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Physik: Weg mit der Schönheit!

Ist eine Theorie richtig, nur weil sie schön ist? Nein, sagt Sabine Hossenfelder. In ihrem Buch "Das hässliche Universum" zeigt die theoretische Physikerin, wie das Schönheitsdenken die Wissenschaft lähmt und erklärt dabei recht unterhaltsam die unterschiedlichen Theorien und Modelle der Teilchenphysik.

Eine Rezension von Friedemann Zweynert veröffentlicht am
Nuklearforscher am Cern
Nuklearforscher am Cern (Bild: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Der Kopf ist zum Denken da, erst recht der von theoretischen Physikern. Sabine Hossenfelder benutzt ihn darüber hinaus zum Augenrollen, Kopfschütteln und immer wieder für ein Augenzwinkern. In ihrem Buch "Das hässliche Universum: Warum unsere Suche nach Schönheit die Physik in eine Sackgasse führt", das im Verlag S. Fischer erschienen ist, nimmt sie sich äußerst kritisch die aktuelle Forschung zur Teilchenphysik vor.

Inhalt:
  1. Physik: Weg mit der Schönheit!
  2. Koryphäen und Exoten

Der Titel bringt auf den Punkt, womit sich Sabine Hossenfelder auf 368 Seiten auseinandersetzt: Sie bemängelt, dass sich zu viele Kollegen von Schönheit, Eleganz und Einfachheit überzeugen lassen, statt auf den experimentellen Beweis einer Theorie zu warten. Nur hätten schöne, elegante und einfache Theorien in den vergangenen Jahrzehnten zwar manche wissenschaftliche Karriere befördert, sich bei der Darstellung von Naturgesetzen aber immer wieder auch als ungenau und fehlerhaft erwiesen, stellt die Autorin fest. Und damit ist Sabine Hossenfelder nicht einverstanden. Als Physikerin aus Leidenschaft beschreibt sie sich und entsprechend leidenschaftlich ist auch ihr Kampf gegen den Schönheitsglauben.

Zu schön, um wahr zu sein

Damit die Leser - Kollegen wie Laien - begreifen, worum es in ihrer Auseinandersetzung geht, erklärt Sabine Hossenfelder so verständlich wie möglich die Grundlagen der Teilchenphysik. Dass sie komplexe Theorien gut erklären kann, beweist die Wissenschaftlerin auch auf ihrem Youtube-Kanal. Wie Schönheit die Physik in die Irre leitet, zeigt sie unterhaltsam an einigen Beispielen, etwa an Susy, der unter Teilchenphysikern lange äußerst beliebten Theorie der Supersymmetrie. Danach hat jedes Teilchen ein symmetrisches Partnerteilchen, den sogenannten Superpartner. Teilchen unterteilen sich in Fermionen, die sich niemals zusammen an einem Ort aufhalten würden, und in Bosonen, die der Grüppchenbildung nicht abgeneigt sind. Nach der Theorie sollte es zu jedem Fermion ein Boson geben, das dessen Superpartner ist und die gleiche Masse hat - und umgekehrt auch. Weil die Theorie der Supersymmetrie sich eben auch durch Schönheit auszeichnet, wurde sie in der Wissenschaft schnell populär und diente der Vorhersage weiterer Teilchen.

Doch ob der theoretische Ansatz stimmt, zeigt sich erst im experimentellen Nachweis, wenn also die vorausgesagten Teilchen tatsächlich gefunden werden. Beim Higgs-Boson war das der Fall. Das bereits in den 1960er Jahren vorausgesagte Teilchen wurde im Juli 2012 am Large Hadron Collider, dem teuersten und leistungsstärksten Teilchenbeschleuniger der Welt, am Cern bei Genf entdeckt. Bei allen anderen Teilchen hatte man dieses Glück bislang nicht.

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Zwar wird schon über größere Beschleuniger nachgedacht, insgeheim aber auch darüber, ob Susy nicht vielleicht doch nur eine schöne Hypothese ist, die nicht aufgeht. Das ist gravierend, denn laut Hossenfelder bauen nicht nur viele aktuell als grundlegend geltende Naturgesetze auf Susy auf, sondern auch zahlreiche Karrieren. Weil theoretische Physiker nicht damit rechnen dürfen, ein neues grundlegendes Naturgesetz innerhalb ihres Berufslebens überprüfen zu können, suchten sie bei der Wahl ihres Forschungswegs nach anderen Kriterien, schreibt die Autorin und stellt fest: "Die ästhetische Attraktivität ist eines dieser Kriterien."

Physiker sind eben auch nur Menschen mit ihren Eitelkeiten, Schwächen und Macken. Das wäre eigentlich halb so wild, wäre es nicht der allgemeine Anspruch an eine exakte Wissenschaft wie die Physik, zuallererst der Objektivität und Überprüfbarkeit ihrer Theorien verpflichtet zu sein. Wenn etwa Gian Francesco Giudice, der die Theorieabteilung am Cern leitet, schwärmt: "Auf eine schöne Theorie zu stoßen hat dieselbe emotionale Wirkung, wie vor einem Kunstwerk zu stehen", hält Hossenfelder entgegen: "Wir entwickeln keine Theorien, um emotionale Reaktionen hervorzurufen; wir suchen Erklärungen für das, was wir beobachten." Der Natur ist es schließlich egal, wie hübsch oder elegant eine Annahme ist. Stimmen muss sie.

Koryphäen und Exoten 
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Theoretiker 15. Nov 2018

Wo habe ich denn behauptet, dass die Theorien bewiesen sind? Ich schrieb nur, dass es...

dark_matter 04. Nov 2018

Von einer "felsenfesten Überzeugung" kann ich in der Physik bei diesem Thema nichts...

nosretep 02. Nov 2018

Ein kleiner Nachsatz: Frau Hossenfelders "Antwort" auf das Zitat des Chefs der...

rldml 02. Nov 2018

Stimmt! Bei mir hat es schon immer gestern geregnet! :D

dark_matter 29. Okt 2018

Als jemand der Physik studiert hat, kann ich nur empfehlen die originalen Bücher zu...


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