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Paradise auf Disney+: Die große neue Mysteryserie

Paradise beginnt wie ein Thriller und entwickelt sich schnell zu einer mitreißenden Mysteryserie. Staffel 1 endet am heutigen Dienstag, die Fortsetzung ist bestellt.
/ Peter Osteried
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Paradise ist die neue große Mystery-Serie bei Disney+. (Bild: Disney+)
Paradise ist die neue große Mystery-Serie bei Disney+. Bild: Disney+

Vor wenigen Wochen bei Disney+ gestartet, läuft am heutigen Dienstag die letzte Folge der ersten Staffel von Paradise. Schluss ist damit aber noch lange nicht, denn der Streamingdienst reagierte auf den Erfolg bei den Abonnenten und orderte eine zweite Staffel(öffnet im neuen Fenster) . Gut so, denn das Mysterium um die Stadt Paradise und die Welt, welche die Einwohner hinter sich gelassen haben, ist mitreißend und bedarf unbedingt einer Auflösung.

Die neue Serie von This-is-Us-Schöpfer Dan Fogelman ist mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Während der ersten Folge denkt man noch, es handele sich um einen konventionellen Thriller, geht es doch um den Präsidentenmord, den ein Agent des Secret Service aufzuklären versucht. So weit, so normal. Aber: Schon in den Details der ersten Folge wird deutlich, dass aus dem Thriller eine Mysteryserie mit Sci-Fi-Elementen werden könnte.

Wer hat den Präsidenten ermordet?

Die Geschichte: Agent Xavier Collins wurde vom Präsidenten persönlich für sein Beschützerteam ausgewählt. Beide Männer verstehen sich gut, der Präsident ist der Scherzkeks, Collins stoisch. Aber Collins rettete dem Präsidenten auch schon das Leben und fing sich dafür eine Kugel ein.

Jetzt ist der Präsident tot. Collins findet ihn als Erster, meldet das aber erst eine halbe Stunde später, weil er eigene Ermittlungen anstellt und seiner Vorgesetzten, die mit dem Präsidenten eine Affäre hatte, nicht traut. Dabei ist er selbst der Mann, der den Präsidenten am liebsten tot gesehen hätte.

Bis hierher ist Paradise recht konventionell – wenn man die Details übersieht, in denen unter anderem deutlich wird, dass diese Stadt anders als andere Städte ist. Es sind nebenbei gesprochene Dialoge darüber, dass "die Hitze bald hochgefahren" werde; auch das Zahlungssystem über eine Uhr gibt einen Hinweis.

Am Ende der ersten Folge wird dann klar, was los ist: Es ist ein Truman-Show-Effekt, als man sieht, dass die Stadt unter einer künstlichen Sonne existiert. Sie befindet sich in einem Berg!

Rückblicke sind erhellend

Die Serie arbeitet viel mit Rückblicken – in die Zeit vor dem Kataklysmus, aber auch in die, als alle schon in Paradise waren. So erfährt man, dass die Menschheit nur noch wenige Jahre bis zu ihrer Auslöschung hat. Andere Rückblicke zeigen, wie die Stadt in einem Berg gebaut wurde.

Es ist im Grunde die Arche Noah, das letzte Refugium der Menschheit, selbsterhaltend und so gestaltet, dass 25.000 Menschen dort leben können. Mit jedem Rückblick wird das Bild klarer, das man als Zuschauer von Paradise hat. Und es sind eindrucksvolle Bilder – etwa von der Spitze des Washington Monuments, das als einziges noch aus dem Wasser ragt.

Fragen werden beantwortet, neue gestellt

Bei der erzählerischen Struktur ließen sich Fogelman und seine Autoren von Serien wie Lost oder Flashforward inspirieren. Bei diesen wurde ebenfalls ausgiebig mit Rückblenden gearbeitet, die nicht nur die Charakterisierung der Figuren vorantrieben, sondern in den Details auch mit dem korrelierten, was in der gegenwärtigen Handlung passiert – ein narratives Mosaik, das mit jedem Fetzen Information klarer wird.

Mehr als ein Mysterium

Paradise arbeitet mit gleich mehreren Mysterien. Wer hat den Präsidenten ermordet – und warum? Und was passierte außerhalb des Berges? Welche Katastrophe zwang die Menschen zum Rückzug in dieses letzte Refugium?

Das Schöne an der ersten Staffel: Die Serie wirft nicht nur Fragen auf, sie bietet auch Antworten. Die Zuschauer erfahren, warum der Präsident getöte wurde; ebenso wird klar, warum die wenigen Auserwählten in die Bergstadt fliehen mussten.

Zudem wird zum Ende der Staffel die Welt größer, in der die Serie spielt, während man anfangs dachte, dass die Geschichte sich auf die Stadt konzentriert. Die Rückblenden der letzten Folgen legen offen, dass man als Zuschauer weniger weiß, als man dachte – und das gilt nicht nur für das Publikum, sondern auch für die meisten Protagonisten.

Das wohlige Gefühl einer uramerikanischen Stadt

Sterling K. Brown (Predator: Upgrade) spielt die Hauptrolle, das übrige Ensemble setzt sich aus erfahrenen Darstellern zusammen: James Marsden ( Westworld ), Krys Marshall ( For All Mankind ), Sarah Shahi (Sex/Life) und Julianne Nicholson (Criminal Intent) – letztere in einer ungewöhnlich harten Rolle.

Der Anfang der Serie ist stark, insbesondere, wenn man das eine erwartet, aber das andere erhält, weswegen eine zweite Sichtung die Augen öffnet. Darüber hinaus wirkt die Serie zu ihrem Beginn aber auch schön heimelig. Denn die Sets werden gewinnbringend eingesetzt.

Als Collins am Anfang der ersten Folge joggt, stellt sich das wohlige Gefühl einer uramerikanischen Stadt ein, bei der man fast schon den Apple Pie riechen kann. Es ist ein krasser Kontrast zu der Enthüllung, dass es eine Kunststadt ist. Hier wurden die Kulissen der Kleinstadt Stars Hollow aus der Serie Gilmore Girls(öffnet im neuen Fenster) benutzt, in der zweiten Folge sieht man Luke's Diner von außen, wenn auch etwas modifiziert.

Paradise ist eine große neue Mysteryserie, die sich anschickt, das Erbe von Serien wie Lost anzutreten. Es bleibt zu hoffen, dass Fogelman ein Ende vor Augen hat. Denn das größte Mysterium ist nur dann überragend, wenn die Auflösung der Prämisse gerecht wird. Zu viele Mysteryserien sind daran gescheitert , vielleicht kann Paradise diesen Fehler umgehen. Möglicherweise bedarf es dazu aber der Vertreibung aus dem Paradies.


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