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PEPP-PT: Streit beim Corona-App-Projekt

Im europäischen Konsortium PEPP-PT, das die Technologie für eine Corona-Tracking-App entwickeln will, gibt es einen Konflikt: Informationen über einen dezentralen Ansatz wurden ohne Absprache von der Webseite entfernt. Projektleiter Chris Boos sieht darin aber keinen Richtungsstreit.

Artikel von und Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
Zentrales oder dezentrales Corona-Infektions-Tracking? Offenbar gibt es hinter den Kulissen beim App-Projekt PEPP-PT gerade Streit. (Bild: We Are Covert, Wikimedia Commons)

Es gibt offenbar Uneinigkeit über den richtigen Ansatz bei der Entwicklung einer Corona-Tracking-App. Das europäische Projekt PEPP-PT hat heute alle Informationen über einen dezentralen Ansatz, der unter dem Namen DP-3T entwickelt wurde, von seiner Webseite genommen.

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Das PEPP-PT-Projekt hatte bis vor kurzem auf seiner Webseite erklärt, dass es sowohl zentrale als auch dezentrale Ansätze unterstützen möchte und in einzelnen Ländern unterschiedliche Lösungen implementiert werden können. Das dezentrale DP-3T-Protokoll wurde dabei als eine mögliche Variante genannt, die zurzeit begutachtet werde.

Infos über dezentrales Protokoll von Projektwebseite entfernt

Diese Sätze sind nicht mehr auf der Seite zu finden, am heutigen Donnerstag wurde jede Erwähnung des DP-3T-Protokolls von der PEPP-PT-Webseite entfernt. Über die Wayback Machine des Internet Archive lässt sich die alte Version der Seite noch abrufen.

Kenny Paterson forscht als Kryptograph an der ETH Zürich und war an der Entwicklung des dezentralen Protokolls DP-3T beteiligt. "Bislang hat uns niemand erklärt, warum die Informationen zu DP-3T von der Webseite entfernt wurden", sagte Paterson im Gespräch mit Golem.de. Bei einem am Donnerstag geplanten Online-Meeting seien die Vertreter von PEPP-PT aus Deutschland nicht aufgetaucht.

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Paterson kritisiert, dass bei möglichen zentralen Ansätzen bislang völlig unklar sei, wie diese genau funktionieren sollten. Das dezentrale DP-3T-Protokoll hat eine detaillierte Spezifikation sowie inzwischen auch ersten Quellcode unter freien Lizenzen auf Github veröffentlicht. Die von Google und Apple kürzlich angekündigte Schnittstelle für eine Corona-App orientiert sich am DP-3T-Protokoll und wird vermutlich damit kompatibel sein.

Ob ein dezentraler oder ein zentraler Ansatz sinnvoller ist, darüber gibt es auch unter Datenschutz-Experten unterschiedliche Ansichten. Klar ist aber bisher: Während für das dezentrale DP-3T-System eine genaue Spezifikation und viele Details zu den Designentscheidungen veröffentlicht wurden, die von jedem begutachtet werden können, fehlen entsprechende Informationen zum zentralisierten Ansatz bisher.

PEPP-PT schweigt zu den Vorfällen

Golem.de hat versucht, von PEPP-PT zu erfahren, warum das DP-3T-Protokoll von der Webseite entfernt wurde. Als Kontakt ist auf der Webseite eine Telefonnummer angegeben, die zur Frankfurter Firma Arago gehört. Dort erklärte man uns aber lediglich, dass man dazu nichts sagen könne und wir die Anfrage per E-Mail schicken sollen.

Auf diese Anfrage per Mail haben wir bisher keine Antwort erhalten. Auch eine frühere Anfrage des Autors dieses Artikels zu technischen Fragen der Umsetzung einer Corona-Tracking-App, die wir bereits vor einer Woche an PEPP-PT geschickt hatten, blieb bislang unbeantwortet.

Nachtrag vom 17. April 2020, 12:31 Uhr

Hans-Christian Boos, Mitinitiator von PEPP-PT und Gründer des Frankfurter KI-Unternehmens Arago, erklärte am Freitagmorgen auf die Frage, ob sich hier ein Richtungsstreit abzeichne, dass es sich lediglich um einen "Sturm im Wasserglas" handele. Sowohl der Ansatz für eine zentralisierte wie auch für eine dezentralisierte Architektur würden sich "bald" wieder auf der Webpage finden.

"Zwischen Wissenschaftlern gibt es hoffentlich immer Diskussionen, was der bessere Ansatz ist", so Boos. Dabei gehe es um "ein uraltes Thema der Krypto-Diskussion". Boos sagte, dass PEPP-PT den Ländern beide Möglichkeiten als Transportschicht anbiete und entsprechend auf der Website platzieren wolle: "Weil in den letzten Tage das Thema zentral und dezentral viel diskutiert wurde, wollten wir das Ungleichgewicht beseitigen und bauen die Page so um, dass beide Verfahren angemessen vertreten sind."

Vergangene Woche hatte Boos bereits angekündigt, dass die Plattform der Öffentlichkeit erst dann vorgestellt werde, wenn Fragen der IT-Sicherheit und des Datenschutzes geklärt seien. Der Quellcode der Lösung werde dann unter der Open-Source-Lizenz der Mozilla Foundation veröffentlicht werden. Boos hatte außerdem erklärt, dass er davon ausgehe, dass es in Deutschland aufgrund gesundheitsgesetzlicher Vorgabe eine zentrale Lösung geben werde.