Abo
  • Services:
Anzeige
Screenshot der Phising-Mail
Screenshot der Phising-Mail (Bild: Trendmicro)

Phishing-Studie: Neugier siegt über Sicherheitsbedenken

Screenshot der Phising-Mail
Screenshot der Phising-Mail (Bild: Trendmicro)

Allen Warnungen und Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz: Nutzer lassen sich sehr leicht auf eine Webseite locken, wenn die Phishing-Mail verführerisch genug klingt. Das sollte Auswirkungen auf die Sicherheitsarchitektur haben, fordern Forscher.

Menschliche Nutzer stellen offenbar einen nicht zu eliminierenden Unsicherheitsfaktor in Computersystemen dar. Einer Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zufolge hat sich fast die Hälfte der Versuchsteilnehmer durch eine Phishing-Mail dazu verleiten lassen, auf einen nicht vertrauenswürdigen Link zu klicken. Dabei war der großen Mehrheit von ihnen klar, dass solche Links eine Sicherheitsgefahr darstellen können.

Anzeige

Die Informatikerin Zinaida Benenson präsentierte ihre Ergebnisse auf der Hackerkonferenz Black Hat in Las Vegas. Demnach erhielten insgesamt 1.600 Studenten entweder eine E-Mail oder eine Facebook-Nachricht mit einem Link auf eine potenziell gefährliche Webseite. Bei einem ersten Versuch im September 2013 klickten 56 Prozent der E-Mail-Empfänger und 38 Prozent der Facebook-Nutzer auf einen Link, hinter dem Fotos einer privaten Party zu finden sein sollten.

Sicherheitsbewusstsein wird ausgeschaltet

Was die Forscher verwunderte: In einer anschließenden Befragung gaben nur 20 Prozent der Teilnehmer an, auf den Link geklickt zu haben. Aus diesem Grund entschied sich das Team für einen zweiten Test. Im Januar 2014 versprachen die Wissenschaftler 975 E-Mail-Nutzern und 280 Facebook-Nutzern Fotos von einer Silvester-Party. Dieses Mal jedoch ohne persönliche Ansprache. Dabei klickten nur noch 20 Prozent der E-Mail-Nutzer, jedoch 42 Prozent der Facebook-Mitglieder auf den gefährlichen Link.

Die hohe Klickrate verwunderte die Forscher. Denn in einer Befragung waren sich 82 Prozent der Teilnehmer der Gefahren bewusst, die durch das Anklicken eines Links entstehen können. Die Analyse der Daten habe jedoch gezeigt, dass es zwischen diesem Bewusstsein und dem Klickverhalten keine Verbindung gebe. Zudem hätten die Nutzer auch dann auf die Fotos geklickt, wenn sie vorher auf gar keiner Party gewesen seien. Die Wahrscheinlichkeit, dem Link zu folgen, sei zudem größer gewesen, wenn die Teilnehmer im Moment des Nachrichtenempfangs in guter Stimmung gewesen seien.

Neugier ist zu stark

Der häufigste Grund für die Sorglosigkeit: reine Neugier. Dies hätten 34 Prozent der klickenden Nutzer angegeben. Sie hätten sich für lustige oder private Inhalte interessiert, auch wenn sie gewusst hätten, dass diese eigentlich nicht für sie selbst bestimmt gewesen seien. Die Forscher hatten in der Mail die Neugier zusätzlich angestachelt, indem sie erwähnten, dass die Bilder nicht weitergegeben werden sollten. 27 Prozent der Nutzer fielen auf den falschen Inhalt herein, da sie vorher tatsächlich auf einer Party gewesen waren. 16 Prozent dachten demnach, dass sie den Absender kennen würden. Die Forscher hatten dazu Allerweltsnamen wie Sandra Müller oder Frank Bauer verwendet.

Angesichts solcher ernüchternden Ergebnisse fragen sich die Forscher, wie sich Firmen oder Organisationen vor sogenannten Spear-Phishing-Angriffen schützen sollen. Über eine präparierte E-Mail war es Hackern im vergangenen Jahr sogar gelungen, die IT-Systeme des Deutschen Bundestags großflächig zu infiltrieren. Ihr Fazit: "Mit sorgfältig gewähltem Design und Zeitpunkt der Nachricht sollte man praktisch jeden Menschen dazu bringen können, auf einen Link zu klicken. Denn jede Person interessiert sich für etwas Bestimmtes oder findet sich in einer Lebenssituation wieder, die Inhalt und Kontext der Nachricht entspricht."

