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Physik statt Chemie: Plasma ersetzt Dünger und Desinfektionsmittel

Mit Plasma behandelte Samen sind resistent gegen Keime und Schädlinge, Wasser lässt sich desinfizieren. Das spart Chemikalien und schont die Umwelt.
/ Mario Petzold
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Lupinensamen werden in einem Plasmareaktor behandelt. (Bild: INP)
Lupinensamen werden in einem Plasmareaktor behandelt. Bild: INP

Nach acht Jahren ist ein Forschungsprojekt unter Leitung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie(öffnet im neuen Fenster) abgeschlossen worden, in dem untersucht wurde, wie die Produktion in der Landwirtschaft ohne Chemie und dabei ressourcen- und umweltschonend gesichert werden kann. Dabei zeigte sich, dass vor allem die Behandlung mit Plasma, also ionisiertem Gas, die gleiche Wirksamkeit entfaltet wie der Einsatz der üblichen chemischen Mittel.

Wintergerste beispielsweise ließ sich mit Plasma genauso schützen wie durch chemisches Beizen. Die entsprechenden Mittel, die insbesondere für die Pilzbekämpfung eingesetzt werden, können ins Grundwasser gelangen, weshalb ein bekannter Wirkstoff bereits 2019 seine Zulassung verloren hat. Plasma wäre also eine willkommene Alternative.

Gleichzeitig zeigte sich, dass die Erträge erhöht wurden und die Quote beim Keimen gegenüber unbehandelten Samen um bis zu 40 Prozent gesteigert wurde. Das entspricht laut der Mitteilung der Wirksamkeit von Stickstoffdünger.

Wasserreinigung bereits im praktischen Einsatz

Entwickelt wurden zudem Demonstratoren für die Wasserreinigung. Hierbei kamen Filter, Ultraschall, Ozonbehandlung, ultraviolettes Licht und Plasma in Kombination zum Einsatz, um die chemische Desinfektion einzusparen.

Die Techniken sollen sich als wirkungsvoll erwiesen haben und wurden bereits in der Zuckerfabrik Anklam und in der Störtebeker-Brauerei eingesetzt.

Techniken für den landwirtschaftlichen Einsatz

Damit eine Nutzung in absehbarer Zeit erfolgen kann, wurden Methoden entwickelt, die sich unmittelbar übertragen lassen. So ließ sich geerntetes Getreide auf einem Förderband mit Plasma behandeln, um es für die Einlagerung im Silo vor Schädlingen zu schützen.

In einer eigenen Anlage für Hydrokulturen wurde das plasmabehandelte Wasser ebenfalls eingesetzt und erfüllte den Angaben nach die gleichen Standards wie konventionell gereinigtes Wasser. Dabei wurde geprüft, wie die Technik unter möglichst praxisnahen Bedingungen eingesetzt werden kann. Insgesamt sollen die rein physikalischen Methoden mit Plasma der chemischen Desinfektion und Düngung ebenbürtig sein.

Eine Übersicht der Projekte und der Forschungspartner findet sich auf der Projektseite Physics for Food(öffnet im neuen Fenster) .


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