Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Partnerzeit: SAP plant 6 Wochen Freistellung für Väter nach Geburt

Die Bundesregierung berät über ein Gesetz, durch das Väter nach der Geburt ihres Kindes zwei Wochen bezahlt freigestellt werden sollen. SAP geht weiter.
/ Sebastian Grüner , dpa
12 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
SAP geht bei der Partnerzeit voran. (Bild: Jakub Porzycki via Reuters Connect)
SAP geht bei der Partnerzeit voran. Bild: Jakub Porzycki via Reuters Connect

Der Softwarekonzern SAP ist bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in die Offensive gegangen. Das Dax-Unternehmen aus Walldorf teilte am Donnerstag der Belegschaft in Deutschland mit, ab dem kommenden Jahr Väter oder andere Partner oder Partnerinnen nach der Geburt ihres Kindes sechs Wochen bezahlt freizustellen.

"Wir wollen damit zeigen, dass Familienvereinbarkeit und Karrieremachen keine Widersprüche sind" , sagte der Personalchef von SAP in Deutschland, Cawa Younosi. Er rechne mit 700 bis 800 Vätern pro Jahr, wenn mehr als 90 Prozent der Berechtigten das Angebot annehmen. Dabei sollen Kosten in Höhe von jährlich mehreren Millionen Euro anfallen. Andere Unternehmen wie Continental aus Hannover sind zurückhaltender.

"Eine zusätzliche Väterzeit halten wir vor dem Hintergrund unserer bereits bestehenden Angebote und der damit möglichen Flexibilität nicht für notwendig" , teilte der niedersächsische Autozulieferer und Reifenhersteller mit.

Bundesregierung plant Gesetz

Im Koalitionsvertrag hatten die Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP angekündigt, eine zweiwöchige vergütete Freistellung für den Partner oder die Partnerin nach der Geburt eines Kindes einzuführen. Für das Vorhaben kursieren unterschiedliche Begriffe, mal ist von Vaterschaftsurlaub, mal von Väterzeit die Rede – da es meistens Vätern zugutekäme. SAP nennt sein Programm Partnerzeit.

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) sprach am Dienstag über das Vorhaben und nannte es "Familienstartzeit" . Damit solle dem Partner oder der Partnerin Zeit gegeben werden, sich um die Mutter zu kümmern und sie bei der Regeneration zu unterstützen. Der Gesetzentwurf werde derzeit innerhalb der Bundesregierung beraten. Im November des vergangenen Jahres hatte Paus noch eine Umsetzung für das Jahr 2024 angekündigt. Auf Anfrage wollte sich das Ministerium nun zu einem konkreten Zeitpunkt nicht offiziell äußern.

SAP als Vorreiter

Dass SAP mit dem Programm ein Vorreiter zu sein scheint, zeigen Anfragen bei mehreren Dax-Unternehmen. Die meisten heben in ihren Antworten bestehende Angebote hervor und betonen, sich an neue Gesetze halten zu wollen. So weit wie SAP lehnte sich aber keines der angefragten Unternehmen aus dem Fenster. Vereinzelt gab es auch Kritik an dem Vorhaben der Koalition.

So begrüßte Siemens zwar den Ansatz einer Väterzeit hinsichtlich einer Gleichverteilung der familiären Betreuungsarbeit zwischen den Geschlechtern – findet aber, dass die Freistellung aus Steuermitteln finanziert werden sollte.

Die bisherigen Möglichkeiten seien gut etabliert und würden von Vätern wie Müttern gerne in Anspruch genommen, sagte ein Sprecher der DHL Group. Der Sportwagenbauer Porsche begrüßte die Pläne der Bundesregierung ebenso wie die Deutsche Telekom.

In zahlreichen Unternehmen in Deutschland gibt es einer aktuellen Umfrage zufolge für Väter keinen Sonderurlaub nach der Geburt eines Kindes. Das sei in 44 Prozent der befragten Unternehmen der Fall, geht aus einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Familienministeriums hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Demnach gewähren 26 Prozent der befragten Unternehmen einen Tag, bei weiteren 26 Prozent sind es zwei Tage. Bei lediglich vier Prozent seien es mehr als zwei Tage.


Relevante Themen