Pendix eDrive: Ein E-Bike wie kein anderes
Fünf Ingenieure haben nach ihrem Studium die Pendix GmbH in Zwickau gegründet. Ihr erstes Serienprodukt im Jahr 2015: ein Pedelec-Umrüstbausatz für Fahrräder. Inzwischen vertreiben über 750 Händler weltweit die Produkte der Firma und 37 Hersteller bieten das System in Kombination mit ihren Fahrrädern an.
Für uns Grund genug, eine längere Probefahrt mit dem Antrieb von Pendix(öffnet im neuen Fenster) zu machen. Der unscheinbare Motor ist an der Tretkurbel befestigt(öffnet im neuen Fenster) und bildet nur einen Teil des eDrive genannten Systems. Der zweite ist der Akku(öffnet im neuen Fenster), der in verschiedenen Größen wechselbar in Flaschenform am Rahmen sitzt.
Pendix kann einfach an den meisten Rädern nachgerüstet werden – oder man kauft eines der umgerüsteten Modelle kooperierender Hersteller. Unser Testfahrrad kommt von der niederländischen Firma Santos(öffnet im neuen Fenster) und wird auf Wunsch ab Werk mit dem Pendix eDrive ausgeliefert. Es erscheint uns zunächst recht bullig, was aber nur an der G-One-Bereifung von Schwalbe liegt. Ansonsten ist es ein sehr gut ausgestattetes Trekkingrad und hat mit rund 8.000 Euro einen stolzen Preis.
Da, wie bereits erwähnt, das Fahrrad selbst ein beliebiges Modell sein könnte, lassen wir das Santos-Bike(öffnet im neuen Fenster) in diesem Test in den Hintergrund treten und konzentrieren uns auf den Antrieb.
Wir werfen zunächst einen genaueren Blick auf die Komponenten, bevor wir uns in den Sattel schwingen.

Der Motor sitzt mittig an der Tretkurbel, die durch ein Modell von Pendix ersetzt wurde. Lediglich eine dickere Umrandung auf der linken Seite und der Schriftzug des Herstellers an der Kurbel selbst lassen darauf schließen, dass hier etwas anders ist als bei anderen Fahrrädern. Im Alltag dürfte der in einem robusten schwarzen Metallgehäuse verborgene Motor kaum auffallen.
Das eMaschine benannte Aggregat liefert 250 Watt mit 65 Nm bis zu 25 km/h. Es hat kein Getriebe und ist gegen Umwelteinflüsse nach IP65(öffnet im neuen Fenster) geschützt. Wir finden die geringen Maße mit 30 cm Durchmesser und nur 3 cm Dicke erstaunlich schlank. Dass es trotzdem kraftvoll unterstützt, finden wir bald heraus.
Starker Antrieb und ausdauernder Akku
Der Motor setzt zwar erst nach einer halben Umdrehung ein, aber dann liefert er bereits in der geringsten von drei Stufen spürbare Leistung. Das Fahrgefühl ist gut, wir können den Antrieb nicht hören. Lediglich bei hoher Unterstützungsstufe können wir leichte Vibrationen unter unseren Sohlen feststellen, die aber nicht stören. Da es ein Drehmomentlager gibt, dosiert er seine Kraft zumindest teilweise abhängig davon, wie stark wir treten. Gerade die mittlere der drei Stufen ist sehr ausgewogen und harmoniert mit unserem Fahrverhalten.
Was wir bald feststellen: Die Pendix eMaschine ist gern in Bewegung. Weil wir beim Antritt kurz auf uns allein gestellt sind, liegt die Stärke des Motors wortwörtlich auf der Straße.
Beim Stoppen dreht der Motor noch kurz nach, was uns bei unserem Test im urbanen Verkehr nie auffiel, aber an einem Mountainbike im Gelände eher stören könnte. Wenn wir fahren, haben wir das Gefühl, dass wir stundenlang unterwegs sein könnten – was dank des großzügig dimensionierten Akkus sogar möglich wäre.
Der Griff zur Flasche
Der Akku ist in Flaschenform am Rahmen befestigt und aufgrund seiner Größe schon eher ein Hinweis auf die Elektrifizierung des Rades. Der runde Tubus hat einen LED-Ring an seiner Oberseite und wird dort auch durch Druck auf einen Knopf aktiviert. Ein spürbar einrastendes Drehrad dient zur Wahl der drei Unterstützungsstufen.
Die Motorsteuerung sitzt auf dem Unterrohr. Während wir das beim Canyon mit Fazua-Antrieb noch kritisierten, finden wir es hier in Ordnung. Das Drehrad ist groß genug, dass es sich leicht erreichen und bedienen lässt. Außerdem haben wir den Griff zur Flasche nur selten nötig, da die mittlere, "Smart" getaufte Stufe für unsere Pendelstrecke ausreicht.
Der Akku unseres Testrades heißt ePower 300(öffnet im neuen Fenster) und hatte dank seiner 300 Wh nach unserer Pendelstrecke von 65 km noch über 20 Prozent Ladung. Diese wird durch die Farbe des LED-Ringes angezeigt: Grün, Gelb, Rot geben ungefähr Auskunft über die verbleibende Reichweite. Wer es genauer wissen will oder Tacho und Routenführung benötig, installiert die App(öffnet im neuen Fenster) für Android oder iOS.
Sie ist mit einem Tastendruck verbunden und zeigt auch den aktuellen Status des Systems. Sogar die Untertützungsmodi lassen sich hier anpassen. Das Design ist funktional, lediglich einen besseren Zugriff auf die sogenannte Pendleransicht würden wir uns wünschen. Sie lässt die Kartenansicht zugunsten der wichtigsten Parameter und des besser erkennbaren Tachos ausgeblendet. Leider hatten wir mitunter das Problem, dass sich unser Android-Telefon nicht auf Anhieb automatisch mit dem Rad verband. Zwar ist eine Neukoppelung in Sekundenschnelle erledigt, mehr Zuverlässigkeit wäre aber schöner.