Zu viel Misstrauen macht uneffizient

Der klassische Perimeterschutz, der das Eindringen von Angreifern verhindern soll, könne auf diese Weise nicht 100-prozentig garantiert werden. Trotz folgenreicher Angriffe mit Ransomware würde es die Arbeitseffizienz zu sehr beeinträchtigen, wenn Mitarbeiter jeder E-Mail grundsätzlich mit einem hohen Misstrauen begegneten und auf verschiedene Weise überprüften, bevor sie beispielsweise Anhänge öffneten. So schreiben die Forscher: "Wenn wir diesen Leuten beibringen, vorsichtig mit Rechnungen umzugehen, werden sie bald die richtigen übersehen, was sicherlich nicht begrüßt werden dürfte." Stattdessen sollten mit Hilfe einer tief gestaffelten Sicherheitsarchitektur (defense in depth) Nutzer und Organisationen geschützt werden. Die menschliche Neugier sei schließlich eine hoffentlich nicht zu patchende Sicherheitslücke.


eye home zur Startseite
ibsi 05. Aug 2016

Naja, aber da greift doch Regel #1: Klicke nie auf Links in Mails, sondern öffne die...

ibsi 05. Aug 2016

!!! DANKE! :D ymmd

Subsessor 05. Aug 2016

Oh man, danke. Ähnliches habe ich beim Lesen des Posts auch gedacht, wenngleich nicht so...

LennStar 04. Aug 2016

Klar kann man damit jeden zum Klicken bringen. Wenn mir X versprochen hat, er schickt mir...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. thyssenkrupp AG, Essen
  2. T-Systems International GmbH, Leinfelden-Echterdingen
  3. Daimler AG, Sindelfingen
  4. OSRAM GmbH, Augsburg


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 649,00€
  2. 1.039,00€ + 5,99€ Versand
  3. 337,99€

Folgen Sie uns
       


  1. Bildbearbeitung

    Google-Algorithmus entfernt Wasserzeichen auf Fotos

  2. Ladestationen

    Regierung lehnt Zwangsverkabelung von Tiefgaragen ab

  3. Raspberry Pi

    Raspbian auf Stretch upgedated

  4. Trotz Förderung

    Breitbandausbau kommt nur schleppend voran

  5. Nvidia

    Keine Volta-basierten Geforces in 2017

  6. Grafikkarte

    Sonnets eGFX Breakaway Box kostet 330 Euro

  7. E-Commerce

    Kartellamt will Online-Shops des Einzelhandels schützen

  8. id Software

    Quake Champions startet in den Early Access

  9. Betrug

    Verbraucherzentrale warnt vor gefälschten Youporn-Mahnungen

  10. Lenovo

    Smartphone- und Servergeschäft sorgen für Verlust



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
C64-Umbau mit dem Raspberry Pi: Die Wiedergeburt der Heimcomputer-Legende
C64-Umbau mit dem Raspberry Pi
Die Wiedergeburt der Heimcomputer-Legende

Ikea Trådfri im Test: Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
Ikea Trådfri im Test
Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
  1. Die Woche im Video Kündigungen, Kernaussagen und KI-Fahrer
  2. Automatisierte Lagerhäuser Ein riesiger Nerd-Traum
  3. Augmented Reality Ikea will mit iOS 11 Wohnungen virtuell einrichten

Surface Laptop im Test: Microsofts Next Topmodel hat zu sehr abgespeckt
Surface Laptop im Test
Microsofts Next Topmodel hat zu sehr abgespeckt
  1. Unzuverlässige Surfaces Microsoft widerspricht Consumer Reports
  2. Microsoft Surface Pro im Test Dieses Tablet kann lange
  3. Microsoft Neues Surface Pro fährt sich ohne Grund selbst herunter

  1. Re: "Kriminelle Kampagnen werden immer raffinierter."

    p4m | 22:31

  2. Re: Rechner mit Termin zu Haftprüfung und...

    ptepic | 22:13

  3. Re: Ich blocke nicht die Werbung auf Golem.

    elf | 22:13

  4. Re: Dabei reichten Störungen von einem halben...

    Cok3.Zer0 | 22:10

  5. Re: Simple lösung

    MarioWario | 22:08


  1. 14:38

  2. 12:42

  3. 11:59

  4. 11:21

  5. 17:56

  6. 16:20

  7. 15:30

  8. 15:07


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel