Abo
  • Services:
Anzeige
Eine Patientin in einem englischen Krankenhaus
Eine Patientin in einem englischen Krankenhaus (Bild: Christopher Furlong/Getty Images)

Ärzte, die nicht mitmachen, müssen Sanktionen fürchten

Anzeige

Sobald das System in Kraft tritt, werden sensible Patientendaten aus Bhatias Praxis im Monatsrhythmus auf NHS-Server übertragen: Neben biologischen Kennzahlen wie Blutdruck sind das auch Angaben zu Diagnosen, zu chronischen Erkrankungen, zu verschriebenen Medikamenten. Noch gibt es ein paar Ausnahmen: Angaben etwa zur sexuellen Identität, HIV-Infektionen, Geschlechtskrankheiten und Abtreibungen sollen zunächst nicht exportiert werden. Die Daten werden zusammen mit dem Geburtsdatum und dem Geschlecht des Patienten, der Postleitzahl und der NHS-Nummer übertragen, sind also mitnichten anonym. Die Anonymisierung soll erst im NHS-Rechenzentrum stattfinden - und als Arzt hat man keine andere Wahl, als beim neuen System mitzumachen. Wer die Daten nicht überträgt, soll vom NHS mit Sanktionen belegt werden. Nur der Patient selbst kann einen Opt-Out-Antrag einreichen.

Mit seiner Website will Bhatia eine Basis für informierte Entscheidungen schaffen. Für das, was er tut, wäre eigentlich der NHS selbst zuständig. Nicht zuletzt, um die Ärzte selbst zu informieren. Die meisten von ihnen haben auch nicht mehr Ahnung vom System als ihre Patienten: 80 Prozent wissen nicht genau, wie und wofür die Daten verwendet werden sollen. Sind die Daten erst in der NHS-Cloud, kann kein Hausarzt und kein Patient mehr herausfinden, was genau mit ihnen passiert.

Inzwischen kritisiert auch die britische Datenschutzbehörde den NHS. "Sagt den Leuten, was ihr tut, wie ihr es tut und wann ihr es tut", sagt Dawn Monaghan vom Information Commissioner's Office. Damit ist aber nicht Transparenz im Einzelfall der Datennutzung gemeint, sondern eine bessere Erklärung des geplanten Systems. Die vorherrschende Meinung von Regierungsbeamten: Das System ist toll, wir haben es nur nicht gut genug erklärt. Inzwischen wurde der Start um ein halbes Jahr verschoben. Bis zum Herbst will der NHS die Briten von care.data überzeugen.

Kein Kommunikationsproblem

Schlechte PR ist nicht das eigentliche Problem, glaubt Big-Data-Experte Viktor Mayer-Schönberger. Das care.data-Debakel habe nicht nur etwas mit Kommunikation zu tun. Was mit care.data nicht stimmt, ist "die konkrete Implementation, die den Menschen offensichtlich nicht genug Vertrauen gibt." Doch das bedeute noch lange nicht, dass das Prinzip Big Data im Gesundheitssektor versagt habe: "Die wenigsten Menschen würden sich dagegen stemmen, dass ihre Daten in der Forschung und zur besseren Diagnose und Behandlung von Krankheiten verwendet werden." Aber sie müssten dem System vertrauen können.

Vertrauen hätten die Patienten erst, wenn man ihnen echte Kontrolle über ihre Daten gäbe, sagt Bhatia. "Niemand traut mehr der Regierung zu, für sie Entscheidungen zu treffen." Patienten sollten bestimmen können, für welche Zwecke ihre Daten verwendet werden - etwa nur für internen NHS-Gebrauch, oder auch für kommerzielle Studien, allerdings nicht von dem Pharmakonzern X oder Y.

Und was passiert, wenn die Regierung einfach weitermacht wie bisher? "Ohne Einverständnis der Patienten wird es niemals Vertrauen geben. Die Zahl der Opt-Outs wird wachsen. Nach und nach werden mehr Leute von care.data erfahren und ihre implizite Zustimmung zurückziehen." Dann habe care.data aber keine Zukunft. Der NHS bliebe auf Datensätzen sitzen, die nicht mehr aktualisiert würden.

Dass die Regierung care.data aufgibt, hält Bhatia trotzdem für unwahrscheinlich: "Wir würden uns schon wieder zum Gespött machen." Zuletzt hat der NHS vor drei Jahren ein kostspieliges IT-Projekt abgebrochen. Das Lorenzo genannte System für elektronische Patientenakten war zehn Jahre lang in der Entwicklung. Kosten für die Steuerzahler: zehn Milliarden Pfund.

 Patientendaten: Der elektronische englische Patient

eye home zur Startseite
TheABB 16. Apr 2014

Ein hervoragender Überblick. Pass auf wenn Sie auch deutschen Verwandten, langfristigen...

User_x 09. Apr 2014

hier war doch elena ein pilotprojekt... einen vorteil gibt es bestimmt: versicherung wird...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Schwarz Business IT GmbH & Co. KG, Neckarsulm
  2. PHOENIX CONTACT GmbH & Co. KG, Blomberg
  3. Bosch Software Innovations GmbH, Waiblingen
  4. operational services GmbH & Co. KG, München / Ottobrunn


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. Mad Max, Legend of Tarzan, Conjuring 2, San Andreas, Creed)
  2. 9,99€
  3. (u. a. Predator 2 und Predators für je 3€ und Fight Club für 2,96€+ jeweils 5€ FSK-18...

Folgen Sie uns
       


  1. Energy Harvesting

    Biobrennstoffzelle erzeugt Strom aus Schweiß

  2. Neue Firmware

    Zwangsupdate für DJIs Spark-Drohne gegen Abstürze

  3. High Speed Rail

    Chinas Züge fahren bald wieder mit 350 km/h

  4. iPhone am Steuer

    Apple will an Autounfällen nicht schuld sein

  5. Filmfriend

    Kostenloses Videostreaming für Bibliothekskunden

  6. EMotion

    Fisker-Elektroauto soll in 9 Minuten Strom für 200 km laden

  7. Electronic Arts

    Hunde, Katzen und Weltraumschlachten

  8. Microsoft

    Age of Empires 4 angekündigt

  9. Google

    Android 8.0 heißt Oreo

  10. KI

    Musk und andere fordern Verbot von autonomen Kampfrobotern



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Nach Anschlag in Charlottesville: Nazis raus - aber nur aus PR-Gründen
Nach Anschlag in Charlottesville
Nazis raus - aber nur aus PR-Gründen
  1. Bundesinnenministerium Neues Online-Bürgerportal kostet 500 Millionen Euro
  2. EU-Transparenz EuGH bekräftigt nachträglichen Zugang zu Gerichtsakten
  3. Rücknahmepflicht Elektronikschrott wird kaum zurückgegeben

Radeon RX Vega 64 im Test: Schnell und durstig mit Potenzial
Radeon RX Vega 64 im Test
Schnell und durstig mit Potenzial
  1. Radeon RX Vega Mining-Treiber steigert MH/s deutlich
  2. Radeon RX Vega 56 im Test AMD positioniert sich in der Mitte
  3. Workstation AMD bringt Radeon Pro WX 9100

Threadripper 1950X und 1920X im Test: AMD hat die schnellste Desktop-CPU
Threadripper 1950X und 1920X im Test
AMD hat die schnellste Desktop-CPU
  1. Ryzen AMD bestätigt Compiler-Fehler unter Linux
  2. CPU Achtkerniger Threadripper erscheint Ende August
  3. Ryzen 3 1300X und 1200 im Test Harte Gegner für Intels Core i3

  1. Sehr allumfassende Überschrift

    M.P. | 11:16

  2. Schwachsinn

    jsm | 11:14

  3. Re: dass der Akku in 9 Minuten wieder für 200 km...

    My2Cents | 11:14

  4. Schanghai???

    non_existent | 11:13

  5. Re: Und hier ist das nervige Problem

    ve2000 | 11:13


  1. 11:23

  2. 10:58

  3. 10:21

  4. 09:52

  5. 09:02

  6. 07:49

  7. 07:23

  8. 07:06


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel