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Pico Neo 3 Link im Test: Günstig wie Metas Quest 2 und ohne Facebook-Zwang

Nahezu identische Hardware ohne Facebook : Das Pico Neo 3 Link ist für VR-Neulinge, die jedoch auf Bytedance' Ökosystem wetten müssen.
/ Achim Fehrenbach
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Das Neo 3 Link von Pico im Test (Bild: Achim Fehrenbach)
Das Neo 3 Link von Pico im Test Bild: Achim Fehrenbach

Die Zahlen sprechen für sich: Dem Marktforschungsunternehmen IDC zufolge wurden vom Meta Quest 2 bis heute rund 15 Millionen Exemplare(öffnet im neuen Fenster) verkauft – und zwar seit Oktober 2020. Im vergangenen Jahr lag der Marktanteil des Quest 2 bei fast 80 Prozent(öffnet im neuen Fenster) . In Deutschland ist das VR-Headset nach wie vor nicht offiziell erhältlich, weil sich Facebook mit dem Bundeskartellamt um die Zusammenführung von User-Daten kabbelt.

Die meisten Nutzer kaufen das Quest 2 deshalb über ausländische Onlinestores, zum Beispiel aus Frankreich. Seit Ende Mai 2022 ist hierzulande allerdings ein VR-Headset verfügbar, das eine sehr ähnliche Zielgruppe anspricht: Picos Neo 3 Link, das als 2-in-1-Gerät drahtlos oder mit Kabelanbindung an einen VR-fähigen PC nutzbar ist. Vor allem aber stellt es mit Blick auf Hard- und Software eine tatsächliche Option für alle dar, die in die virtuelle Realität einsteigen und bewusst kein Quest 2 wollen, denn es steht dem Meta-Headset in den meisten Punkten kaum nach oder ist sogar besser.

Hersteller Pico ist im VR-Markt durchaus kein Unbekannter. Seit 2015 produzierte die Firma als Original Design Manufacturer(öffnet im neuen Fenster) diverse VR-Headsets für Kunden wie HTC, Oculus und Sony. 2016 veröffentlichte sie mit dem Pico Neo ihr erstes eigenes Head-mounted Display.

In den Folgejahren konzentrierte sich Pico zunehmend auf HMDs für Business-Kunden: Das neueste B2B-Modell, das Neo 3 Pro, erschien im Herbst 2021. Nun hat Pico mit den Neo 3 Link ein VR-Headset veröffentlicht, welches sich primär an Consumer richtet, dabei aber nahezu baugleich mit der Pro-Version ist.

Beta-Start mit eingeschränkter Verfügbarkeit

Pico deklariert das Ganze als Beta-Start und bringt zunächst nur ein begrenztes Kontingent auf den Markt: Insgesamt 22.000 Exemplare werden in Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden verkauft; weitere Märkte sollen im Monatsrhythmus folgen. In Deutschland kostet das Link rund 450 Euro – also genauso viel wie das (importierte) Quest 2, das ebenfalls 256 GByte internen Speicher hat. Überhaupt ähneln sich beide Geräte in puncto Hardware stark – dazu mehr im Verlauf des Tests. Doch warum spricht Pico eigentlich von einem Beta-Start des Headsets?

Laut Hersteller können User ihr Feedback via Discord an Pico senden und so die Entwicklung der Plattform und der Headset-Software beeinflussen. "Pico beabsichtigt, VR mit einzigartigen Unterhaltungserlebnissen in ganz Europa zu demokratisieren" , heißt es in der Pressemitteilung. Große Worte, aber was kann das Link schon jetzt? Grundsätzlich sollte man jedenfalls berücksichtigen, dass Pico schon in weniger als einem Jahr ein Nachfolgemodell auf den Markt bringen will, in das dann die gesammelten Erkenntnisse des Beta-Tests einfließen. Was das schlussendlich bedeutet, ist aber unklar.

