Der niederländische Turbojet und die Hongkonger Briefkastenfirmen
Das Marschflugtriebwerk der 358 wurde vom UN-Expertenpanel für den Jemen eindeutig identifiziert: Es handelt sich um die AMT Titan, eine kommerziell erhältliche Mikro-Gasturbine der niederländischen Firma AMT Netherlands B.V. aus Geldrop bei Eindhoven.
Dieses Triebwerk wurde ursprünglich für RC-Modellflugzeuge und kleine UAV entwickelt und leistet 392 Newton Schub bei 98.000 Umdrehungen pro Minute. Es wiegt nur 3.350 Gramm und kostet rund 12.000 Euro. Es handelt sich um ein handelsübliches Produkt, keine iranische Kopie, sondern direkt beschafftes Material.
Die Beschaffungskette wurde anhand der Seriennummern der bei den US-Navy-Beschlagnahmungen 2019 und 2020 sichergestellten Triebwerke rekonstruiert. AMT Netherlands hatte die Triebwerke an zwei Firmen in Hongkong geliefert: HSJ Electronics und Vista Automation & Communication.
Beide Unternehmen gehören derselben Person, Zhang Hongfeng. Mindestens eine der Firmen hatte einen in Iran ansässigen Mitarbeiter.
Die niederländischen Exportlizenzen untersagten ausdrücklich den Weiterverkauf oder Reexport – diese Auflage wurde ignoriert. Der Trägheitsnavigationssensor vom Typ Xsens MTi-100 stammt ebenfalls aus den Niederlanden und wurde über ähnliche Kanäle beschafft.
Die konkret nachgewiesene China- und Hongkong-Verbindung bei der 358 betrifft die Weiterleitung niederländischer Komponenten über Hongkonger Scheinfirmen, nicht die Lieferung originär chinesischer Bauteile. Das US-Finanzministerium verhängte zwischen 2023 und 2025 wiederholt Sanktionen gegen in China und Hongkong ansässige Unternehmen(öffnet im neuen Fenster) , die Bauteile für Irans Drohnen- und Raketenprogramme beschafft hatten – zuletzt im Februar 2025 gegen sechs Firmen in Hongkong und Shenzhen, darunter Dingtai Industrial Technology und Shenzhen Zhiyu International Trade. Diese Sanktionen betreffen jedoch das gesamte iranische UAV-Programm.
Radarloser Infrarot-Suchkopf
Das Lenksystem der 358 arbeitet vollständig ohne Radaremission – eine Eigenschaft, die sie für konventionelle SEAD-Taktiken, also die Bekämpfung feindlicher Flugabwehr, nahezu unsichtbar macht. In der Nase sitzt ein bildgebender Infrarot-Suchkopf, der Wärmesignaturen von Luftzielen autonom erfasst und verfolgt. Ergänzt wird er durch einen TV-Sensor für sichtbares Licht als Dual-Mode-Fähigkeit.
Hinter dem Nasensuchkopf befindet sich das auffälligste Merkmal der 358: ein ringförmiges Array von Sensoren um den Rumpf. Die New York Times berichtete 2020 unter Berufung auf US-Militärquellen von einem Dutzend Infrarotlinsen in einem Ring um die Rakete, die in der Lage sein sollen, die Infrarot-Gegenmaßnahmen von Koalitions-Hubschraubern zu überwinden.
Experten beschreiben(öffnet im neuen Fenster) 16 Laserziel-Sensoren für eine 360-Grad-Erfassung. The War Zone analysierte, dass es sich möglicherweise um zwei Reihen auf unterschiedlichen Wellenlängen handelt – eine für IR-Lenkung, eine für den Laser-Annäherungszünder.
Die 358 operiert in drei Modi: Im gelenkten Modus lokalisieren bodengestützte Wärmebildkameras oder Radare das Ziel und lenken die Rakete in den Zielbereich, wo der Infrarot-Suchkopf übernimmt. Im autonomen Modus wird die 358 in einen Luftraum mit hoher Wahrscheinlichkeit feindlicher Fluggeräte geschossen und patrouilliert in einer Acht-Formation, bis sie ein vorprogrammiertes Zielprofil erkennt. Im halbautonomen Modus kann ein Bediener über eine Telemetrieverbindung die Flugbahn in der Endphase korrigieren.
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