Abo
  • Services:
Anzeige
Joseph Hunter, der in Le Roux' Drogengeschäfte verwickelt war, bei der Festnahme 2013 in Thailand - Bilder von Le Roux selbst sind rar.
Joseph Hunter, der in Le Roux' Drogengeschäfte verwickelt war, bei der Festnahme 2013 in Thailand - Bilder von Le Roux selbst sind rar. (Bild: Chaiwat Subprasom/Reuters)

Paul Le Roux: Der Truecrypt-Erfinder, ein Drogenbaron und Auftragskiller

Joseph Hunter, der in Le Roux' Drogengeschäfte verwickelt war, bei der Festnahme 2013 in Thailand - Bilder von Le Roux selbst sind rar.
Joseph Hunter, der in Le Roux' Drogengeschäfte verwickelt war, bei der Festnahme 2013 in Thailand - Bilder von Le Roux selbst sind rar. (Bild: Chaiwat Subprasom/Reuters)

Es klingt wie eine Mischung aus James Bond und dem Film Lord of War - Händler des Todes: Ein junger brillanter Crypto-Programmierer erfindet Truecrypt und baut anschließend ein globales Drogenkartell auf. Recherchen des Journalisten Evan Ratliff zeigen aber, dass es genau so wirklich war.
Von Jan Weisensee

Jahrelang war Paul Le Roux aus dem Internet verschwunden. Der Mann aus Simbabwe, der als Erfinder des populären Verschlüsselungsprogramms Truecrypt gilt, war noch bis 2002 in einer Vielzahl von Onlineforen aktiv, meist unter eigenem Namen. Nach einem Streit mit seinem damaligen Arbeitgeber Securstar über die Verwendung firmeneigener Codestücke in Truecrypts Vorgängerprogramm verlor sich seine Spur.

Anzeige

Der US-Journalist Evan Ratliff hat nun unter dem Titel The Mastermind für The Atavist Magazine eine überraschende Verknüpfung zwischen zwei scheinbar grundverschiedenen Persönlichkeiten hergestellt: zwischen Paul Le Roux, dem jungen Truecrypt-Erfinder aus Simbabwe, und Paul Le Roux, dem international gesuchten Drogenboss mit Auftragsmord als Teil seines Geschäftsmodells.

Vom Opensource-Programmierer zum Drogenbaron

Den Recherchen Ratliffs zufolge hatte Le Roux nach seiner Kündigung bei Securstar finanzielle Schwierigkeiten. Ziemlich pleite erhielt er von einem Bekannten in Costa Rica den Tipp, dass sich der Verkauf von Pharmaka im Internet finanziell lohne. In wenigen Jahren baute Le Roux daraufhin ein über vier Kontinente spannendes Imperium für illegalen Medikamente- und Drogenhandel, Waffenschmuggel und Auftragsmord auf, das noch immer nicht vollständig aufgearbeitet ist.

Aber wie konnte es so weit kommen?

Le Roux kam 1972 in Simbabwes zweitgrößter Stadt Bulawayo zur Welt. Von seinen leiblichen Eltern zur Adoption freigegeben, kam er in einer gut situierten, weißen Unternehmerfamilie unter. Im Jahr 1984, Le Roux war gerade zwölf Jahre alt, floh seine Familie vor den politischen Umbrüchen nach Südafrika. Simbabwe hieß damals noch Südrhodesien, und der 1980 zum Ministerpräsidenten ernannte Robert Mugabe entriss der weißen Minderheit ihre Privilegien. Kurze Zeit später, das erfuhr Ratliff von Verwandten Le Rouxs, bekam dieser seinen ersten Computer und vertiefte sich schnell ins Programmieren.

E4M als politisches Projekt

Bald nach Erscheinen von Windows NT 4.0 im Jahr 1997 veröffentlichte Le Roux "Encryption for the Masses" (E4M) als kostenloses, quelloffenes Programm zur Erstellung verschlüsselter Container, Partitionen und ganzer Festplatten. Nach zwei Jahren Entwicklungszeit kündigte er das Programm offiziell in der Usenet-Gruppe alt.security.scramdisk an. Die Screenshots von E4M, die noch heute mit Stand 8. April 2001 über das Internet Archive abrufbar sind, lassen bereits erste Ähnlichkeiten mit dem späteren Truecrypt erkennen. Obwohl Le Roux die Domain e4m.net vor allem nutzte, um sein damaliges eigenes Software-Unternehmen SW Professionals zu bewerben, legte er E4M auch eine politische, überraschend aktuelle Botschaft bei:

"Privatsphäre ist immer schwieriger zu finden. Heute wird jeder überall und jederzeit überwacht. Von der lokalen Videoüberwachung im Supermarkt bis hin zu digitalen Bildaufnahmen in der Bankfiliale, der U-Bahn oder an der Straßenecke. Regierungen geben Sozialversicherungsnummern aus, Krankenversicherungsnummern, Personalausweisnummern, Reisepassnummern, Steuernummern, usw. Einige Regierungen gehen sogar so weit, Fingerabdrücke ihrer Bürger zu sammeln. […] Starke Verschlüsselung ist der Mechanismus, mit dem wir solche Eingriffe bekämpfen, unsere Rechte schützen und unsere Freiheit im Informationszeitalter und darüber hinaus garantieren können."

E4M war ein Erfolg und Le Roux wurde 2001 als Programmierer bei der neu gegründeten Münchener IT-Sicherheitsfirma Securstar GmbH eingestellt. Ratliffs Recherchen zufolge wollte Securstar die Technologie von E4M mit dem eigenen Verschlüsselungsprodukt Drivecrypt zusammenführen. Bei E4M erinnert man sich gut an Le Roux, der nach Zwischenstationen in den USA, Großbritannien, Australien und Hongkong inzwischen in den Niederlanden lebte.

Von Medikamenten und Mord 

eye home zur Startseite
johnripper 07. Apr 2016

..wie sehr Golem mit seinen Artikel anderen Verlagen in Qualität inbs. Recherche weit...

AntonZietz 06. Apr 2016

Ja und? Das die Beschreibung einer einzelnen Episode, die nichts mit TrueCrypt zu tun...

berritorre 04. Apr 2016

Gilt deine Antwort mir? Dann verstehe ich den Zusammenhang nicht...

DY 04. Apr 2016

Wieder mal großes Kino der Märchenwelt. Man basht Truecrypt und dazu noch seinen...

berritorre 03. Apr 2016

Richtig, um als Drogenboss aufzusteigen musst du quasi automatisch auch schwerstkriminell...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Comline AG, Dortmund
  2. ARRK ENGINEERING, München
  3. MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN, Berlin
  4. HIT Hanseatische Inkasso-Treuhand GmbH, Hamburg


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 49,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie
  2. 12,85€ + 5€ FSK18-Versand

Folgen Sie uns
       


  1. Fahrdienst

    London stoppt Uber, Protest wächst

  2. Facebook

    Mark Zuckerberg lenkt im Streit mit Investoren ein

  3. Merged-Reality-Headset

    Intel stellt Project Alloy ein

  4. Teardown

    Glasrückseite des iPhone 8 kann zum Problem werden

  5. E-Mail

    Adobe veröffentlicht versehentlich privaten PGP-Key im Blog

  6. Die Woche im Video

    Schwachstellen, wohin man schaut

  7. UAV

    Matternet startet Drohnenlieferdienst in der Schweiz

  8. Joint Venture

    Microsoft und Facebook verlegen Seekabel mit 160 Terabit/s

  9. Remote Forensics

    BKA kann eigenen Staatstrojaner nicht einsetzen

  10. Datenbank

    Börsengang von MongoDB soll 100 Millionen US-Dollar bringen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Olympus Tough TG5 vs. Nikon Coolpix W300: Die Schlechtwetter-Kameras
Olympus Tough TG5 vs. Nikon Coolpix W300
Die Schlechtwetter-Kameras
  1. Mobilestudio Pro 16 im Test Wacom nennt 2,2-Kilogramm-Grafiktablet "mobil"
  2. HP Z8 Workstation Mit 3 TByte RAM und 56 CPU-Kernen komplexe Bilder rendern
  3. Meeting Owl KI-Eule erkennt Teilnehmer in Meetings

E-Paper-Tablet im Test: Mit Remarkable machen digitale Notizen Spaß
E-Paper-Tablet im Test
Mit Remarkable machen digitale Notizen Spaß
  1. Smartphone Yotaphone 3 kommt mit großem E-Paper-Display
  2. Display E-Ink-Hülle für das iPhone 7

Parkplatz-Erkennung: Bosch und Siemens scheitern mit Pilotprojekten
Parkplatz-Erkennung
Bosch und Siemens scheitern mit Pilotprojekten
  1. Community based Parking Mercedes S-Klasse liefert Daten für Boschs Parkplatzsuche

  1. Naiv

    Pldoom | 05:17

  2. Bitte löschen.

    Pldoom | 05:16

  3. Re: Aber PGP ist schuld ...

    Pete Sabacker | 03:31

  4. Re: Wie sicher sind solche Qi-Spulen vor Attacken?

    Maatze | 02:48

  5. Re: "dem sei ohnehin nicht mehr zu helfen"

    LinuxMcBook | 02:45


  1. 15:37

  2. 15:08

  3. 14:28

  4. 13:28

  5. 11:03

  6. 09:03

  7. 17:43

  8. 17:25


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel