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PC-Markt: Gaming als Rettung des Computers

Gamescom 2016
In den vergangenen Jahren wurden immer weniger Computer verkauft, besonders die Absatzzahlen der großen Hersteller wie Lenovo oder HP sinken. Deswegen fokussieren sich die Hersteller auf ein Segment mit Wachstumspotenzial: den Gaming-Markt.
/ Sebastian Wochnik
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Auch Lenovo hat sinkende Absatzzahlen. (Bild: Sebastian Wochnik/Golem.de)
Auch Lenovo hat sinkende Absatzzahlen. Bild: Sebastian Wochnik/Golem.de

Im vergangenen Jahr wurden weniger als 300 Millionen PCs verkauft - so wenig wie zuletzt 2008. Zwischen acht und zehn Prozent gingen die Verkaufszahlen im vergangenen Jahr zurück, besonders die großen Hersteller trifft es: Neben schwächeren Verkaufszahlen gingen auch die Marktanteile um teilweise mehr als ein Prozent zurück.

Grund dafür sei das stärker werdende Interesse an Smartphones und Tablets. Es werden aber auch immer weniger neue PCs nötig: Wer vor drei oder vier Jahren einen neuen Computer angeschafft hat, wird für die gängigsten Anwendungsszenarien kaum mehr Leistung benötigen. Doch es gibt Hoffnung: Im Gaming-Markt sehen die Hersteller viel Potenzial und greifen damit nach dem rettenden Strohhalm eines kleiner werdenden Markts - das wird aus zahlreichen Gesprächen mit Herstellern auf der Gamescom deutlich.

Tower-PC, Notebook, Monitor, Tastatur, Maus - alles Gaming-Editionen

Seit einiger Zeit versuchen die sonst eher auf Business- und Mainstream-Geräte fokussierten Hersteller wieder verstärkt, Produkte im Gaming-Markt vorzustellen: vom klassischen Gaming-Tower über den Gaming-Cube, das Gaming-Notebook, den Gaming-Monitor bis hin zur eigenen oder in Kooperationen entwickelten Gaming-Peripherie. Die Hersteller versuchen wieder verstärkt, eigene Gaming-Marken aufzubauen. "Kunden wollen nicht ewig nach dem perfektem Produkt suchen, sondern stattdessen eine konkrete Marke kaufen" , hieß es aus Branchenkreisen.

Ein recht offensichtliches Beispiel für diese Entwicklung ist HPs Omen-Serie: Vor zwei Jahren stellte der Hersteller erste Gaming-Notebooks unter dem neuen Markennamen vor und begann, langsam einen größeren Fokus auf das Gaming-Segment zu legen. 2015 folgten weitere neue Modelle, in diesem Jahr kamen Gaming-Tower hinzu, zur Gamescom zeigte HP sogar eigene Peripherie und stellte einen neuen Monitor in Aussicht.

Parallel dazu begann der Hersteller durch Kooperationen mit Youtubern und Twitch-Streamern, die neue Marke weiter zu stärken und dadurch in den bisher von anderen Herstellern beherrschten Gaming-Sektor vorzudringen.

Mit Influencern die Marken stärken

Generell suchen immer mehr Hersteller nach Kooperationsmöglichkeiten mit Gaming-Influencern. "Wenn ein Youtuber ein Produkt nutzt, wollen es die Fans haben. Und das auch, wenn die Konkurrenz eigentlich bessere Produkte anbietet" , sagte ein Produktmanager im Gespräch mit Golem.de. Solche Produktplatzierungen seien wichtiger als klassische Werbebanner auf Webseiten.

Einen VR-Ready-PC bitte!

Ein weiterer Faktor ist das steigende Interesse an Virtual-Reality-Systemen. Auch wenn bisher nur 200.000 Einheiten des Oculus Rift und HTC Vive verkauft worden sind und bisher einfach die Killeranwendungen für den Durchbruch im Massenmarkt fehlen, sei eine VR-Ready-Zertifizierung für Kunden wichtig. Wer heute einen Gaming-PC kauft, will einen ausreichend leistungsstarken PC haben, um in den kommenden Jahren auch für Virtual Reality gerüstet zu sein.

Tagesrückblick (Donnerstag) - Gamescom 2016
Tagesrückblick (Donnerstag) - Gamescom 2016 (07:33)

Das freut die Hersteller natürlich, denn vielleicht greift ein Kunde zu einem etwas stärkeren - und entsprechend teureren - Modell. Dass aber in zwei bis drei Jahren wahrscheinlich deutlich leistungsstärkere Systeme nötig werden, wird dem Kunden dabei nicht gesagt.

Das Konzept scheint aufzugehen

Die Fokussierung auf stärkere Marken im Gaming-Bereich scheint aufzugehen. Die Verkäufe der im Gaming-Segment bisher nicht so präsenten Hersteller seien zwischen 5 und 10 Prozent gestiegen, durch die höherpreisigen Produkte in dem Segment sei der Umsatz aber um bis zu 20 Prozent gewachsen.

Zudem sind die Margen im Gaming-Bereich deutlich höher als in anderen PC-Segmenten. Auffällig ist das bei Tastaturen und Mäusen: einfach ein paar LEDs in das Produkt einbauen und einen Sticker draufpappen, und schon ist es das ultimative neue Gaming-Produkt. Die Hersteller kosten solche Kleinigkeiten wenige Cents, der Endkunde soll aber einen vielfach höheren Preis bezahlen.

Außerdem sind die CPU- und Grafikkartenpreise nicht direkt gestiegen, aber das Limit ist nach oben hin größer geworden. Nvidias High-End-Grafikkarte Titan X kostet rund 1.200 Euro, Intels Topprozessor knapp 1.700 Euro. Entsprechend setzen die Fertig-PC-Hersteller die Preise noch ein wenig höher, denn wer so viel Geld investiert, den stören auch noch einmal 50 oder 100 Euro mehr nicht unbedingt.

Doch muss noch skeptisch betrachtet werden, inwieweit sich die steigenden Verkäufe im Gaming-Bereich tatsächlich auf den gesamten Absatz der einzelnen Hersteller auswirken werden. Das Interesse an PCs sinkt einfach - das Gaming-Segment alleine wird das nur schwer auffangen können.


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