Parasyte: The Grey: Halb Mensch, halb außerirdischer Parasit
Der Name Yeon Sang-ho bürgt für Qualität: Er hat den Zombie-Hit Train to Busan inszeniert und die Netflix-Horrorserie Hellbound(öffnet im neuen Fenster). Nun kommt von ihm Parasyte: The Grey bei Netflix. Alle sechs Folgen sind seit heute (5. April) zu sehen.
Mit seiner neuen Serie nimmt sich Yeon Sang-ho eines in mehrerlei Hinsicht erprobten Stoffes an. Die Prämisse der Geschichte ist nicht neu und wurde in den USA seit etwa 70 Jahren häufig genutzt. Der zugrundeliegende Manga(öffnet im neuen Fenster), der in Japan von 1988 bis 1995 erschienen, wurde bereits mehrmals verfilmt.
Die Körperräuber kommen
Die Serie beginnt mit Fragen, die auch Thanos gefallen dürften: Wäre die Welt nicht eine bessere, wenn nur die Hälfte der Menschheit existierte? Würden die Ressourcen dann nicht gerechter verteilt? Wäre das nicht-menschliche Leben nicht geschützter, wenn es weniger Mitglieder der sogenannten Krone der Schöpfung gäbe?
Vielleicht auch deswegen kamen die titelgebenden Parasiten auf die Erde. Sie nisten sich in menschlichen Körpern ein und verzehren das Gehirn. Noch sind sie wenige, aber sie organisieren sich.
Widerstand regt sich aber auch. Eine Spezialeinheit – die Grauen – wurde gegründet, um der Bedrohung durch die Parasiten Herr zu werden.
Im Fokus der Geschichte steht dabei eine junge Frau, die angegriffen und schwer verletzt wird. Ein Parasit will sich in ihr einnisten, kann ihr Gehirn aber nur teilweise absorbieren, weil er damit beschäftigt ist, die potenziell tödlichen Wunden zu heilen.
Das macht sie zu einem Mutanten, einem Wesen, das Mensch und Parasit zugleich ist. Mal übernimmt der eine, mal der andere den Körper, wobei die Kommunikation schriftlich oder über Handy-Videos stattfindet.
Die vielen Parasiten
Der Manga, auf dem die Serie basiert, stammt von Hitoshi Iwaaki und wurde 2014 bereits in Japan als Parasyte verfilmt. Ein Sequel folgte im Jahr darauf. Zudem gab es mit Parasyte: The Maxim von 2014 bis 2015 eine Anime-Serie. Diesen japanischen Produktionen folgt nun die südkoreanische Version.
Die Einflüsse sind aber natürlich sehr viel reichhaltiger. Seit Don Siegel Die Dämonischen auf Basis des Romans von Jack Finney im Jahr 1956 veröffentlichte, kam das Thema der Außerirdischen, die sich in menschlichen Körpern einnisten, immer wieder.
Remakes von Siegels Film, aber auch Variationen wie The Faculty oder die Fernsehserie First Wave nahmen sich der von Paranoia beherrschten Geschichte immer wieder an.
Auch Twilight-Schöpferin Stephenie Meyer erzählte mit Seelen eine solche Geschichte. An diese Verfilmung aus dem Jahr 2013 muss man nun auch denken, denn sowohl in Seelen als auch in Parasyte: The Grey wird die Hauptfigur nicht gänzlich übernommen, sondern teilt sich ihren Körper mit dem Außerirdischen.
Anfang mit Knalleffekt
Wirklich neu ist an Parasyte: The Grey natürlich nichts. Aber: Die Variation der bekannten Geschichte weiß zu gefallen, weil Yeon Sang-ho ein Gespür dafür hat, wie man Action präsentiert, aber dabei die Figuren auch eine Entwicklung durchmachen lässt.
Das garniert er mit tollen Effekten, etwa wenn sich die Köpfe der Parasiten in riesige Tentakel verwandeln. Die hierfür genutzte CGI mag nicht ganz State of the Art sein, die leichten Unzulänglichkeiten tragen aber auch zum Charme der Serie bei.
Schon die Anfangssequenz hat es in sich, als ein Parasit in einen Menschen eindringt, der dann inmitten einer Party anfängt, die anderen Besucher zu massakrieren. So muss man eine Geschichte beginnen: mit einem Knalleffekt, der das Publikum gleich richtig reinzieht.
Danach reißt die Rasanz eigentlich auch nicht mehr ab. Schon mit Train to Busan und in geringerem Maße mit dem Nachfolger Peninsula(öffnet im neuen Fenster) erwies sich der Regisseur als meisterhaft darin, in Sachen Action immer noch einen draufzusetzen – das gelingt ihm auch hier.
Spannung bezieht die Serie aber auch daraus, dass man hier noch relativ am Anfang der Übernahme steht: Die Welt ist noch nicht in Gänze übernommen, aber die Parasiten organisieren sich. Sie erkennen einander und sie arbeiten alle auf ein Ziel hin. Der offenkundige Konflikt ist der Kampf der Grauen gegen die Körperräuber.
Mensch vs. Parasit
Der noch spannendere Konflikt ist derjenige der Hauptfigur, die Parasit und Mensch in sich vereinigt. Verglichen wird das mit Jekyll und Hyde, dabei ist sie eine Außenseiterin sowohl für die Menschen als auch für die Parasiten. Und doch könnte sie der Schlüssel für eine friedliche Lösung sein.
Parasyte: The Grey setzt den Netflix-Trend großer südkoreanischer Serien wie Squid Game, Sweet Home oder All Of Us Are Dead(öffnet im neuen Fenster) fort. Die Messlatte wurde durch diese Sendungen hoch gesetzt, die Körperräuber-Saga kann aber locker mithalten.
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