Pegasus Mail: "Ich bin einfach kein Geschäftsmann"

Pegasus Mail ist seit 30 Jahren das Projekt eines einzigen Programmierers, der gegen übermächtige Konkurrenz und mitunter sich selbst kämpfen musste: David Harris.

Ein Interview von Martin Wolf veröffentlicht am
Der Pegasus war jahrelang für viele Menschen das Sinnbild für digitale Post.
Der Pegasus war jahrelang für viele Menschen das Sinnbild für digitale Post. (Bild: Pexels / Montage: Golem.de)

Der Inhalt der ersten elektronischen Post, die mit Pegasus Mail versandt wurde, ist leider verloren gegangen. Aber es war im Dezember vor 31 Jahren, als David Harris sein Programm unter dem damaligen Namen Comnet Mail erstmals testete. Nur wenige Wochen später war es einsatzfähig.

Inhalt:
  1. Pegasus Mail: "Ich bin einfach kein Geschäftsmann"
  2. Gute Zeiten, schlechte Zeiten
  3. Die Zukunft von Pegasus Mail

Um etwas Kontext zu geben: 1989 war das Jahr, in dem Tim Berners Lee mit der Entwicklung des World Wide Web begann. Nichts von dem, was wir heute in der digitalen Welt als alltäglich ansehen, war außerhalb eines kleinen Personenkreises populär oder überhaupt bekannt. Insofern kann man den Neuseeländer David Harris durchaus als Pionier bezeichnen und seine Idee, ein freies Mailprogramm zu veröffentlichen, als lebensverändernd - für die zahlreiche Nutzerschaft in den Jahren nach 1990, aber vor allem für ihn selbst.

Wir haben ihn zum Jubiläum von Pegasus Mail interviewt und herausgefunden, wie es dazu kam, dass 2007 die Einstellung des Programms verkündet wurde. Im Gespräch betont Harris, dass die Entwicklung weitergeht und er hofft, dass Pegasus Mail wieder attraktiver wird - für Menschen, die große Mengen Mails effizient und schnell verwalten wollen und dabei auf Datensicherheit und Verschlüsselung Wert legen. Wir veröffentlichen neben der übersetzten Version auf seine Bitte hin hier auch die englische Originalfassung des Gesprächs.

Golem.de: Wie ist Pegasus Mail entstanden?

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David Harris: Ich war für die Installation des ersten Novell-Netware-Netzwerkes an der Universität von Otago zuständig, wo ich 1989 gearbeitet habe. Wir statteten Versuchsräume mit der besten erhältlichen Technik für die Wirtschaftsfakultät aus, aber erst nach der Installation von Netware bemerkte ich, dass es keinen Mail-Client hatte. Das überraschte mich ziemlich, weil ich an VMS und Unix gewöhnt war, wo sowas zum Lieferumfang gehörte. Als ich also herausfand, dass das Industrie-Vorzeige-System PC-Netzwerk keine Mail hatte, war das unerwartet. Die verfügbaren Programme waren recht teuer - und wir hatten unser Budget eigentlich aufgebraucht. Also schrieb ich über das Wochenende zu Hause ein eigenes Mail-System.

Das klingt möglicherweise etwas prahlerisch, aber das ist genau so, wie es passiert ist. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon länger in der Entwicklung tätig und hatte deshalb gute DOS-Werkzeuge, daher hielt sich der Aufwand für einen einfachen Mailer in Grenzen. Ein paar Wochen, nachdem ich ihn an der Universität implementiert, hatte, wunderte ich mich über den hohen Speicherplatzbedarf. Es stellte sich heraus, dass die Studenten ihn mehr benutzten als ihre Lernprogramme.

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Danach setzte ich ihn bei einem Freund am College of Business Administration in Hawaii auf und war überrascht, dass er sofort sehr hohe Downloadzahlen erreichte. Das setzte eine Art Lawine in Gang. Ich hätte nie angenommen, dass er so populär werden würde, aber ich nehme an, so ist das manchmal - das Gesetz der ungewollten Konsequenzen erfasste mich.

Golem.de: Woher nahmen Sie die Gewissheit, dass Sie überhaupt einen eigenen funktionierenden Client hinbekommen würden?

Harris: Ich habe angepasste Datenbanksysteme als freier Programmierer entwickelt, bevor ich an der Universität anfing - langweiligen Kram für Auktionshäuser und Ähnliches. Dadurch hatte ich erfahren, wie die Nutzerschaft selbst die ausgefeiltesten Programme kaputtspielen kann. Das brachte mir neben ein paar guten Tools vor allem die Erkenntnis, dass Einfachheit wichtig ist. Ich finde gute Tools ungemein wichtig und ich denke sogar, dass ich es mehr mag, Werkzeuge zu schreiben als die Anwendungen, die sie nutzen.

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Gute Zeiten, schlechte Zeiten 
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TW1920 05. Jan 2021

Darum nutzt man auch kein Gmail ...

TW1920 05. Jan 2021

Das eine (Pmail) wird von einem Entwickler entwickelt, das andere von einem ganzen Team...

TW1920 05. Jan 2021

Jep, sehe ich auch so. Ein Problem bei vielen alten Programmen ... Das auf jeden Fall...

elknipso 27. Dez 2020

Bei den irrsinnigen Summen welche die Mozilla Stiftung jedes Jahr verbrennt hoffe ich...

BLi8819 26. Dez 2020

Was gibt es bei einem Mailprogramm denn groß zu erlernen? Klar, wenn ich ein Mailsystem...



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