Zack, Akku ab
Wenn der Akku leer ist, lässt er sich mit einem Handgriff abnehmen und ist mit dem recht voluminösen Netzteil innerhalb von drei bis vier Stunden vollgeladen. Am Rad selbst kann nicht nachgetankt werden. Wir empfehlen außerdem eine Befestigung des Akkus per Klettband am Rahmen. Die Klick-Sicherung von Pendix macht zwar einen robusten Eindruck, aber das Berliner Kopfsteinpflaster brachte den Akku mitunter zum Klappern, wenn er gegen den Rahmen stieß. Für einen kurzen Einkauf hat Pendix eine metallische Lasche integriert, an der sich ein Schloss befestigen lässt, das den Akku sichert. Wer sein Rad länger auf der Straße parkt, wird jedoch die absolut simple Entnahme des Akkus lieben lernen. Noch bei keinem unserer Test-E-Bikes ging das so einfach.
Bleibt die Frage, für wen sich Pendix eignet. Wir sehen drei Szenarien: Wer schon ein sehr gutes Rad besitzt und es ohne Probleme beim Rückbau in ein Pedelec verwandeln möchte, bekommt so ein absolut individuelles E-Bike. Auf der anderen Seite gibt es die Fahrradhersteller, die ihre Räder unkompliziert in zwei Varianten anbieten können. Das erweitert die Auswahl für die Käuferschaft. Die dritte Variante ist, dass man sich sein Traumfahrrad kauft und dann in ein E-Bike verwandeln lässt.
Beim Umbau ist jedoch zu beachten, dass die Schaltung eventuell zu viele Gänge für das E-Biken haben könnte. Bei unserem Testmodell von Santos fanden wir beispielsweise die 14-Gang-Rohloff-Schaltung eher überdimensioniert. Wir übersprangen oft gleich mehrere Gänge, weil die Fahrweise beim Pedelec anders – und schnittiger – ist als beim Fahrrad. Hier hätten sieben Gänge locker ausgereicht. Auch das zusätzliche Gewicht sollte in die Rechnung einfließen, je nach Konfiguration sind es mindestens sieben Kilogramm.
In Deutschland gibt es viele Vertragswerkstätten(öffnet im neuen Fenster), die den Umbau zügig erledigen können.
Verfügbarkeit und Fazit
Verfügbarkeit
Pendix eDrive kann entweder vormontiert an einem der Räder kooperierender Hersteller erworben oder nachgerüstet(öffnet im neuen Fenster) werden. In letzterem Fall kostet es zwischen 1.650 und 2.480 Euro zuzüglich 50 bis 150 Euro für die Montage. Zubehörteile wie das erwähnte Sicherungsband, Netzteile und Abdeckungen für die Komponenten bietet Pendix direkt zum Kauf an(öffnet im neuen Fenster).
Fazit
Wir sind gern mit dem Pendix-Antrieb geradelt. Der Motor ist absolut unauffällig, sowohl im Aussehen als auch in der Bewegung. Die Unterstützung harmonierte gut mit unserer Fahrweise; dass der Antrieb nahezu geräuschlos ist, machte die Sache rund.
Auch in puncto Akkulaufzeit überzeugte uns Pendix. Der 300 Wh fassende Akku reichte locker für 80 Kilometer gemischter Unterstützung bei gerader Strecke, normalem Untergrund und sommerlichen Temperaturen. In der Kombination Fahrrad und Sparmodus sollten 100 Kilometer kein Problem darstellen. Diese Werte hängen natürlich maßgeblich von dem genutzten Fahrrad ab.
Besonders gefallen hat uns die leichte Akku-Entnahme, die das E-Bike mit einem Handgriff wieder in ein Fahrrad verwandelt. Der ausgeschaltete Motor erzeugt keinen spürbaren Widerstand. Die App für Android und iOS ist zwar nützlich, aber wir hatten mitunter Verbindungsprobleme.
| Motorleistung | Mittelmotor, 48 V, 250 W, 65 Nm |
| Akkukapazität | 300 oder 497 Wh, abnehmbar |
| Ladezeit | ca. 3,5 Stunden |
| Reichweite laut Hersteller | bis zu 70 km (300 Wh) / bis zu 120 km (497 Wh) |
| Reichweite gemessen (normale Witterung, ebene Strecke) | über 100 km (497 Wh Akku) |
| Gewicht | 6,9 kg (davon 2,3 oder 2,9 kg Akku) |
| App / Bluetooth-Schnittstelle | ja |
| Preis | ab 1650 Euro |
Das Pendix-System ist etwas für Menschen mit individuellen Vorlieben bei der Auswahl des Rades, die den Komfort eines E-Bikes nicht missen möchten. Kritikpunkte gibt es aus unserer Sicht kaum. Der Antritt ist weniger sportlich als andere Antriebe, das leichte Nachschieben des Motors beim abrupten Bremsen fällt außerhalb von Offroad-Einsätzen nicht ins Gewicht. Beim Umbau eines vorhandenen Fahrrades sollte man sich aber vorher überlegen, ob die Komponenten auch an einem E-Bike Sinn ergeben. Als Beispiel sei hier eine Schaltung mit sehr vielen Gängen genannt, die beim motorunterstützten Fahren eher nerven dürfte.
Die Umrüstung eines Fahrrades zum Pedelec ist reversibel, aber wir glauben, dass kaum jemand wieder zurückwechseln möchte, wenn er oder sie einmal auf dem individuellen E-Bike gesessen hat.
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