Paradise Papers: Apple verteidigt Umzug in Steueroase Jersey

Im Steuerstreit mit Irland und der EU ist Apple schon vor einigen Jahren heimlich aktiv geworden. Nun werden die Milliardengewinne in der Steueroase Jersey geparkt. Apple verteidigt das Modell.

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Apple-Store
Apple-Store (Bild: Jason Reed/Reuters)

Der Computerhersteller Apple managt aus Steuergründen seine irischen Tochterfirmen inzwischen von der Kanalinsel Jersey aus. Das geht aus den sogenannten Paradise Papers hervor, die die Geschäfte mit weltweiten Steueroasen aufdecken. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist allerdings unklar, wie Apple diese Verbindung nach Jersey genau nutzt. Möglicherweise geht es darum, weiterhin von niedrigen Steuersätzen in Irland zu profitieren.

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Nach Darstellung Apples soll der Umzug nach Jersey sicherstellen, dass die Steuerzahlungen in die USA nicht reduziert werden. Jersey ist britischer Kronbesitz und steuerlich von Großbritannien und der Europäischen Union unabhängig. Der Steuersatz für Unternehmen liegt bei null Prozent.

Reaktion auf irische Steuerpläne

Dem Bericht zufolge wurde der Konzern im Jahr 2014 aktiv, um einen neuen Firmensitz für ein ausländisches Tochterunternehmen zu finden. Vorausgegangen war eine Debatte über Steuerschlupflöcher in Irland. Aufgrund des öffentlichen Drucks hatte Irland angekündigt, seine Steuerregeln zu ändern. Der sogenannte Double Irish, von dem auch Facebook profitierte, sollte Ende 2014 mit einer mehrjährigen Übergangsfrist abgeschafft werden.

Eine denkbare Erklärung für die Jersey-Aktivitäten könnte nach Einschätzung der Süddeutschen Zeitung sein, dass Apple rasch die irische Steuerreform umsetzen wollte. Irische Apple-Firmen seien aufgrund der Steuertricks steuerrechtlich "staatenlos" gewesen, das heißt aus Sicht des Finanzamtes in keinem Land der Welt ansässig. Das sollte auf Betreiben des irischen Finanzministers nicht mehr erlaubt sein. Apples bislang staatenlose Firmen hatten nun möglicherweise auf Jersey eine Steuerheimat gefunden.

Zumindest keine Steuerersparnis erzielt

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Den Paradise Papers zufolge führte die auf Bermuda ansässige Kanzlei Appleby im Jahr 2015 zwei irische Apple-Firmen als ansässig auf Jersey. Die beiden irischen Firmen Apple Sales International (ASI) und Apple Operations International (AOI) werden den Unterlagen zufolge von Apple Trust Jersey Limited betreut. AOI soll den Großteil von Apples Auslandsvermögen in Höhe von 252 Milliarden US-Dollar verwalten. Laut dem Guardian ruhen die Aktivitäten von ASI inzwischen. Die von ASI gehaltenen Rechte könnten an die weiterhin in Irland ansässige Apple Operations Europe (AOE) verschoben worden sein, um die Summen von der Steuer absetzen zu können.

Steuerlich soll sich die Umsiedlung nach Jersey jedoch nicht ausgewirkt haben. "Die Änderungen haben unsere Steuerzahlungen in keinem Land verringert. Tatsächlich zahlen wir deutlich mehr an Irland: 1,5 Milliarden Dollar in den letzten drei Jahren", teilte Apple in einer umfangreichen Stellungnahme mit.

Apples verräterischer Fragenkatalog

Zudem verwies Apple darauf hin, der "größte Steuerzahler der Welt" zu sein und in den vergangenen drei Jahren mehr als 35 Milliarden US-Dollar Körperschaftsteuer gezahlt zu haben. In Deutschland zahlt Apple trotz hoher Umsätze kaum Steuern. Nach Angaben des Guardian erzielte Apple in den drei Jahren einen Auslandsgewinn von 122 Milliarden US-Dollar, zahlte dort aber nur 6,6 Milliarden Dollar an Steuern, was 5,4 Prozent entspreche.

Die Paradise Papers machen aber deutlich, dass der Konzern bei der Wahl Jerseys durchaus die Steuerersparnis im Blick hatte. So wollte Apple über einen Fragebogen der Kanzlei Baker McKenzie in Erfahrung bringen, ob eine irische Firma in einem bestimmten Rechtsgebiet Managementaktivitäten wie Vorstandssitzungen durchführen könne, "ohne besteuert zu werden". Zudem fragte die Kanzlei in Apples Auftrag: "Gibt es eine glaubwürdige Oppositionspartei oder eine Bewegung, die die jetzige Regierung ersetzen könnte?" Möglicherweise stand die Furcht dahinter, dass eine neue Regierung die günstigen Steuerregeln ändern könnte.

Selbst wenn Apple mit der Umfirmierung nicht weniger Steuern gezahlt haben sollte, könnte das den Zweck der Aktion schon erfüllt haben. Schließlich stören sich die Europäische Kommission und zahlreiche EU-Mitgliedstaaten daran, dass Apple in der Vergangenheit kaum Steuern auf die Milliardenumsätze in Europa gezahlt hat. Die EU-Kommission verlangt von Apple daher eine Steuernachzahlung in Höhe von 13 Milliarden Euro. Weil Irland das Geld nicht nachträglich eintreiben will, soll nun der Europäische Gerichtshof (EuGH) darüber entscheiden.

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neocron 15. Nov 2017

oder aber man erkennt eben nicht die eigene Ignoranz ggue. des Diskussionsthemas und der...

neocron 08. Nov 2017

du darfst immer meckern ... ob es glaubwuerdig ist, ist die Frage ... Und ob dir das...

Trollversteher 08. Nov 2017

Warum nur für Apple? Diese Steuer müsste dann auch für Microsoft Produkte, sämtliche...

Anonymer Nutzer 08. Nov 2017

Welcher andere Handyhersteller nutzt denn garantiert und nachweislich kein einziges...



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