert. Der Empfänger kann das Originalsignal nicht mehr aus dem Rauschen herausfiltern und verliert seine Positionsdaten. Spoofing (Täuschung): Hierbei werden aktiv gefälschte GPS-Signale gesendet, die stärker sind als das Original. Der Empfänger glaubt, er befände sich an einer völlig anderen geografischen Position.
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