Paragon Solutions: US-Einwanderungsbehörde erhält israelischen Staatstrojaner
Die USA wollen die Nutzung der Spionagesoftware Graphite von Paragon Solutions auf die Einwanderungsbehörde (ICE) ausdehnen. Das geht aus geänderten Vertragsunterlagen zwischen der ICE und dem israelischen Anbieter(öffnet im neuen Fenster) hervor.
In einem Dokument vom 30. August 2025(öffnet im neuen Fenster) heißt es dazu: "Dieser Vertrag umfasst eine vollständig konfigurierte, proprietäre Lösung, einschließlich Lizenz, Hardware, Garantie, Wartung und Schulung. Mit dieser Änderung soll der Arbeitsstopp aufgehoben werden."
Mächtiges Spionagewerkzeug
Ebenso wie das Hackingtool Pegasus der israelischen NSO Group soll Graphite in der Lage sein, den Zugriff auf beliebige Smartphones zu ermöglichen. Damit lassen sich auch Messengerdienste wie Whatsapp überwachen(öffnet im neuen Fenster), was im Falle italienischer Journalisten bereits nachgewiesen wurde(öffnet im neuen Fenster).
Die ICE überprüft bei der Einreise gelegentlich den Inhalt von Endgeräten wie Computern oder Handys. Das kann dazu führen, dass selbst Personen mit gültigem Visum oder gültiger Greencard die Einreise verweigert wird.
Biden-Regierung stoppte Nutzung
Der ursprüngliche Vertrag beläuft sich auf über 2 Millionen US-Dollar und ist auf den 27. September 2024 datiert. Einem Bericht von Wired zufolge(öffnet im neuen Fenster) stoppte die frühere US-Regierung unter Joe Biden die Umsetzung des Vertrags am 8. Oktober 2023. Es habe Bedenken gegeben, dass der Vertrag gegen einen Präsidentenerlass vom März 2023(öffnet im neuen Fenster) verstoßen könnte. Diese schränke die Beschaffung von Spionageprogrammen in den USA ein, wenn diese "ein Risiko für die nationale Sicherheit"darstellen.
Allerdings gab es bereits im Mai 2023 Berichte, wonach die US-Regierung den Trojaner Graphite einsetzt. Einer der größten Kunden und Nutzer des Staatstrojaners sollte demnach die US Drug Enforcement and Administration Agency (DEA) sein – eine Strafverfolgungsbehörde des Justizministeriums, die die Herstellung und den Handel mit illegalen Drogen unterbinden soll. Diese soll das Tool an ihre Partner in Mexiko weitergegeben haben.
Paragon Solutions bot sich den US-Behörden als Alternative an, weil der Konkurrent NSO Group im Jahr 2021 auf eine Schwarze Liste gesetzt worden war. Zur Begründung hieß es: Gegen die NSO Group und das israelische Unternehmen Candiru lägen Beweise vor, dass sie Spyware entwickelt und an ausländische Regierungen geliefert hätten, um damit Regierungsbeamte, Journalisten, Geschäftsleute, Aktivisten, Akademiker und Botschaftsmitarbeiter "böswillig anzugreifen".
Übernahme durch US-Investor
Paragon achtete dagegen darauf, seine Produkte nur an Staaten zu verkaufen, die die USA für vertrauenswürdig halten. Das seien vor allem Länder in Europa und Asien gewesen. Diese Strategie ermöglichte vermutlich auch den Kauf des Unternehmens durch die US-amerikanische Private-Equity-Firma AE Industrial Partners im Dezember zum Preis von bis zu 900 Millionen US-Dollar.
AE plante, Paragon mit REDLattice, einem US-Cybersicherheitsunternehmen, das sich im Besitz von AE befindet, zu fusionieren, berichtete der Wirtschaftsdienst Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) unter Berufung ein Person, die mit dem Vorgang vertraut sei.
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