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Pillars of Eternity angespielt: Besser, als ewig auf Baldur's Gate 3 zu warten

Vom Mauszeiger bis zum Kampfsystem: Pillars of Eternity fühlt sich vom ersten Moment an wie ein neues Baldur's Gate . Golem.de hat die fertige Version des über Kickstarter finanzierten Rollenspiels ausprobiert.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Pillars of Eternity (Bild: Obsidian Entertainment)
Artwork von Pillars of Eternity Bild: Obsidian Entertainment

Uns ist ein bisschen übel... Nichts Dramatisches, vermutlich. Jedenfalls macht die Karawane, mit der wir unterwegs sind, nur für uns eine Pause. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wollen wir noch schnell ein paar Heilpflanzen sammeln. Aber als wir zu unseren Gefährten zurückkehren, finden wir Tod und Verwüstung vor.

Pillars of Eternity – Trailer (Gameplay)
Pillars of Eternity – Trailer (Gameplay) (01:55)

Das ist die Ausgangslage von Pillars of Eternity, dem Ende 2012 vom US-Entwicklerstudio Obsidian Entertainment(öffnet im neuen Fenster) über Kickstarter finanzierten Rollenspiel. Ab heute ist das Programm in seiner finalen Version erhältlich. Um eines seiner Stärken gleich vorzustellen: Es ist ziemlich umfangreich – was auch der wichtigste Grund dafür ist, dass wir an dieser Stelle noch keinen Test präsentieren.

Besonders schwierig fanden wir den Einstieg in das Rollenspiel nicht: Wer Titel wie Baldur's Gate oder Icewind Dale kennt, findet sich in den Menüs und mit dem Kampfsystem von Pillars of Eternity sofort zurecht. Selbst Details wie die Mauszeiger oder die Dialogmenüs erinnern überdeutlich an die Klassiker.

Dazu kommen aber einige angenehme Verbesserungen. So sehen wir in den Dialogen nicht nur die Sätze, die wir auswählen können, sondern bekommen auch die angezeigt, die wir mit anderen Charakterwerten noch zusätzlich wählen könnten. Das macht zwar spielerisch keinen großen Unterschied, dient aber der Übersicht und gewährt einen spannenden Einblick in das Rollenspielsystem, das hinter den Kulissen unserer Aktionen und Entscheidungen arbeitet.

Kleinere Verbesserungen gibt es auch in der Charaktergenerierung ganz am Anfang. Dort zeigt uns – allerdings nicht im höchsten der vier Schwierigkeitsgrade – ein kleiner Stern an, welche Werte überhaupt für unseren Helden relevant sind. Wenn wir wollen, können wir natürlich trotzdem das Charisma einer als Barbar angelegten Hauptfigur auf Höchstwerte treiben.

Soundtrack super, Grafik nicht so

Benutzerführung und Komfort machen einen gelungenen Eindruck. Natürlich gibt es Tasten zum Schnellspeichern und Schnellladen – was übrigens tatsächlich extrem fix geht, anders als damals bei Baldur's Gate. Eine Neuerung sind Texttafeln mit einfachen Illustrationen, die anstelle von Filmsequenzen an besonderen Stellen eingeblendet werden. Wie in einem Comic verfolgen wir dann, was passiert und können über ein Menü mitbestimmen, ob und wie wir einen Kameraden aus den Klauen eines Feindes befreien.

Pillars of Eternity angesehen (Gamescom 2014)
Pillars of Eternity angesehen (Gamescom 2014) (10:16)

Nach dem starken Auftakt mit dem Überfall auf die Karawane gönnt uns die Haupthandlung dann erst mal eine längere Pause, und wir können die riesige Welt Eora weitgehend frei erkunden und Nebenquests erledigen. Das bedeutet: Banditen jagen, Bauern helfen, Festungen einnehmen und Ähnliches.

Die Missionen machen einen durchdachten Eindruck, alles wirkt liebevoll gestaltet und macht Spaß. Stellenweise ist das Erzähltempo nach unserem Eindruck etwas höher als in Baldur's Gate, und es gibt sogar mehr Überraschungen und besondere Ereignisse – wir finden das gut. Natürlich sind wir nicht allein unterwegs, sondern befinden uns in Begleitung von bis zu fünf Kameraden, die alle einen eigenen Hintergrund haben und sich natürlich auch teils herrlich skurril-witzige Gespräche liefern.

Die Grafik ist sicherlich kein Glanzpunkt. Immer wieder marschieren wir durch allzu matschig aussehende Sumpflandschaften, eher trist als märchenhaft wirkende Wälder und detailarme Felshöhlen. Das stört uns nur dann, wenn wir Gegenstände nicht finden. Denn dass Pillars kein Grafikspektakel wird, war von vornherein klar. Immerhin wirkt die Szenerie schöner, als einige frühere Screenshots befürchten ließen.

Anders als bei Baldur's Gate können wir uns ein Stück weit in das Geschehen hineinzoomen, was oft praktisch ist. Und: Figuren bestehen nicht aus Bitmaps, sondern sind in 3D animiert, was halbwegs ordentliche Bewegungen und nette Effekte ermöglicht. Aber wie gesagt: Schön geht anders.

Wir haben die deutsche, auffällig gut übersetzte Version des Programms gespielt. Wer mag, kann mit einem Mausklick im Optionsmenü unter anderem zu Englisch wechseln. Die ordentliche Sprachausgabe – die nur wichtige Szenen vorliest – erfolgt immer auf Englisch.

Pillars of Eternity ist als Download über die bekannten Portale erhältlich und kostet 42 Euro. Es sind aber auch teurere Fassungen mit zusätzlichem Inhalt verfügbar. Im stationären Handel gibt es eine Boxversion für rund 50 Euro. Sie enthält neben einem 80-seitigen gedruckten Handbuch den – sehr guten – Soundtrack und ein Kartenposter.


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