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Eine Waffe ohne direkten Vergleich

Das Alleinstellungsmerkmal der 358 liegt in ihrer Rolle als patrouillierende Flugabwehrwaffe. Nahezu alle anderen Loitering Munitions weltweit – Switchblade, Harop, Shahed-136, Lancet – greifen Bodenziele an. Die 358 greift nach oben an.

Der Shahed-136 wiegt mit rund 200 kg fast das Vierfache und ist für Bodenangriffe mit einer Einwegreichweite von bis zu 2.000 km ausgelegt, aber mit nur 185 km/h viel zu langsam, um Luftziele zu bekämpfen. Der US-amerikanische Switchblade 600 ist mit 22,7 kg deutlich leichter und für Panzerbekämpfung konzipiert, kann aber keine Luftziele angreifen.

Der israelische IAI Harop mit 135 kg und bis zu 1.000 km Reichweite ist auf Radarbekämpfung spezialisiert und greift ebenfalls nur Bodenziele an. Die 358 ist mit rund 700 km/h schneller als alle genannten Vergleichssysteme, weil sie bewegliche Luftziele abfangen muss. Ihre Patrouillierzeiten sind deutlich geringer als bei klassischen Loitering Munitions, und ihr Einsatz kann – im Gegensatz zu Switchblade und Harop – nicht abgebrochen und auf ein neues Ziel umgelenkt werden.

Der entscheidende taktische Vorteil bleibt ihre Radarlosigkeit: konventionelle SEAD-Maßnahmen greifen nicht(öffnet im neuen Fenster) . Russische Analysten stufen die 358 als wirksam gegen UAV und Hubschrauber(öffnet im neuen Fenster) ein, aber als ungeeignet gegen schnelle Kampfjets, außer bei einer sehr spezifischen Abschussgeometrie.

Die 358 wurde Russland vorgeführt, aber abgelehnt

Im September 2023 besuchte der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu Teheran(öffnet im neuen Fenster) und wurde von IRGC-Luftwaffen-Kommandeur Brigadegeneral Amir-Ali Hajizadeh persönlich durch eine IRGC-Waffenausstellung geführt, bei der die 358 erstmals offiziell vom Iran vorgestellt wurde. Laut Defense Express(öffnet im neuen Fenster) hat der Iran die 358 Russland 2023 aktiv angeboten, Russland lehnte jedoch ab.

Der Einsatz einer 358 wurde in der Ukraine nicht dokumentiert. Im Gegensatz dazu lieferte der Iran nachweislich Tausende Shahed-136 sowie im September 2024 Fath-360-Kurzstreckenraketen an Russland.

Was kommt als Nächstes? – Der Nachfolger 359

Offizielle Kostenangaben zur 358 existieren nicht. Analytische Schätzungen reichen von unter 50.000 bis zu 120.000 US-Dollar. Die Kosten-Asymmetrie – eine 358 für vielleicht 30.000 bis 50.000 US-Dollar gegen einen MQ-9 Reaper für 32 Millionen US-Dollar – zeigt Irans Strategie billiger, aber nützlicher Waffen. Die modulare Bauweise mit kommerziellen Komponenten deutet auf relativ einfache Skalierbarkeit hin. Ob die USA mittlerweile Irans Fähigkeit, die Drohne in Massen zu bauen, dezimiert haben, ist nicht bekannt.

Die wichtigste Entwicklung seither ist die Vorstellung der 359-Rakete(öffnet im neuen Fenster) – eines vergrößerten Nachfolgers mit 150 km Reichweite, bis zu 1.000 km/h Geschwindigkeit, über 9.000 m Einsatzhöhe und einem wahrscheinlich iranisch produzierten Toloue-10-Turbojet. Die entscheidende Neuerung: Die 359 kann per Fallschirm geborgen und wiederverwendet werden. Sie soll AWACS, Luftbetankungsflugzeuge und höher fliegende Drohnen bekämpfen. Erstmals auf iranischem Boden wurde die 359 am 8. Januar 2025 während der Großübung Great Prophet 19 abgefeuert(öffnet im neuen Fenster) . Ob sie im aktuellen Krieg eingesetzt wurde, ist unbekannt.

Die 358 hat drei grundlegende Veränderungen bewirkt, die über ihren unmittelbaren taktischen Nutzen hinausgehen. Sie hat nicht-staatlichen Akteuren erstmals eine glaubwürdige Flugabwehrfähigkeit gegeben, die zuvor Staaten mit komplexer Radarinfrastruktur vorbehalten war. Sie hat die Verwundbarkeit westlicher Drohnen schlagartig offengelegt. Und sie zeigt, wie kommerzielle Off-the-Shelf-Technologie – eine niederländische Modellflug-Gasturbine, ein niederländischer Trägheitssensor, einfache IR-Sensoren – zu einer kampferprobten Waffe kombiniert werden kann, die Milliarden-Dollar-Systeme bedroht.

Defense Express argumentierte im Januar 2026, dass die Ukraine das 358-Konzept studieren solle, um russische Jet-Drohnen zu bekämpfen. Die 358 mag als Nischenwaffe begonnen haben – doch sie hat das Potenzial, eine neue Waffenkategorie zu definieren.


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