Mars-Rover Perseverance tut kaum Neues und kostet trotzdem viel

Perseverance nutzt die nur im Detail verbesserte Technik der Vorläufermission Mars Science Laboratory mit dem Rover Curiosity. Teilweise besteht Perseverance aus übrig gebliebenen Ersatzteilen. Obwohl die schwierige Entwicklungsarbeit längst getan war, kosten beide Missionen etwa 2,7 Milliarden US-Dollar, inklusive zehn Jahren Missionsbetreuung. Dabei wurde auf das nass-chemische Labor von Curiosity zur Analyse genommener Bodenproben verzichtet, genauso wie auf chemische Öfen und Massenspektrometer, um Geld zu sparen. Das waren die teuersten Instrumente.

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Neu sind ein Bodenradar, ein verbessertes Spektrometer für den Mast, ein Frequenzverdoppler für den Infrarotlaser, wie er in jedem grünen Laserpointer benutzt wird, eine Röntgenröhre und ein kleiner UV-Laser im Arm, mit Spektrometer. Nichts davon rechtfertigt zusätzliche Ausgaben in Milliardenhöhe, auch nicht die verbesserten Bordcomputer und die ergänzte Steuerungssoftware.

Die Entwicklung der kleinen Helikopterdrohne Ingenuity kostete 80 Millionen US-Dollar. Es ist kaum mehr als ein Spielzeug. Ingenuity hat nur die Steuerung und eine Kamera an Bord. Die Drohne soll in den nächsten 30 Tagen vier Flüge mit einer Dauer von höchstens 90 Sekunden unternehmen, mehr nicht. Der kleine Helikopter kostete etwa so viel wie der Marslander Beagle 2 mit allen Landesystemen und Instrumenten.

Abholung der Gesteinsproben ist ungewiss, aber mit Sicherheit teuer

Auf die Abholung der gesammelten Proben von Perseverance kann nur gehofft werden. Die Mission dazu sollte ursprünglich 2026 starten, wurde nun aber auf 2028 verschoben. Bei weiteren Verschiebungen würde die Landung während der Sturmsaison auf dem Mars stattfinden und deren Sicherheit gefährden. Ein Grund für die Verschiebungen ist, dass ein europäischer Rover die Proben einsammeln, aber selbst keine nehmen soll. Doch diese einst für 2018 vorgesehene Mission musste nach dem Absturz von Schiaparelli im Jahr 2016 mehrfach verschoben werden.

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1,5 Milliarden Euro sind für den europäischen Teil der Rückholmission geplant: ein Rover und ein Raumschiff, das die Probenkapsel zur Erde fliegt. Die USA stellen eine Landeplattform mit einer einfachen zweistufigen Rückkehrrakete, deren Kostenschätzung schon jetzt von 2,5-3 Milliarden US-Dollar auf 3,8-4,4 Milliarden gestiegen ist. Weitere Steigerungen sind nicht ausgeschlossen. Die Strategie dahinter ist klar: Die schon genommenen Proben sollen Druck ausüben, um auch hohe Missionsbudgets für die Rückführung durchsetzen zu können. Dabei könnten die Proben auch bei der Landung von einem anderen Rover genommen werden.

Überzogene Kosten, gestrichene Missionen

Wie beim James-Webb-Telescope, der SLS-Schwerlastrakete oder dem Artemis-Mondprogramm, bei der Ariane 6 oder dem Europäischen Marsprogramm stellt jede dieser Kostenüberschreitungen eine Tragödie für alle Beteiligten dar, die weit über das konkrete Projekt hinausgeht. Eine Milliarde Budgetüberschreitung für eine solche Prestige-Mission bedeutet unmittelbar, dass ein oder zwei andere große Missionen gestrichen oder gar nicht erst angedacht werden - auch wenn die Raumfahrtagenturen das Gegenteil behaupten.

Mars: Der rote Planet zum Greifen nah

Gestrichene oder fehlende Missionen bedeuten, dass Wissenschaftler ihre Arbeit nicht tun können oder nur sehr viel schlechter. Sie sind abhängig von neuen Publikationen. Aber statt mit neuen Missionen neue Daten gewinnen und auswerten zu können, müssen sie längst ausgewertete Daten mit immer weniger Gewinn nochmals analysieren. Statt wirklich neuer Erkenntnisse heißt es deshalb immer wieder nur: Wasser auf dem Mars!

Der verantwortungslose Umgang mit Geld in der Raumfahrt hat reale Konsequenzen für die Forschung, aber auch die beteiligten Menschen. Zusätzliche Kosten ohne erkennbaren Mehrwert - wie bei Perseverance, SLS oder der Ariane 6 - entstehen in der Praxis durch schlechte Planung oder politisch motivierte Entscheidungen. Das heißt, dass Hunderte oder Tausende Mitarbeiter über Jahre Arbeit für die Schublade oder den Papierkorb verrichten. Das ist diesen sehr wohl bewusst. Die Arbeitsmoral ist entsprechend schlecht, auch wenn das in der Öffentlichkeitsarbeit nicht auftaucht.

Der Applaus ist nur noch ein Ritual

Die vorgeplante Liveübertragung der Nasa zeigt eindrucksvoll, wie niedrig der Stellenwert der Wissenschaft in ihrer Arbeit inzwischen geworden ist. Das Spektakel hat längst über die Wissenschaft gewonnen. Die Wissenschaftler werden ungeachtet dessen versuchen, das Bestmögliche aus den Daten der Nasa-Missionen vom Mars zu machen. Aber für den Arbeitsaufwand und die ausgegebenen Geldsummen müssten es viel mehr sein, nicht nur vom Mars.

Noch funktionieren die eingeübten Rituale. Noch kommen der Applaus und der unhinterfragte Jubelchor für die Wissenschaft. Aber hinter der glänzenden Fassade der Raumfahrt steht ein marodes Gebäude. Den reflexhaften Applaus der vergangenen Nacht hat sich die Nasa längst nicht mehr verdient.

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 Perseverance: Diese Marsmission hat keinen Applaus verdient
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A. Tomic 09. Mär 2021

Dem kann ich voll und ganz zustimmen, wenn sich das als Selbstbezug auf dein eigenes...

A. Tomic 09. Mär 2021

Da kann ich nur zustimmen. Da ich selbst an einem Raumfahrtprojekt beteiligt bin, finde...

A. Tomic 09. Mär 2021

Dieser Artikel ist definitiv wie alle Artikel des Autors eine große Bereicherung der...

carcorpses 26. Feb 2021

Werden mal entsprechende Punkte die mich auch in der aktuell immer kommerzielleren...



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