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Phosphin und Ammoniak: Die Venus könnte vielleicht doch Leben beherbergen

Der nächste Nachweis für Phosphin in der Venusatmosphäre wurde erbracht. Mikrobielles außerirdisches Leben in den Wolken der Venus könnte damit möglich sein.
/ Patrick Klapetz
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Weltraum-Illustration der Venus. (Bild: Pixabay)
Weltraum-Illustration der Venus. Bild: Pixabay

In der Venusatmosphäre sind erneut Phosphin und Ammoniak entdeckt worden. Erste Hinweise auf Phosphin gab es im Jahr 2020 . Das Forschungsteam wurde für die Datenverarbeitung der Arbeit stark kritisiert. Bei dem jetzigen vorläufigen Nachweis, der auf dem National Astronomy Meeting 2024 vorgestellt(öffnet im neuen Fenster) wurde, wurden die vorherigen technischen Unstimmigkeiten ausgeräumt, erklärt das Forschungsteam.  

Der Nachweis wurde mit Submillimeter-Radiowellenlängen-Daten gemacht, die vom James Clerk Maxwell Telescope (JCMT) auf Hawaii und dem Green Bank Telescope in West Virginia gesammelt wurden. Dafür kam der neue Detektor am JCMT zum Einsatz: Nāmakanui (was auf Hawaiianisch "Große Augen" bedeutet). Innerhalb von drei Beobachtungskampagnen wurden jeweils 140-mal so viele Daten gesammelt, wie es noch bei der ersten vermeintlichen Entdeckung der Fall war.

Nāmakanui besteht aus drei verschiedenen Empfängern mit drei verschiedenen Frequenzen. Einer dieser Empfänger mit dem Namen 'Ū'ū (der Name eines besonderen großäugigen Fisches, der in den Gewässern um Hawaii im Dunkeln sehen kann) ist in der Lage, Phosphin sowie Schwefeldioxid und halbschweres Wasser (HDO) aufzuspüren – also Wasser mit einem Wasserstoffatom und zwei schweren Wasserstoffatomen oder Deuterium anstelle von zwei Wasserstoff- und dem üblichen einen Sauerstoffatom.

Sowohl Schwefeldioxid als auch HDO verändern sich mit der Zeit in den Wolken der Venus, und das Team möchte herausfinden, wie sich auch Phosphin verändert. Trotz der extremen Oberflächenbedingungen auf der Venus kann das Vorhandensein von Phosphin auf mögliches mikrobielles Leben in den Wolken des Planeten hindeuten .

Unklar, warum es Phosphin überhaupt gibt

"Wir wissen nicht, wie man Phosphin oder Ammoniak in einer sauerstoffhaltigen Atmosphäre wie der Venus herstellen kann" , erklärt Dave Clements (Imperial College, London) Space.com(öffnet im neuen Fenster) . Es ist aber auch unklar, warum die Biologie auf der Erde Phosphin – das etwa in Pinguinkot oder in den Eingeweiden von Dachsen vorkommt – produziert.

Der Astrophysiker sei offen für die Möglichkeit, dass sowohl Phosphin als auch Ammoniak durch eine seltene Photochemie in der oberen Atmosphäre der Venus entstehen, bei der das Ultraviolett der Sonne Moleküle aufbricht und die Bildung von Phosphin und Ammoniak aus den molekularen Trümmern ermöglicht.

Wenn dies der Fall sei, habe noch niemand diesen Prozess beobachtet – nicht einmal im Labor. Eine andere Möglichkeit sei, dass das Phosphin von Vulkanen auf der Venus erzeugt werden könnte.

Möglicherweise könnte die europäische Jupiter-Raumsonde Juice (Jupiter Icy Moons Explorer) weitere Forschungsdaten liefern. Diese fliegt nämlich im August 2025 an der Venus vorbei, um bei einem Swing-by-Manöver den nötigen Schwung für ihre Reise zum Jupiter zu holen. Die Instrumente an Bord von Juice können Phosphin und Ammoniak aufspüren. Jedoch gibt es laut Clemens keine Garantie dafür, dass die Instrumente beim Vorbeiflug eingeschaltet und eingesetzt werden.


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