PGP im Parlament: Warum mein Abgeordneter keine PGP-Mail öffnen kann
Offiziell fordert das Europäische Parlament "Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Selbstverständlichkeit". Sucht man jedoch eine Möglichkeit, seinem Abgeordneten eine verschlüsselte E-Mail zu senden, trifft man auf ahnungslose Politiker, frustrierte Mitarbeiter und eine sehr vorsichtige IT-Abteilung - und das in Berlin genau wie in Brüssel.
E-Mail-Verschlüsselung gibt es seit Jahrzehnten. Seit der Veröffentlichung von GnuPG im Jahr 1997 unter der GNU Public License steht sie prinzipiell jedem zur kostenfreien Nutzung offen. Und trotzdem scheint diese sichere Art der elektronischen Kommunikation für die meisten Politiker und politischen Institutionen weiterhin Neuland zu sein.
- PGP im Parlament: Warum mein Abgeordneter keine PGP-Mail öffnen kann
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im EU-Parlament?
- Pilotprojekt für S/MIME läuft, Zukunft ungewiss
Die Frage ist dabei, wie sich Wähler mit sensiblen Anliegen auf sichere Art und Weise an ihre politischen Vertreter wenden können. Könnten Whistleblower eine Politikerin sicher auf Missstände hinweisen? Bei dem weitreichenden Hackerangriff auf den Deutschen Bundestag im Frühsommer 2015 wurden immerhin gigabyteweise E-Mails unerlaubt kopiert. Eigentlich müsste man annehmen, dass in den Parlamenten eine ganze Horde von IT-Experten an Lösungen für die sichere Kommunikation unserer Abgeordneten arbeitet. Wir haben uns daher in Brüssel und Berlin auf die Suche begeben.
Bundestag blockierte jahrelang OpenPGP und freie Software
Erste Anlaufstation: das Bundestagsbüro von Konstantin von Notz. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecher für Netzpolitik der Grünen im Bundestag macht sich seit Jahren für den Einsatz von PGP-Verschlüsselung im Bundestag stark. Als Obmann seiner Fraktion im NSA-Untersuchungsausschuss hat von Notz ein besonderes Interesse an sicherer E-Mail-Kommunikation. Sein Einsatz für Verschlüsselung zeigt aber offenbar nur mäßigen Erfolg.
"Die IT im Bundestag ist leider schlecht aufgestellt", sagt uns Konstantin von Notz. Theoretisch könne zwar jeder Abgeordnete die Installation von OpenPGP auf seinem Dienst-PC bei der Bundestagsverwaltung beantragen, das sei aber mit so viel Bürokratie verbunden, dass dies kaum wahrgenommen werde.
Für das im Bundestag vorhandene Setup, nämlich Windows 7 in Kombination mit Microsoft Outlook, gibt es tatsächlich mit Gpg4win eine kostenfreie und quelloffene OpenPGP-kompatible Software einschließlich Outlook -Plugin. Gegen Open-Source-Software wird aber offenbar aus politischen Gründen immer wieder opponiert, vor allem von konservativer Seite.
Früheren Recherchen von Netzpolitik.org zufolge hat die sogenannte IUK-Kommission des Bundestages die Nutzung von Thunderbird zusammen mit OpenPGP über ein Jahr lang verhindert. Inzwischen ist das verschlüsselte Mailen zwar wieder möglich, die Bundestagsverwaltung setzt dabei aber ausschließlich auf das proprietäre und kostenpflichtige Produkt "gpg4o" des deutschen Anbieters Giegerich & Partner GmbH. Die Installation freier Software ist nicht mehr vorgesehen.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
- ohne Werbung
- mit ausgeschaltetem Javascript
- mit RSS-Volltext-Feed
| Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im EU-Parlament? |









Stimmt schon, bringt bloß nichts, da die CA-Stelle im Active Directory nicht als...
Genau das machen E-Mail Programme in denen PGP/GPG bzw. S/MIME vernünftig implementiert...
Ich sehe da keinen Unterschied zu Signaturen epischer Länge und angehängten Logos und...
Wie denn? Passwortgeschützte Zip-Archive sind dafür auch nicht praktikabel. Große...