Nun, schauen wir uns das Headset genauer an. Es wird in einer länglichen, recht großen und edel gestalteten Verpackung geliefert. Beim Auspacken kommen zunächst HMD und Controller zum Vorschein, in weiteren Pappschachteln finden wir diverse Kabel, das Ladegerät sowie gedruckte Handbücher. Die Hardware verströmt einen penetrant chemischen Geruch, der sich erst im Laufe mehrerer Tage verflüchtigt.

Besserer Lieferumfang als beim Quest 2

Ansonsten ist unser erster Eindruck aber durchaus positiv: Das Link besitzt ein Kopfband (Head Strap), das sein Gewicht gut auf Vorder- und Hinterkopf verteilt. Der Akku befindet sich – anders als beim Quest 2 – nicht vorne im Headset, sondern auf der Rückseite der Kopfhalterung. Das Head Strap des Link ist außerdem bereits im Lieferumfang enthalten; beim notorisch wackligen Quest 2 muss man es hinzukaufen, was ungefähr 50 Euro zusätzlich kostet.

Schön ist auch, dass sich das Head Strap des Link nach oben klappen lässt, was das Aufsetzen besonders für Brillenträger sehr komfortabel macht. Inklusive Strap wiegt das Link exakt 642 Gramm; das Quest 2 kommt inklusive Elite Strap auf 682 Gramm.

Beim Link befindet sich auf der Rückseite des Strap ein Drehrad, mit dem es sich an die Kopfgröße anpassen lässt. Der Autor dieser Zeilen – er hat einen vergleichsweise großen Kopf – konnte das Head Strap per Drehrad recht gut justieren, ohne dass schmerzende Druckpunkte auftraten. Das abnehmbare Gesichtspolster ist aus Schaumstoff und etwas weniger weich als das des Meta Quest 2, insgesamt aber durchaus angenehm.

Deutliches Manko: Zumindest bei besagter Kopfform bleibt am unteren Rand ein deutlicher Spalt offen, durch den störendes Licht ins Headset dringt. Schiebt man es ein Stück tiefer, um den Spalt zu schließen, dann liegt das HMD unangenehm auf der Nase auf. Pico liefert zwar ein Nose Pad mit, das den Lichteinfall reduziert.

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Den dazu kompatiblen Glasses Spacer können Brillenträger nutzen, um den Abstand zwischen Linsen und Headset zu vergrößern, was die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass die Glasflächen beim Aufeinandertreffen zerkratzen. Insgesamt ist der Innenraum des Link etwas größer als beim sehr engen Quest 2 – weshalb für Letzteres unter anderem Gummiringe als Zubehör angeboten werden, die als Abstandhalter direkt auf die Linsen aufsetzt werden. Selbst Personen mit sperrigen Hornbrillen müssen hingegen bei der Link-Nutzung nicht auf ihre klobigen Gestelle verzichten.

Einstellbare IPD

Apropos Optik: Wie beim Quest 2 kommen auch beim Link sogenannte Fresnel-Linsen(öffnet im neuen Fenster) zum Einsatz. Um ein möglichst scharfes Bild zu erreichen, können User den Abstand der Linsen für eine bestimmte IPD(öffnet im neuen Fenster) manuell einstellen: auf 58,0 oder 63,5 oder 69,0 mm.

Wie auch bei anderen Headsets sollte man die Linsen keinem direkten Sonnenlicht aussetzen, weil sie sonst binnen kürzester Zeit irreparablen Schaden nehmen können. Das 5,5-Zoll-LC-Display zeigt 1.832 x 1.920 Bildpunkte pro Auge, die Auflösung ist also exakt genauso hoch wie beim Quest 2.

Das Sichtfeld (Field of View) umfasst nominell 98 Grad, also 3 Grad mehr als auf dem Quest 2. Dieser Unterschied fällt in der Praxis kaum auf. Auch beim Sweet Spot, dem zentralen, scharfen Bereich des Sichtfelds, gibt es zwischen beiden Headsets kaum Unterschiede. Die Bilderzeugung übernimmt in beiden Geräten ein Snapdragon-XR2 -Prozessor von Qualcomm. Die maximale Display-Frequenz des Link ist mit experimentell 120 Hz so hoch wie die des Quest 2, wird in der Praxis aber nur selten ausgeschöpft – üblich sind 90 Hz.

Während die intern verbaute Hardware sich sehr ähnelt, gibt es zumindest beim Headset-Design ein paar Unterschiede: Das Link hat einen charakteristischen schwarzen Streifen im unteren Bereich des Visiers, was jetzt nicht unbedingt eleganter aussieht. Im oberen Bereich befindet sich ein Lüftungsschlitz. Der Propeller gibt bei voller Auslastung ein Sirren von sich, das aber nicht wirklich stört, weil man ja meist eine VR-Geräuschkulisse hat. Die Lautsprecher des Quest 2 liefern einen etwas volleren Sound als die des Link; bei beiden Geräten lässt sich die Lautstärke manuell am unteren Rand des Visiers regulieren.

Kleiner Unterschied: Wer (empfehlenswerterweise) externe Kopfhörer mit Klinkenanschluss verwendet, stöpselt sie beim Link am unteren Rand ein, beim Quest 2 hingegen auf der linken Headset-Seite. Die seitliche Lösung erweist sich hier als die schlauere, weil ein nach unten baumelndes Audiokabel leicht vom Controller-Gefuchtel erwischt werden kann. In puncto Bedienungsfreundlichkeit kann das Link hingegen mit drei zusätzlichen Steuertasten (Home, Back, Confirm) direkt am Headset punkten: So lassen sich grundlegende Befehle nicht nur über die mitgelieferten Controller eingeben.

Die Controller sind ähnlich und doch anders

Schauen wir uns die Link-Controller nun etwas genauer an: Der Tracking-Ring ähnelt dem des Quest 2, allerdings sind die Griffe deutlich länger – und die Controller selbst (inklusive zwei AA-Batterien statt einer) auch etwas schwerer als die des Quest 2 (157 vs. 126 Gramm). Mehr Gewicht bedeutet auf Dauer mehr Belastung und Ermüdung, allerdings wird es auch User geben, die solch längliche Griffe komfortabler finden.

Wer kleine Hände hat, wird womöglich mit den Quest-2-Controllern glücklicher, weil sie dann einfach besser in der Hand liegen. Natürlich lassen sich auch die Link-Controller dank mitgelieferter Handgelenksschlaufen sichern. Das schützt gerade bei intensivem Gameplay vor dem einen oder anderen Kollateralschaden. Die Tastenplatzierung auf dem Controller (Grip, Trigger etc.) ist bei beiden Anbietern nahezu identisch, Pico hat hier verständlicherweise auf Experimente verzichtet.

Sauberes Tracking, eingeschränkter Shop

Das Tracking des Users im Raum funktioniert über vier Weitwinkelkameras, die an den Ecken des Visiers platziert sind. Auch bei diesem Inside-Out-Tracking unterscheidet sich das Link also technisch nicht vom Quest 2. Laut Pico umfasst der Tracking-Space maximal 10 x 10 m, was zumindest in Privatwohnungen nur selten zur Verfügung stehen dürfte (okay, man kann VR auch im Garten nutzen).

Der Spielbereich lässt sich wie beim Quest 2 in Sekundenschnelle einrichten: Die Kameras zeigen ein schwarzweißes Passthrough-Bild des Raumes an, in dem man zunächst die Bodenhöhe justiert und anschließend per Controller einen leuchtenden Grundriss auf den Boden zeichnet. Anders als das Quest 2 bietet das Link hier ein zusätzliches Quick Setup, bei dem man einen kreisrunden Guardian mit frei wählbarem Radius definiert – sehr praktisch.

Das Tracking der User-Gesten funktioniert beim Link wirklich ausgezeichnet: Die Bewegungen werden präzise und ohne merkbare Latenz in den virtuellen Raum übertragen. Dass das VR-Headset den Kontakt zu den Controllern verliert, kommt nur äußerst selten vor, hierzu muss man die Controller schon hinter dem Rücken verstecken. Was beim Link momentan fehlt, ist ein ausgefeiltes Hand-Tracking(öffnet im neuen Fenster) , das auf dem Quest 2 zu den experimentellen Features gehört. Dass Pico hier (noch) nicht mithalten kann, ist schade – schließlich fühlt sich kaum ein VR-Feature so sehr nach Zukunft an wie Hand-Tracking.

Der Snapdragon XR2 liefert eine gute Optik

Grafisch kann das Link durchaus überzeugen: Spiele wie After The Fall laufen flüssig und sehen – mit den üblichen Abstrichen bei Standalone-VR – auch sehr ordentlich aus. Weil nahezu identische Hardware wie beim Quest 2 zum Einsatz kommt, wundert es auch nicht, dass die Spiele und Apps auf beiden Geräten ähnlich aussehen; wesentliche Unterschiede in der Darstellungsqualität sind nicht erkennbar. Lästige Fliegengittereffekte (Screendoor) haben wir bei keiner App festgestellt. Im direkten Vergleich mit dem Quest 2 kann das Link also bei Standalone keinen Vorsprung herausarbeiten, es verliert aber gegenüber dem Meta-Headset auch keinen Boden.

Deutliche Unterschiede gibt es allerdings bei der Kabelanbindung: Die meisten User dürften mit der kabellosen VR-Nutzung vollauf zufrieden sein, weil sie die größte Bewegungsfreiheit bietet. Wer einen leistungsfähigen PC besitzt, kann diesen jedoch per Kabel mit dem Headset verbinden und hat so theoretisch Zugriff auf jede Menge SteamVR-Games in hoher Auflösung. Diese 2-in-1-Option bieten sowohl das Link als auch das Quest 2.

Der Unterschied: Beim Quest 2 läuft das über ein optional erwerbbares, fünf Meter langes Glasfaserkabel mit USB-C-Anschlüssen, alternative Fabrikate gibt es ebenfalls. Beim Pico-Gerät hingegen wird bereits ein fünf Meter langes Kabel mitgeliefert, das den USB-C-Anschluss am Headset mit dem Displayport am PC verbindet. Über dieses Kabel lassen sich 4K-Inhalte unkomprimiert auf das Headset streamen, also in besserer Qualität als mit dem Quest-2-Kabel, das die Grafikdaten nicht nativ überträgt, sondern als komprimierten Videostream.

Die Verkabelung umfasst eine kleine Verteilerbox für DP- und USB-Kabel, an die sich ein Netzteil (12V @ 2A) respektive eine Powerbank anschließen lässt. Der Vorteil: Man kann stundenlang verkabelt spielen, ohne sich um den Ladestand des Headset-Akkus sorgen zu müssen. Für unseren Test der Displayport-Verbindung haben wir drei grafisch anspruchsvolle VR-Games ausgewählt, nämlich Half-Life Alyx, Green Hell VR und After The Fall. Alle drei ließen sich ruckelfrei und auf hoher Detailstufe über das DP-Kabel spielen.

Speziell Alyx lässt sich in seiner ganzen Grafikpracht genießen: Details wie Mauerstrukturen, Efeu und Holz glänzen mit hoher Auflösung, bei Panoramen wie der Einstiegssequenz auf dem Balkon sind auch Details in der Ferne immer noch gut zu erkennen. Ähnlich sieht es beim kürzlich erschienenen Survival-Abenteuer Green Hell VR aus, dessen Dschungelvegetation merklich von der hohen Auflösung profitiert.

Und auch der Koop-Zombie-Shooter After The Fall macht noch ein bisschen mehr Spaß, wenn sich die Ruinen des postapokalyptischen Los Angeles hochauflösend bewundern lassen. Damit der Spaß nicht abrupt endet, lässt sich das Displayport-Kabel mit einer Schraubhalterung am Headset fixieren.

Drahtloses Gaming über Wi-Fi 6

Nun ist verkabeltes VR allerdings so eine Sache. Gerade bei Spielen mit hohem Körpereinsatz verheddert man sich schnell, was den Spielspaß merklich mindert. Das lässt sich vermeiden, indem man das Kabel von oben zuführt – als kreative Lösung eignet sich beispielsweise ein Regolit-Lampenständer von Ikea, der schon in unserem Cybershoes-Test zum Einsatz kam. Wer SteamVR-Titel auf dem Pico-Headset nutzen will, hat aber noch eine andere Möglichkeit: Streaming per WLAN.

Man kennt das vielleicht schon vom Quest 2: Dort lassen sich PC-Inhalte wahlweise über die die Quest-eigene App Air Link oder den (komfortableren) Virtual Desktop streamen. Beim Pico funktioniert das über eine Software namens Pico Link, die zwischen Headset-App und PC-Client kommuniziert. Für eine schnelle Datenübertragung sollten PC und Router per Ethernet-Kabel verbunden und das Headset möglichst nah am Router sein.

Pico Link unterstützt sowohl Wi-Fi 5 als auch Wi-Fi 6, was beim Streaming durchaus einen Unterschied macht: Via Wi-Fi 5 lief Half-Life Alyx nur mit störenden Rucklern und matschigen Texturen, via Wi-Fi 6 war das Streaming deutlich geschmeidiger, auch wenn es natürlich nicht an die Displayport-Variante heranreichte. Das grafisch weniger anspruchsvolle After The Fall ließ sich schon mit Wi-Fi 5 ganz ordentlich auf das Pico-Headset streamen. Das Bild war dabei etwas kontrastreicher als beim Streaming mit Virtual Desktop auf das Quest 2.

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Dass Pico die Nutzung von SteamVR-Apps ermöglicht, ist nicht nur ein Service für PC-User: Es kompensiert auch – zumindest teilweise – das noch recht überschaubare Angebot im Pico-Store. Zwar findet man dort schon einige beliebte Titel, die man von anderen VR-Plattformen kennt, zum Beispiel Superhot VR, Eleven Table Tennis, Walkabout Mini Golf VR, After The Fall, Arizona Sunshine Demeo, Puzzling Places, In Death Unchained, Ragnaröck und A Fisherman's Tale.

Allerdings fehlt unter anderem ein VR-Blockbuster wie Beat Saber, dessen Entwicklerstudio Beat Games mittlerweile zum Meta-Konzern gehört. Außerdem müssen Pico-User auf Oculus Originals wie Rock Band VR, Robo Recall oder Lone Echo 1/2 verzichten – und auch auf den Quest-2-Exklusivtitel Resident Evil 4.

Das Software-Ökosystem ist noch eingeschränkt

Momentan sind im Pico-Store knapp 200 Apps erhältlich; laut Pico soll es in den nächsten Wochen ständig Nachschub geben. Leider ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Youtube-App erhältlich, ebenso wenig wie der Virtual Desktop, der aber laut Entwickler bald für das Link erscheinen soll. Die Präsentation der Apps im Pico-Store ist im positiven Sinne nüchtern: Bestimmte Titel lassen sich über Suchfunktion und Kategorisierung leicht finden.

Was dem Pico-Ökosystem noch komplett fehlt, sind Live-Streamings, wie man sie vom Quest 2 kennt, also beispielsweise Konzerte oder Sportübertragungen. Ob Pico hier bald nachlegen wird, ist fraglich. Zwar gehört die Firma seit 2021 zu Bytedance, das wiederum die Social-Media-Plattform Tiktok betreibt. Dass Bytedance das Pico-Headset aber nutzen wird, um großflächig Tiktok-Videos zu promoten, halten wir für nicht so wahrscheinlich.

Der Pico-Store ist nahtlos in die Benutzeroberfläche des Link eingebettet. Das User Interface erinnert stark an das des Quest 2, ist aber etwas schlichter gehalten und hat auch weniger Einstellungsmöglichkeiten. Allerdings fühlt es sich irgendwie gut an, nicht – wie beim Quest 2 – ständig Daten an Facebook/Meta zu übermitteln. Was bei dem Link an Daten übermittelt wird, soll Pico zufolge primär der Weiterentwicklung des Headsets und des Ökosystems dienen – wobei man die Übermittlung der Beta-Nutzungsdaten auch verweigern kann.

Ein Pluspunkt des Link ist das weitgehend offene, auf Android 10 basierende Betriebssystem: Wer will, kann über das USB-Kabel externe Apps auf die Brille kopieren und dort nutzen. Als Wohnzimmer liefert Pico zunächst drei VR-Umgebungen mit: Eine recht spartanisches Raumschiff-Quartier, ein Chalet mit Blick auf Almen sowie Berge und ein futuristisches Haus auf einer Bergspitze, das spektakuläre Blicke in eine Canyon-Landschaft ermöglicht.

Picos Neo 3 Link: Verfügbarkeit und Fazit

Das Pico Neo 3 Link mit 256 GByte Speicherplatz kostet 450 Euro, erhältlich ist es bei Bestware(öffnet im neuen Fenster) . Zum Lieferumfang gehört der weitenverstellbare Head Strap, außerdem hat das Pico ausreichend Platz für Brillengestelle – so muss man nicht zusätzlich Abstandhalter kaufen, um ein Zerkratzen der Linsen respektive Gläser zu vermeiden.

Fazit

Als 2-in-1-Headset muss sich das Neo 3 Link am Quest 2 messen lassen. Und in diesem Duell schlägt sich das Pico-Gerät durchaus mit Bravour: In Sachen Standalone-Grafikqualität ähneln sich die beide Modelle stark – und zwar so sehr, dass es hier keinen Sieger gibt. Wer allerdings per Kabelanbindung SteamVR-Titel nutzt, bekommt beim Pico das bessere Bild: Das Displayport-Kabel liefert mehr Details als das USB-Kabel des Quest 2. Bei den Controllern wiederum hat das Quest 2 eine ergonomischere Lösung gefunden: Sie sind etwas leichter und besser zu greifen als die doch etwas klobigen Pico-Controller.

Wo das Quest 2 momentan klar dominiert, ist beim Ökosystem: Der Quest-Store bietet ein Vielfaches an attraktiven Apps, außerdem fehlen im Pico-Store absolute Must-Haves wie Beat Saber oder Lone Echo. Momentan ist noch nicht so richtig absehbar, wie stark sich Pico hinter den Ausbau des Ökosystems klemmen wird – und ob die Firma vielleicht mittelfristig sogar eigene Exklusivtitel entwickeln lässt. Bleibt zu hoffen, dass zumindest essenzielle Anwendungen wie die Youtube-App oder der Virtual Desktop schon bald ihren Weg in den Pico-Store finden.

Wer bereits ein Quest 2 besitzt, hat keinen wirklichen Grund, sich zusätzlich ein Link zu kaufen, dafür ähneln sich beide Headsets einfach zu sehr. Wer aber bisher nur ein Quest 1 besitzt oder gerade erst mit VR beginnt, der könnte sich durchaus für das Link entscheiden: Weil es keine nervige Facebook-Anbindung voraussetzt, weil es komfortabel sowie technisch top ist und weil es sich dank Displayport-Kabel hervorragend mit SteamVR kombinieren lässt.

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Welche Verbesserungen das Folgemodell aufweisen wird, ist momentan noch nicht abzusehen. Ein Wissensdilemma, vor dem allerdings auch jemand steht, wer gerade über den Kauf eines Quest 2 nachdenkt. Mit dem baldigen Start von Playstation VR 2 dürfte die Konkurrenz im Consumer-Markt nur noch größer werden.

Nachtrag vom 4. Juli 2022, 16:00 Uhr

In einer früheren Version des Textes hieß es, das Pico Neo 3 Link würde zwei Display nutzen – tatsächlich ist es ein LCD. Der mitgelieferte Glasses lässt sich zudem mit dem Nose Pad kombinieren, statt sich entscheiden zu müssen. Überdies haben wir ergänzt, dass sich an die Verteilerbox ein Netzteil oder eine Powerbank anschließen lässt.


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