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Zum Tod von Peter Higgs: Die Ehrung kam spät

Erst nach knapp 50 Jahren konnte Peter Higgs' Theorie, weshalb Elementarteilchen Masse haben, experimentell bestätigt werden – es folgte der Physik -Nobelpreis.
/ Werner Pluta
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Peter Higgs bei der Nobelpreisverleihung 2013 (Bild: JONATHAN NACKSTRAND/AFP via Getty Images)
Peter Higgs bei der Nobelpreisverleihung 2013 Bild: JONATHAN NACKSTRAND/AFP via Getty Images

"Dass ich erkenne, was die Welt / Im Innersten zusammenhält" , war Fausts Lebensantrieb in der gleichnamigen Tragödie. Gut 150 Jahre nachdem Johann Wolfgang von Goethe seinem Protagonisten diese Worte in den Mund legte, veröffentlichte Peter Higgs zwei Aufsätze, in denen er genau das beschrieb. Darin stellte Higgs die bis dahin vorherrschende Meinung über die Struktur von Materie infrage.

Er postulierte einen Mechanismus – der nach ihm Higgs-Mechanismus genannt wurde -, durch den die Eigenschaft "Masse" auf der Ebene der Elementarteilchen entsteht. Der britische Physiker starb am 8. April 2024 zu Hause "friedlich" und "nach kurzer Krankheit" im Alter von 94 Jahren, wie die Universität Edinburgh mitteilte(öffnet im neuen Fenster) , an der Higgs den Großteil seiner beruflichen Laufbahn verbrachte.

Die Suche nach dem Higgs-Boson

Der Higgs-Mechanismus beschreibt eine Wechselwirkung der Teilchen mit dem sogenannten Higgs-Feld. Dieses erzeugt durch die Wechselwirkung mit sich selbst ein Teilchen – das Higgs-Boson. Higgs Überlegungen flossen in das Ende der 1960er Jahre aufgestellte Standardmodell der Elementarteilchenphysik ein. Allerdings war das lange reine Theorie.

Was fehlte, war der experimentelle Beweis für die Theorie. "Wenn wir das Higgs-Teilchen finden, dann wissen wir, dass es den Higgs-Mechanismus gibt und damit haben wir die Erklärung im Standardmodell für die Masse der Elementarteilchen" , sagte der deutsche Physiker Rolf-Dieter Heuer anlässlich der Eröffnung des Large Hadron Collider (LHC) im Jahr 2008.

Der LHC ist der größte Teilchenbeschleuniger der Welt. Gebaut wurde die gigantische Anlage am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf in erster Linie aus einem Grund: das Higgs-Boson zu finden.

Und tatsächlich: Im Sommer 2012 lud das Cern zu einer Veranstaltung, bei der etwas Wichtiges bekanntgegeben werden sollte: Am 4. Juli verkündeten die Forscher der LHC-Experimente CMS und Atlas, sie hätten das Elementarteilchen gefunden . Higgs war eigens nach Genf gereist, um persönlich dabei zu sein, als die Sprecher der beiden Forschungsgruppen die wissenschaftliche Sensation bekanntgaben.

"Es war eine lange Wartezeit"

Im Jahr darauf erhielt Higgs für seine Vorhersage den Nobelpreis für Physik . Er teilte sich den Preis mit er dem Belgier François Englert, der unabhängig von Higgs ähnliche Überlegungen angestellt hatte.

Er habe nicht gedacht, dass das noch zu seinen Lebzeiten geschehe, sagte Higgs nach der Entdeckung auf einer Pressekonferenz. "Es war eine lange Wartezeit, aber sie hätte noch länger sein können, und ich wäre nicht mehr hier gewesen."

Higgs: 'Es ist manchmal ganz schön, Recht zu haben'

Seine Theorie war anfangs nicht ernst genommen worden. Gefragt, ob er jetzt, da diese bewiesen sei, eine gewisse Genugtuung fühle, sagte er nur: "Es ist manchmal ganz schön, Recht zu haben."

Peter Ware Higgs wurde 29. Mai 1929 in der nordostenglischen Stadt Newcastle upon Tyne geboren. Er studierte Physik am King's College in London und promovierte dort auch 1954. Im selben Jahr erhielt er eine Stelle an der Universität in der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Er kehrte 1956 für vier Jahre nach London zurück. Ab 1960 lehrte und forschte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 an der Universität in Edinburgh.

Weitere Ehrungen und politisches Engagement

Neben dem Nobelpreis für Physik erhielt der Physiker zahlreiche weitere Ehrungen für seine Arbeit, darunter 1997 zusammen mit Englert und Robert Brout den High Energy and Particle Physics Prize der European Physical Society und 2004 ebenfalls mit Englert und Brout den Wolf-Preis in Physik. 2015 verlieh ihm die Royal Society die Copley-Medaille. 2012 wurde er Mitglied des britischen Order of the Companions of Honour. Außerdem erhielt er mehrere Ehrendoktortitel.

Higgs war aber nicht nur Wissenschaftler, sondern engagierte sich auch politisch. In jungen Jahren unterstützte er die Campaign for Nuclear Disarmament (CND). Dort lernte er auch die Aktivistin Jody Williamson kennen, die er 1963 heiratete und mit der er zwei Söhne hat.

Er behielt aber stets seinen eigenen Kopf: Higgs verließ die Umweltschutzorganisation Greenpeace, als diese sich gegen Gentechnik wandte. Das sei etwas hysterisch gewesen, deshalb habe er nicht mehr dabei sein können. 2004 weigerte er sich, zur Verleihung des Wolf-Preises nach Israel zu reisen – aus Protest gegen die Palästinapolitik.

Peter Higgs starb im Alter von 94 Jahren am 8. April 2024.


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