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Partnerschaften: Nutzer wollen Anbieter bei Glasfaser selbst auswählen

Was für Partnerschaften gibt es eigentlich bei Glasfaser , und was sind die Probleme dabei? Ein Vergleichsportal und der Breko erklären.
/ Achim Sawall
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Manche Partnerschaften sind erzwungen: Stadtwerke München, M-net und Telekom (von links: Rodrigo Diehl, Christian Scharpf,  Florian Bieberbach, Maximilian Oertle) (Bild: Stadtwerke München)
Manche Partnerschaften sind erzwungen: Stadtwerke München, M-net und Telekom (von links: Rodrigo Diehl, Christian Scharpf, Florian Bieberbach, Maximilian Oertle) Bild: Stadtwerke München

Nutzer wollen aus möglichst vielen Glasfasernetzen zwischen mehreren Anbietern wählen. Das hat Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei dem Vergleichsportal Verivox, am 7. Januar 2026 gesagt(öffnet im neuen Fenster) . "Die Zahl der aktuell bestehenden Partnerschaften dürfte längst dreistellig sein" , erklärte er.

Gut 90 Prozent der Netznutzungsmodelle basieren laut Verivox auf einem Bitstrom-Zugang. Ähnlich wie beim DSL-Resale bietet dabei ein Glasfaser-Netzbetreiber anderen Anbietern einen Netzzugang auf Basis einer standardisierten Vorleistung. Ein Anbieter mietet einen Datenstrom des Netzbetreibers. Damit können viele Anbieter ihren Endkunden zwar eigene Angebote machen, ohne selbst auszubauen. Aber das Glasfaser-Endprodukt ist nicht beliebig konfigurierbar.

"Wer Bitstrom-Zugänge anbietet, öffnet sein Netz, behält aber gleichzeitig die Fäden in der Hand – und generiert einen größeren Teil der Marge als bei anderen Vorleistungsmodellen" , erklärte Schamberg. "So wird die Deutsche Telekom als mit Abstand relevantester Netzbetreiber von Wettbewerbern dafür kritisiert, dass sie ihr Glasfasernetz zwar über Bitstrom öffnet, umgekehrt aber keine Zugänge alternativer Anbieter anmietet."

Telekom: Glasfaser selbst beleuchten

Statt standardisierte Datenströme anzumieten, interessiere sich die Telekom für Dark Fiber. Sie kann die Glasfaser selbst beleuchten und nach ihren Vorstellungen nutzen, ist dann aber auch für die Infrastruktur zuständig und muss diese warten. Die Partner der Telekom übernehmen also den Ausbau des Netzes, sie mietet die Infrastruktur anschließend an und verantwortet den Netzbetrieb. Auch alternative Anbieter nutzen solche Kooperationen, jedoch zusätzlich zu Bitstrom-Modellen.

Sven Knapp, Leiter des Hauptstadtbüros des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) sagte: "Kooperationen sind der Schlüssel für einen effizienten Glasfaserausbau. Sie sorgen für hohe Auslastung der Netze, verhindern volks- und betriebswirtschaftlich unsinnigen Doppelausbau, senken Kosten und vergrößern die Anbieterauswahl für Verbraucherinnen und Verbraucher."

Layer-2-Bitstromzugang: Effektivste Form von Open Access

In der aktuellen Marktphase, in der noch viele Milliarden in neue Glasfasernetze investiert werden müssten, sei der Layer-2-Bitstromzugang die effektivste Form von Open Access – und setze sich deshalb bei Kooperationen unter den Wettbewerbern der Telekom durch. Knapp erklärte: "Es existieren bereits vielfältige Kooperationen und fast wöchentlich kommen neue hinzu – sowohl lokal oder regional begrenzt als auch bundesweit, zwischen Netzbetreibern oder mit ISPs ohne eigenes Netz, oder auch auf Basis breiter Open-Access-Plattformen."

Laut einer Studie für den Breko sind nur 14 Prozent der Unternehmen bisher noch keine Glasfaser-Kooperation eingegangen, weitere 10 Prozent haben eine geschlossen. 41 Prozent befinden sich derzeit in 2 bis 5 Kooperationen, 17 Prozent unterhalten 6 bis 10, 13 Prozent sind 11 bis 25 Kooperationen eingegangen. 5 Prozent haben mehr als 25 Kooperationen. 90 Prozent der Unternehmen gehen demnach eine Kooperation ein, um höhere Netzauslastung zu erreichen, 69 Prozent, um Glasfaser-Doppelausbau zu vermeiden. Rund die Hälfte (49 Prozent) will eine Kostenteilung, regulatorische Anforderungen und Risikominimierung wird jeweils von rund 20 Prozent der befragten Unternehmen als Gründe genannt.

Telekom: Rund 50 Kooperationen und Partnerschaften

Dagegen blockiere die Telekom mit dem von ihr bevorzugten sogenannten Faser-Mietmodell "fairen Wettbewerb und lädt Risiken einseitig bei ihren Partnern ab, während der Großteil der Wertschöpfung bei der Telekom bleib" , sagte Knapp. Wer schnellen Glasfaserausbau und Anbieterwahlfreiheit wolle, müsse auch Bitstrom-Vorleistungen auf den Netzen der Wettbewerber einkaufen.

Telekom-Unternehmenssprecherin Sandra Rohrbach sagte Golem zuvor , der Konzern habe "rund 50 Kooperationen und Partnerschaften. Diese kommen zustande, wenn wir mit Unternehmen vertrauensvoll und langfristig zusammenarbeiten können. Dann nutzen wir auch ein Netz von anderen." Ein Kriterium sei beispielsweise, dass Partner Service und Entstörung rund um die Uhr anbieten kann.

Verivox gehört zur italienischen Moltiply-Gruppe, betreibt Vergleichsportale und verdient Geld als Vermittler von Verträgen.


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